Israels Verteidigungskrieg gegen die Hamas
Greift Iran direkt in den Nahostkrieg ein? Politikwissenschaftler hält dieses Szenario für unwahrscheinlich

Der Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad hält ein direktes Eingreifen des iranischen Regimes in den Nahostkrieg für "unwahrscheinlich".

26.10.2023
    Irans oberster geistlicher Führer Ajatollah Ali Chamenei sitzt neben zwei Militärangehörigen
    Irans oberster geistlicher Führer Ajatollah Ali Chamenei mit Militärs in Teheran. (Archivbild) (imago / ZUMA Wire / Iranian Supreme Leader S Office)
    In Teheran sei man sich anscheinend einig darüber, dass ein großer Krieg die Regimesicherheit infrage stellen würde, sagte er dem Nachrichtenportal "t-online". In den ersten Tagen nach dem Hamas-Angriff habe Teheran zwar Glückwünsche an die Terrororganisation gerichtet, doch danach sei das Regime in gewisser Weise zurückgerudert, erklärte der Direktor des Berliner "Center for Middle East and Global Order". Spätestens ab dem 10. Oktober sei zu beobachten gewesen, dass in Teheran die Angst vor einem Krieg gegen Israel und womöglich auch gegen die USA wachse. Die zwei großen Kriegsschiffe, die Washington zur Abschreckung ins östliche Mittelmeer geschickt habe, hätten offenbar Wirkung gezeigt.
    Der Experte verwies auch auf die massiven Proteste der iranischen Bevölkerung gegen das islamistische Regime in den vergangenen Monaten. Vor diesem Hintergrund sieht er ein innenpolitisches Risiko für die iranische Machtelite: Die Kluft zwischen dem Regime und der Bevölkerung könnte sich vergrößern, denn viele Iraner glaubten der Propaganda der Führung nicht mehr.
    Während ein Kriegsszenario somit aus Fathollah-Nejads Sicht nicht im Interesse der Machtelite liegen würde, würde ihr ein schwelender Konflikt zwischen Israelis und den Palästinensern aber sehr wohl nützlich erscheinen. Zum Beispiel hoffe das Regime, sich dann als großer Unterstützer der Palästinenser stilisieren zu können, führte der Experte aus. Mit Blick auf die vom Iran unterstützten Milizen und Terrorgruppen in der Region ergänzte er, der Iran verfüge über eine regionale "Achse des Widerstands". Diese könne er aktivieren und dabei seine eigene Verantwortung auf jene Gruppen auslagern.
    Zuvor hatte etwa der Politikwissenschaftler Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik bei "Tagesschau24" betont, die Drohungen des Irans seien ernstzunehmen.

    Weiterführende Informationen

    Über die Entwicklungen im Nahen Osten halten wir Sie auch in einem Nachrichtenblog auf dem Laufenden.
    Diese Nachricht wurde am 26.10.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.