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Handball-Bundesliga "Es geht ums finanzielle Überleben"

Die Handball-Bundesliga will im Oktober ihre Saison starten - mit Zuschauern, denn dies sei finanziell essenziell für die Vereine, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann im Dlf. Der fest davon ausgeht, dass die Coronakrise noch die ganze Saison andauern wird.

Frank Bohmann im Gespräch mit Marina Schweizer | 09.07.2020

Ein dunkle und leere Sporthalle mit einem Handball-Tor.
Die Handball-Saison soll am 1. Oktober wieder starten. Jetzt muss geprüft werden, ob und wenn ja wie viele Zuschauer in die Hallen dürfen. (imago images / Patrick Scheiber)
Die Handball-Bundesliga plant fest mit einem Saisonstart am 1. Oktober, darüber berieten die Klubvertreter auf der zweitägigen Mitgliederversammlung in Köln. Dort wurde unter anderem der viel beachtete Hygieneleitfaden diskutiert, der auch dem Bundesgesundheitsministerium vorliegt und derzeit vom Robert-Koch-Institut geprüft wird. Der Handball ist in großem Maße auf Zuschauer angewiesen, weil diese wichtige Einnahmen bringen, die momentan wegfallen. Die großen deutschen Profiligen haben 200 Millionen Euro Finanzhilfe von der Bundesregierung bekommen.
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200 Millionen Euro für Sportvereine
Eintrittsgelder, Bewirtung, Veranstaltungen: Während der Corona-Krise müssen Sportvereine auf ihre üblichen Einnahmequellen verzichten und geraten in wirtschaftliche Nöte. Helfen soll jetzt ein Nothilfe-Paket des Bundes.
"Die Kosten für so ein Hygeniekonzept werden nicht unerheblich sein", sagte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga im Deutschlandfunk. "Von daher brauchen wir Zuschauer, um das refinanzieren zu können. Wir hoffen uns da auch Stück für Stück nach oben arbeiten zu können." Damit verband Bohmann die Hoffnung, dass die Infektionszahlen niedrig blieben und man die Zuschauerzahlen in der Halle sukzessive erhöhen könne.
Sorgen vor der Belastung
Um sportlich der angesichts des engen Terminkalenders enormen Belastung entgegenzuwirken, warnte der Sportfunktionär vor einer Überlastung der Spieler. Hier müsse man die gesamte Breite des Spielerkaders nutzen und den Akteuren auch mal eine Pause einräumen, sagte Bohmann. Es könne nicht im Interesse der Liga sein, wenn es am Ende zahlreiche verletzte Athleten gebe. Wegen der Coronakrise war die Handball-Bundesliga Ende April erstmals in der Geschichte abgebrochen und die Saison für beendet erklärt worden.
HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann
HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann sieht das finanzielle Überleben der Vereine gefährdet. (Daniel Reinhardt/dpa )
Nach dem Saisonabbruch spielt die Bundesliga in der kommenden Saison mit 20 statt mit 18 Mannschaften. Zudem werden diverse ausgefallene Wettbewerbe wie die Endrunden in der Champions League und im DHB-Pokal sowie die Olympischen Spiele mit vorheriger Qualifikation nachgeholt. Dazu kommt die EM-Qualifikation, im Januar zusätzlich die WM in Ägypten und im Herbst 2021 bereits die nächste Spielzeit. Es werde bei diesem Pensum nicht ohne genaue Dosierung der Einsätze der Spieler gehen, sonst sei das Programm nicht durchzuziehen.
"Ich glaube, dass wir nicht nur im Sommer im Krisenmodus sein werden, sondern das sich die Krise über die gesamte Saison ziehen wird", sagte Bohmann. "Es geht um das finanzielle Überleben, hier müssen wir alle sehr dicht zusammen stehen." Das Ziel sei alle 36 Erst- und Zweitligisten finanziell heil über die Saison zu bringen. "Das wird kein leichtes Unterfangen", sagte der 55-Jährige.