Gründer der Sternwarte im Treptower ParkDas traurige Schicksal der Familie Archenhold

Vor 160 Jahren kam in Lichtenau bei Paderborn Friedrich Simon Archenhold zur Welt. Er studierte in Straßburg und Berlin und bekam schließlich eine Anstellung an der Berliner Urania-Sternwarte.

Von Dirk Lorenzen | 02.10.2021

Friedrich Simon Archenhold 1931 am Okular "seines" Teleskops
Friedrich Simon Archenhold 1931 am Okular "seines" Teleskops (Bundesarchiv)
Am Halensee im Grunewald errichtete er eine Außenstelle, wo sich in der Dunkelheit Fotografien des Himmels machen ließen. Um die Forschungsbedingungen zu verbessern, setzte er in den 1890er-Jahren auf den Bau eines deutlich größeren Teleskops. Das über 20 Meter lange Linsenfernrohr steht bis heute im Treptower Park.
Friedrich Archenhold übernahm die Leitung der neuen Sternwarte, die vor allem öffentlichen Himmelsbeobachtungen diente. Daneben forschte er an Sonnenflecken und Leuchtenden Nachtwolken, die in der Hochatmosphäre auftauchen und im Sommer manchmal am Nordhimmel zu sehen sind.
Die "Himmelskanone" der Archenhold-Sternwarte, der längste Refraktor der Welt 
Die „Himmelskanone“ der Archenhold-Sternwarte, der längste Refraktor der Welt (Stiftung Planetarium Berlin)
Mit 70 Jahren übergab er die Leitung der Sternwarte an seinen Sohn Günther. Mit der Machtergreifung der Nazis wurden die Archenholds wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit verfolgt. Schließlich mussten sie die Sternwarte verlassen.
Ein Teil der Familie emigrierte. Friedrich Archenhold starb wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im Alter von 78 Jahren. Seine Frau Alice und seine Tochter Hilda wurden ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet.
Seit gut zehn Jahren gibt es in Berlin-Niederschöneweide den Alice-Archenhold-Weg – nur wenige Kilometer entfernt von der Archenhold-Sternwarte, wie das Lebenswerk der Familie seit langem heißt.