Donnerstag, 15.11.2018
 
Seit 02:10 Uhr Zur Diskussion
StartseiteKalenderblattGroßes Köpferollen in Washington20.10.2013

Großes Köpferollen in Washington

Heute vor 40 Jahren fand das "Saturday Night Massacre" statt

1973 fordert Sonderermittler Archibald Cox in der Watergate-Affäre Tonbandaufnahmen von US-Präsident Richard Nixon. Der wehrt sich und bringt am 20.10. zwei Justizminister zu Fall. Der Tag ging als "Saturday Night Massacre" - als Samstag-Nacht-Massaker - in die amerikanische Geschichte ein.

Von Otto Langels

Richard M. Nixon bei seiner Rücktrittsrede im Weißen Haus am 9. August 1974 (AP)
Richard M. Nixon bei seiner Rücktrittsrede im Weißen Haus am 9. August 1974 (AP)

"President Nixon has announced, that he has discharged Archibald Cox, the Special Watergate Prosecutor and abolished Cox’s office."

Am Abend des 20. Oktober 1973 verbreiteten amerikanische Rundfunksender die Nachricht, dass US-Präsident Richard Nixon den Sonderermittler im Watergate-Skandal, Archibald Cox, entlassen hatte.

Damit erreichte eine politische Affäre ihren vorläufigen Höhepunkt, die im Juni 1972 begonnen hatte. Damals waren fünf Männer während des Präsidentschaftswahlkampfs in das Watergate-Gebäude in Washington eingebrochen, um Abhörwanzen im Hauptquartier der Demokratischen Partei zu installieren und Dokumente zu fotografieren. Spuren führten in das Weiße Haus, aber Nixon leugnete jede Verwicklung in den Einbruch. Der republikanische Präsident wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt und schien die Untersuchungen des Sonderermittlers Archibald Cox unbeschadet zu überstehen. Den Harvardprofessor hatte Justizminister Elliott Richardson beauftragt, die Hintergründe des Einbruchs aufzuklären:

"Mr. Cox will have … Mr. Cox genießt in allen Belangen völlige Unabhängigkeit, und er bekommt die notwendigen Befugnisse, um sämtliche Aspekte des Watergate-Falles zu untersuchen. ... Watergate cases."

Im Sommer 1973 wurde bekannt, dass Richard Nixon jahrelang alle von ihm geführten Gespräche und Telefonate im Oval Office des Weißen Hauses hatte aufzeichnen lassen.
Archibald Cox wollte anhand der Tonbänder überprüfen, was Nixon über "Watergate" wusste, und forderte die Herausgabe aller vorhandenen Aufnahmen. Nixon aber weigerte sich, ignorierte sogar Strafandrohungen der Gerichte und bot lediglich an, eine Abschrift der relevanten Tonband-Passagen zur Verfügung zu stellen. Ein Kompromiss, den der unnachgiebige und selbstbewusste Sonderermittler ablehnte. Er kündigte an, den Präsidenten wegen Missachtung der Gerichte zu verklagen:

"I think, it’s so likely ... Ich denke, es steht außer Frage, dass es meine Pflicht ist, die Frage den Gerichten zu überlassen, und die Gerichte werden eine Entscheidung fällen. ... make a termination."

Daraufhin rief der Stabschef des Weißen Hauses, Alexander Haig, am Abend des
20. Oktober Justizminister Elliot Richardson an und forderte ihn auf, Archibald Cox sofort zu entlassen, was Richardson ablehnte.

"There is nothing … Es gibt keinen Anlass, Cox vorzuwerfen, irgendetwas getan oder unterlassen zu haben, was man auch nur im Entferntesten als unangemessen bezeichnen könnte. Warum sollte ich ihn also feuern? ... fire him?"

Der Justizminister widerstand dem Druck aus dem Weißen Haus, zog die Konsequenzen und trat umgehend zurück. Unmittelbar danach unternahm Alexander Haig einen zweiten Versuch bei William Ruckelshaus, dem stellvertretenden Justizminister, und gab ihm zu verstehen, dass es sich um einen Befehl des Präsidenten, des Oberkommandierenden, handle. Aber auch Ruckelshaus blieb standhaft. Er berief sich darauf, dass er seinen Eid auf die Verfassung und nicht auf den Präsidenten abgelegt habe - und musste postwendend seinen Hut nehmen. Erst Robert Bork, dritter Mann im Ministerium, war bereit, die Anweisung des Präsidenten auszuführen und Cox zu entlassen.

Nixon weigerte sich nach diesem politischen Handstreich weiterhin, die Bänder herauszugeben, er ließ lediglich einige Abschriften veröffentlichen und beteuerte vor der Öffentlichkeit, kein Gauner zu sein:

"People have got to know, whether or not their President is a crook, but I am not a crook."

Das "Saturday Night Massacre" erwies sich als Pyrrhussieg für Richard Nixon. Im Kongress und in den Medien wurde sein Vorgehen als Verstoß gegen die Verfassung gewertet, manche sprachen gar von einem versuchten Staatsstreich und Gestapo-Methoden. Im Juli 1974 entschied der Oberste Gerichtshof, dass der Präsident sämtliche Tonbänder herausgeben musste. Die Aufzeichnungen belegten, dass Nixon persönlich die Watergate-Ermittlungen mit kriminellen Mitteln hintertrieben hatte. Einer Amtsenthebung durch ein so genanntes "Impeachment"-Verfahren entging er durch seinen Rücktritt am 9. August 1974.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk