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StartseiteSport am WochenendeUntermiete beim Erzrivalen08.02.2020

Handball-Bundesligist GWD MindenUntermiete beim Erzrivalen

Ende letzten Jahres musste Handball-Bundesligist GWD Minden seine langjährige Heimstätte verlassen. Grund: mangelnder Brandschutz. Seitdem spielen die Mindener in der Halle des Erzrivalen in Lübbecke. Weil die Halle kleiner ist, macht sich der Verein langfristig Sorgen um seine Existenz. Auch, weil die Spielstätte für Sponsoren unattraktiv ist.

Von Johannes Holbein

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Minden, Deutschland 29.12.2019: 1. Handball-Bundesliga - 2019/2020 - GWD Minden vs. TSV Hannover-Burgdorf Übersicht, Symbol, Feature der Kampa-Halle, Heimspielstätte von GWD Minden, die wegen des Brandschutzes abgerissen wird. Minden Nordrhein-Westfalen Deutschland Kampa Halle *** Minden, Germany 29 12 2019 1 Handball Bundesliga 2019 2020 GWD Minden vs TSV Hannover Burgdorf Overview, symbol, feature of the Kampa Halle, home ground of GWD Minden, which is being demolished for fire protection Minden North Rhine-Westphalia Germany Kampa Halle  (Imago)
Die ehemalige Heimstätte von GWD Minden: die Kampa-Halle. (Imago)
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Die letzten Kisten sind gepackt. Wimpel, Fotos, Pokale: Es muss alles raus aus dem Fan-Treff im Keller der Kampa-Halle. "Die Kampa-Halle ist grün-weiß, GWD. Wir haben hier gelitten. Wir sind immer mit Leidenschaft, mit Herzblut hier gewesen und natürlich auch oben bei den Spielen. Wir haben Abstiege mitgemacht, wir haben Wiederaufstiege aus der zweiten Liga mitgemacht, hier in der Kampa-Halle. Und das ist einfach jetzt weg", sagt Frank Wentzlawski. Er geht seit den Achtzigern in die Halle.

Minden, Deutschland 29.12.2019: 1. Handball-Bundesliga - 2019/2020 - GWD Minden vs. TSV Hannover-Burgdorf Übersicht, Symbol, Feature der Kampa-Halle, Heimspielstätte von GWD Minden, die wegen des Brandschutzes abgerissen wird. T-Shirt als Motto für den Ausweichort Lübbecke. Minden Nordrhein-Westfalen Deutschland Kampa Halle *** Minden, Germany 29 12 2019 1 Handball Bundesliga 2019 2020 GWD Minden vs TSV Hannover Burgdorf Overview, symbol, feature of the Kampa Halle, home ground of GWD Minden, which is being torn down because of fire safety T Shirt as a motto for the alternative location Lübbecke Minden North Rhine-Westphalia Germany Kampa Halle  (Imago)Die GWD-Fans bleiben ihrem Verein auch in Lübbecke treu. (Imago)

Den Fantreff hat er als Vorsitzender des Fanclubs gemeinsam mit den anderen Mitgliedern bewirtschaftet. Fans und Spieler haben sich hier nach den Spielen ausgetauscht. Manchmal sind sogar Gästefans auf ein Getränk vorbeigekommen. Jetzt müssen Wentzlawski und die anderen ins rund 20 Kilometer entfernte Lübbecke – zum Kreisrivalen TuS N-Lübbecke. Ob es dort einen Fan-Treff oder überhaupt einen Fan-Stand geben wird, wissen die Fans nicht. Sie sind wütend über die Schließung der Halle und fühlen sich im Stich gelassen von Politik und Verwaltung. Wentzlawski: "Unfassbar, wie das alles gelaufen ist. Wir sind wahnsinnig enttäuscht und haben auch nicht den Eindruck, dass Hilfe kam, um diese Halle noch übergangsweise zu nutzen."

Der Landrat sagt: ein Weiterbetrieb der Halle wäre unverantwortlich gewesen

Ein TÜV-Gutachten habe im vergangenen Jahr laut Landrat Ralf Niermann gezeigt, dass die Halle wesentliche Brandschutzmängel habe. Deshalb hat der Kreis als Betreiber die Halle geschlossen. Landrat Niermann sagt: "Zu dieser Entscheidung stehen wir, sie ist richtig. Es wäre unverantwortlich gewesen, die Halle über den ersten Januar hinaus am Netz zuhalten".  

Minden, Deutschland 29.12.2019: 1. Handball-Bundesliga - 2019/2020 - GWD Minden vs. TSV Hannover-Burgdorf Mannschaft Minden währenddessen im Hintergrund das Emblem der Kampa-Halle zu sehen ist Minden Nordrhein-Westfalen Deutschland Kampa Halle *** Minden, Germany 29 12 2019 1 Handball Bundesliga 2019 2020 GWD Minden vs TSV Hannover Burgdorf Team Minden while the emblem of Kampa Halle can be seen in the background Minden North Rhine-Westphalia Germany Kampa Halle  (Imago)Ende Dezember war Schluss für die Handballer der GWD Minden in der Kampa-Halle. (Imago)

Eine Teilsanierung, wie sie einige Fans fordern, hätte laut Landrat rund zehn bis zwölf Millionen Euro gekostet. Der Kreistag hat sich dagegen entschieden, weil er das Geld lieber in ein neues Sportzentrum investieren will, in dem Breiten- und Schulsport betrieben werden kann. "Im Übrigen hat auch der Geschäftsführer von GWD Minden unmissverständlich erklärt, dass auch für ihn die Kampa-Halle längerfristig keine Zukunft als Bundesliga-Heimstätte von GWD Minden hat und dies hat sicherlich auch den Meinungsbildungsprozess innerhalb der Kreispolitik dann ein Stück weit dahingehend mitbeeinflusst."

GWD Minden wünscht sich eine Multifunktionshalle

Langfristig hofft GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche auf eine Multifunktionshalle, die die Stadt mit Unterstützung, unter anderem vom Kreis, in Minden bauen will. Bis dahin wollte Kalusche aber die Kampa-Halle nutzen. Dass sie so schnell schließen musste, habe ihn dann überrascht: "Wir haben im Jahr 2018 im Sommer einen Dreijahresmietvertrag mit dem Kreis geschlossen. Von den Problemen, die in der Kampa-Halle waren - technischer Natur, brandschutztechnisch - war überhaupt nichts erwähnt davon."

Zu Vertragsinhalten will sich Landrat Niermann nicht äußern. Dass Kalusche nichts von einer möglichen Schließung wusste, bezweifelt er aber: "Wir haben zeitnah, nachdem feststand, dass ein Betrieb der Kampa-Halle über den 31.12. nicht möglich ist, auch den Geschäftsführer von GWD Minden informiert. Dies traf auch GWD Minden keineswegs plötzlich, weil auch durch Vorgespräche GWD Minden bekannt war, dass es nunmehr mit dem weiteren Betrieb der Kampa-Halle über das Jahr 2020 hinaus schwierig werden würde. Also ich wundere mich darüber, wenn dann davon gesprochen wird, dass dies überraschend gekommen sei."

Der Ausweich-Spielort ist unattraktiv, zum Beispiel für Sponsoren

Bei allen Kontroversen ist eines klar: GWD Minden spielt jetzt erstmal in Lübbecke, beim Kreisrivalen. Und das macht dem Geschäftsführer Sorgen. Die Halle in Lübbecke ist kleiner als die Kampa-Halle. Deshalb nimmt der GWD für ein Heimspiel weniger Geld durch Ticketverkäufe ein. Außerdem muss der Verein die Halle für jedes Heimspiel neu herrichten: Die Werbung des Rivalen TUS N-Lübbecke, der auch in der Halle spielt, überdecken, die eigene platzieren. Und nach dem Spiel alles wieder wegpacken.

Hinzu kommt, dass es für einige Sponsoren unattraktiv sei, in Lübbecke zu werben. Auch wegen der Rivalität. GWD-Geschäftsführer Kalusche: "Das können Sie wie Schalke und Dortmund vergleichen. Sagen Sie einem Schalker Fan ‚wir machen die Veltins-Arena zu, du musst jetzt sieben Jahre in Dortmund spielen!‘ Ich sage ihnen: Das würden die keine sieben Jahre überstehen. So ist es bei uns. Es gibt eine sehr hohe Emotionalität und Rivalität. Und das spiegelt sich hier auch wieder."

Kalusche rechnet damit, dass nach der nächsten Saison ein sechsstelliger Geldbetrag in der Kasse fehlen wird - bei einem Gesamtbudget von etwas mehr als 4 Millionen Euro. Geld, das für neue Spieler fehlen könnte. Und für die, die da sind, ist die Situation auch eine Belastung. Derzeit muss der GWD in vier verschiedenen Hallen trainieren, weil keine das bietet, was die Kampa-Halle geboten hat: Kraftraum und Sprintstrecken.

Der Verein fürchtet um seine Wettbewerbsfähigkeit für die Bundesliga

Deshalb will Kalusche es unbedingt vermeiden, lange in Lübbecke zu spielen. Bis die geplante Multifunktionshalle steht, kann es aber Jahre dauern. Der Verein plant eine Übergangshalle. "Sollte uns das nicht gelingen, glaube ich werden wir erhebliche Einbußen im Sponsoring erleben. Wir werden dann, falls das passieren sollte, sicherlich über zwei, drei Jahre die Wettbewerbsfähigkeit für die erste Bundesliga verlieren", so Kalusche.

Die Übergangshalle könnte in Minden oder im naheliegenden Porta-Westfalica aufgebaut werden. Sie soll auch für andere Veranstaltungen genutzt werden. Kalusche hofft deshalb auch auf die Unterstützung von Stadt und Kreis. Michael Jäcke, der Bürgermeister der Stadt Minden, hat aber bereits angedeutet, dass der GWD nicht mit viel Geld von der Stadt rechnen könne. Und auch Landrat Ralf Niermann macht keine Hoffnung: "Über eine Temposarena ist mit jedenfalls mit Kreis und Stadt seitens GWD Minden bisher nicht offiziell gesprochen worden, beziehungsweise wenn es um die finanzielle Beteiligung geht, nach allem was ich gehört habe, sind Kreispolitiker, nach meiner Kenntnis, zu einer solchen finanziellen Unterstützung nicht bereit. Und das ist dem Geschäftsführer von GWD Minden auch bekannt."    

Der GWD prüft, ob das Projekt machbar ist und wer für die Finanzierung in Frage komme. Bis zur Saison 2021/2022 will Kalusche mit dem GWD wieder nach Minden oder in die Nähe kommen.  

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