Dienstag, 24. Mai 2022

Grubenunglück in der Türkei
Trauer um die Opfer

Bei einem schweren Grubenunglück in der Türkei sind mehr als 270 Bergleute ums Leben gekommen. Etwa 450 Arbeiter konnten gerettet werden. Ministerpräsident Erdogan rief eine dreitägige Staatstrauer aus. In mehreren Städten des Landes kam es zu gewaltsamen Protesten.

14.05.2014

Trauernde Bergarbeiter nach dem Unglück im Kohlekraftwerk Soma in der Provinz Manisa
Vermutlich sind noch viele Bergleute unter Tage eingeschlossen (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)
Mehr als 270 Menschen seien bei dem Unglück im Kohlekraftwerk Soma in der Provinz Manisa gestorben, sagte der türkische Energieminister Taner Yildiz am späten Mittwochabend. "Die Zeit arbeitet gegen uns." Die Hoffnung schwinde, noch Überlebende zu retten: "Es ist schlimmer, als zunächst erwartet."
Auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Ort der Katastrophe besucht. Er kündigte umfassende Ermittlungen an. Die Unglücksursache müsse "vollständig" untersucht werden, sagte er bei einer Pressekonferenz und ergänzte: "Wir werden keine Nachlässigkeit dulden." Erdogan wies jedoch zugleich jede Verantwortung der Regierung zurück: Derlei Arbeitsunfälle passierten "überall auf der Welt", sagte er.
Nach Angaben des Minenbetreibers sind fast 450 Arbeiter gerettet worden. Die Regierung in Ankara rief wegen des Unglücks eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den Vertretungen im Ausland wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.
Tränengas und Wasserwerfer in Ankara
Ursache der Katastrophe soll eine Explosion der Stromversorgungsanlage und ein dadurch ausgelöstes Feuer sein. Die meisten der Todesopfer sollen an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben sein. Es ist das schwerste Grubenunglück in der Türkei - mit noch mehr Toten als bei einer Gasexplosion 1992 in der Schwarzmeerstadt Zonguldak. Damals starben 263 Menschen.
In mehreren türkischen Städten kam es nach dem Unglück in Soma zu Protesten. In der Hauptstadt Ankara und in Istanbul ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Mehrere Gewerkschaften haben für die kommenden Tage zu weiteren Protesten aufgerufen. In Soma demonstrierten aufgebrachte Angehörige der Bergleute vor dem örtlichen Parteibüro gegen Erdogan. Sie riefen "Mörder" und "Dieb", einige warfen Steine.
Deutschland bietet Hilfe an
Türkische Medien berichteten, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition im Parlament in Ankara zurückgewiesen, die Sicherheitsvorkehrungen an der Zeche Soma zu überprüfen. Die Bergwerksgesellschaft teilte mit, die letzten Sicherheitsüberprüfungen habe es vor zwei Monaten gegeben. Günther Apel, Berater für Bergwerkstechnik und -sicherheit vermutet, dass das Unglück auch auf ein Verschulden der Behörden zurückzuführen sei. Im Deutschlandfunk sagte er, die Technik in den türkischen Bergwerken sei häufig veraltet und einfach.
Mehrere Länder boten der Türkei Hilfe an, darunter auch Deutschland. Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, Deutschland stehe bereit, wenn die Türkei das wünsche. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.
(pg/kis)