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In Altenburg soll das Skatspiel - vermutlich 1813 - erfunden worden sein. Wer durch die Stadt bummelt, kann das nicht übersehen: Das Spielkartenmuseum und das Skatgericht gibt es in der alten thüringischen Stadt - und natürlich den Skatbrunnen, in dem echte Spieler ihre Karten taufen.

Von Eva Firzlaff | 21.06.2009
    Kaiser Friedrich Barbarossa hat zwar noch keinen Skat gespielt, doch er war mindestens siebenmal in der Pfalz Altenburg. Stadt und Schloss haben eine 1000-jährige Geschichte.

    Die Stadt wurde zwar im 30-jährigen Krieg überrollt, dann jedoch nie wieder zerstört. So findet sich eine reiche Architektur von der Romanik bis zum Jugendstil. Von der früheren Bedeutung zeugt der riesengroße Marktplatz.

    "Das ist sozusagen der Hauptmarkt, also der 'Neue Markt', 'Novum Forum'. Wir haben auch einen Topfmarkt, einen Kornmarkt, einen Weibermarkt, einen Rossmarkt und den sogenannten 'Alten Markt', den Brühl."

    Auf diesem "Alten Markt" steht Altenburgs Heiligtum - der Skatbrunnen. Auf einem Steinsockel raufen sich drei Kerle. Keine Skatspieler im Streit, sondern drei Buben des Skatspiels rangeln um ihre Vorherrschaft; der vierte, Schell, wurde schon hinten runter geschubst. An diesem Brunnen taufen echte Skatspieler ihre Karten.

    "Und die Spieler, die haben dann meistens noch so einen schönen Spruch, wie 'Nie sollst Du ein Spiel verlieren, dafür öfter einen Grand mit Vieren'."

    Vor 200 Jahren etwa wurde das Skatspiel in Altenburg erfunden. Die Honoratioren der Stadt trafen sich regelmäßig in der Brommeschen Tarockgesellschaft zum Kartenspiel. Der alte Brockhaus war dabei, und dann…

    "…kam man eines Tages auf die Idee, vier Kartenspiele miteinander zu vermischen und diverse Regeln zu übernehmen. Tarock, Solo, Lombre und der wendische Schafskopf. Und heraus kam dann dieses hochintelligente Spiel: der Skat - dieses Spiel mit 32 Karten."

    Ein genaues Datum gibt es nicht, aber:

    "Ein Kanzler von der Gabelenz, der hat eine sogenannte Spielkladde geschrieben. Er hat praktisch alle Gewinne und Verluste jeden Tag aufgeschrieben - und das von 1798 bis 1826. Und in dieser Spielkladde erscheint 1813 das erste Mal das Spiel Skat unter den vielen anderen Spielen, die er gespielt hat."

    Das Spielkartenmuseum im Schloss zeigt Spielkarten aus aller Welt und aus fünf Jahrhunderten. Die ersten Hinweise auf Kartenspiele stammen aus Italien vor 1400 und schon wenig später aus den großen Handelsstädten in Süddeutschland. Allerdings sind das ausnahmslos Verbote.

    "Das lässt darauf schließen, dass mit Spielkarten schon eine Reihe von Jahren oder Jahrzehnten zuvor gespielt wurde. Denn dem Volk verbot man erst etwas, wenn es richtig Spaß machte und allgemein um sich gegriffen hatte."

    Später gab es in vielen Städten einen Kartenmacher, das Gewerbe wurde als Privileg vergeben.

    "Kartenmacher gab es zu dieser Zeit, auch vorher schon, in ganz Deutschland. Jede Region hatte ihren eigenen Kartenmacher. Aber in Altenburg ist es eben so, das ist nie abgerissen ist. Man hatte immer wieder einen Kartenmacher, wenn der andere weg war oder gestorben war. Es durfte ja in jeder Region immer nur ein Kartenmacher tätig sein; bis zur Industrialisierung oder zur Reichsgründung, dann durften es mehrere sein. Aber vorher war immer nur einer geduldet. Man bekam ein Privileg, ein außerordentliches Privileg, das wurde als Monopol vergeben. Ich glaube, in größeren Städten wie Nürnberg oder München gab es fünf oder sechs Kartenmacher. Aber in Altenburg gab es eben immer nur einen."

    Und das Gewerbe hat sich gehalten in Altenburg, nun schon 500 Jahre.

    "Eine Karte: Da sieht man ganz genau die 1509, ein Stadtwappen von Altenburg. Man sieht einen Hersteller, der in Altenburg tätig war. Der ist auch in den Kirchenbüchern und in den Akten nachweisbar. Von 1509 bis heute in ununterbrochener Reihenfolge werden in Altenburg Spielkarten hergestellt."

    Dieses 500-jährige Jubiläum wird gefeiert: mit einem Weltrekordversuch - das größte Skatturnier der Welt Anfang Juli - und dem Altstadtfest Ende August.
    Das Schloss auf einem Hügel mitten in der Stadt wurde in seiner 1000-jährigen Geschichte ständig umgebaut und erweitert. Es beeindruckt durch seine schiere Größe. Sehenswert ist auch die barocke Schlosskirche. Auf ihrer Orgel spielten Johann Sebastian Bach, Carl Maria von Weber, Franz Liszt. Auch jetzt gibt es hochkarätige Konzerte.

    "Und es kommen wirklich Organisten und andere Musiker aus der ganzen Welt hierher und zelebrieren fast einen Kniefall vor dem Instrument, auf dem Bach gespielt hat. In solchen Momenten merkt man, was mach doch für Schätze so im Verborgenen hat."

    Und das Schloss war 1455 Schauplatz eines Kriminalfalls. Die Zeit der Ritter war eigentlich abgelaufen, doch sie waren noch da und behinderten den aufstrebenden Handel.

    "So lebt in großer Schand, so lang ein Faustrecht herrscht, dein armes Sachsenland."

    "Was soll ich nur machen?"

    "Krieg! Gegen die mach, die dein Sachsen in die Schande treiben. Krieg deinen Rittern mach!"

    "Krieg?"

    Es war die Zeitenwende vom Mittelalter zur Renaissance. Ritter Kunz von Kauffungen kämpft um seine alten Rechte und entführt, um den Kurfürsten zu erpressen, dessen Söhne. Doch der Ritter wird auf der Flucht im Erzgebirge erkannt, gefangen genommen und auf dem Freiberger Marktplatz enthauptet. Die kurfürstlichen Kinder haben die Entführung heil überstanden und wurden später die Kurfürsten Ernst und Albrecht von Sachsen und Thüringen. Die Geschichte stimmt und der Schlosshof ist eine wundervolle Kulisse für das Open-Air-Theater "Prinzenraub".

    Weitere Informationen:

    www.altenburg-tourismus.de
    www.prinzenraub.de