Sonntag, 16. Januar 2022

Hebestreit, Hoffmann, BüchnerDie neuen Regierungssprecher

Mit der neuen Bundesregierung ist auch der neue Regierungssprecher im Amt: Steffen Hebestreit, vorher schon Sprecher des heutigen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), als dieser noch Finanzminister war. Wie seine Stellvertreterin Christiane Hoffmann und sein Stellvertreter Wolfgang Büchner war Hebestreit vorher als Journalist tätig. Was die drei auszeichnet und was von ihnen zu erwarten ist.

Von Isabelle Klein | 15.12.2021

Regierungssprecher Steffen Hebestreit spricht am 13.12.2021 bei seiner ersten Regierungs-Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz teil.
Regierungssprecher Steffen Hebestreit bei seiner ersten Regierungs-Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz (picture alliance/dpa)
Elf Jahre lang beantwortete Steffen Seibert die Fragen der Medien zur Regierungspolitik. Nach seiner feierlichen Verabschiedung Anfang Dezember hat Steffen Hebestreit das Amt des Regierungssprechers und des Chefs des Bundespresseamtes übernommen. Als Hebestreits Stellvertreter stehen die von den Grünen nominierte Christiane Hoffmann und der von der FDP nominierte Wolfgang Büchner fest.
Die Pressekonferenz als Bühne
Meistens sind Pressekonferenzen aber Alltag für Journalisten. Es ist ein spannendes Instrument politischer Kommunikation, das immer wieder Überraschungen bietet - manche schreiben Geschichte.

Der neue Regierungssprecher Steffen Hebestreit

Steffen Hebestreit (l.) steht bei der Amtsübergabe neben seinem Vorgänger Steffen Seibert (r.) und Kanzler Olaf Scholz (SPD)
Steffen Hebestreit (l.) bei der Amtsübergabe neben seinem Vorgänger Steffen Seibert (r.) und Kanzler Olaf Scholz (SPD) (picture alliance / AP Photo / Steffi Loos)
Am 9. Dezember 2021 hat mit Steffen Hebestreit der bisherige Pressesprecher des damaligen Bundesfinanzministers und heutigen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) die Leitung des Bundespresseamtes übernommen. Eine der Hauptaufgaben des Regierungssprechers ist es, in der Regel drei Mal pro Woche als Gast der Bundespressekonferenz die Fragen der Journalistinnen und Journalisten zur Regierungspolitik zu beantworten.
Der 49-Jährige kündigte an, das Bundespresseamt weiter modernisieren und neuen Kommunikationsformen öffnen zu wollen - beispielsweise auch im sozialen Netzwerk Tiktok, das für seine besonders junge Nutzerschaft bekannt ist.

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Bundeskanzler Scholz sagte über die Funktion des Bundespresseamts, in einer Demokratie müsse die Kommunikation zwischen Regierung und Öffentlichkeit funktionieren. Für die Medien werde die Scholz-Kanzlerschaft – wie unter Merkel – aber keine leichte Zeit, vermutet der Scholz-Biograf Lars Haider bei @mediasres.
Scholz sei jemand, der in Interviews auf Fragen gerne so antworte, wie er die Fragen höre – und nicht, wie sie gestellt wurden. Hebestreit als Regierungssprecher und der neue Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) seien aber "das Gegenteil von Olaf Scholz", so Haider: "Fröhliche Menschen, die rhetorisch gut sind, die sehr auf Leute zugehen. Das klingt zunächst einmal nach einem fröhlichen Kanzleramt. Ich bin gespannt, wie schnell sie dann auch die nötige Ernsthaftigkeit wiederfinden".

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Vor seiner Arbeit für Scholz war Hebestreit bereits unter anderem stellvertretender Leiter der Pressestelle des SPD-Parteivorstandes und Sprecher der SPD-Generalsekretärin. Davor, 2000 bis 2014, war Hebestreit journalistisch tätig - unter anderem als Hauptstadtkorrespondent der "Frankfurter Rundschau" und der der DuMont-Redaktionsgemeinschaft.

Die neue stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann

Christiane Hoffmann in der ARD-Talkshow "Anne Will" am 14.03.2021 in Berlin.
Häufiger Gast in politischen Talkshows - die neue stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann, hier noch als Journalistin im März 2021 bei "Anne Will" (IMAGO / Eventpress)
Die bisherige Journalistin Christiane Hoffmann ist am 15.12.2021 auf Wunsch der Grünen zur stellvertretenden Regierungssprecherin ernannt worden. Via Twitter bedankte sie sich für das Vertrauen der beiden Partei-Vorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock.

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Hoffmann kann auf eine langjährige journalistische Karriere mit Stationen im In- und Ausland zurückblicken. Die 54-Jährige arbeitete für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", war Korrespondentin im Iran und Russland und zuletzt für das Nachichtenmagazin "Der Spiegel" tätig. Dort war sie seit 2013 als stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros, als Zuständige für Meinungsbeiträge und als politische Autorin mit Schwerpunkt Außen- und Sicherheitspolitik tätig, wie der „Spiegel“ in der Rubrik „In eigener Sache“ schreibt.
Hoffmann war als Journalistin häufiger Gast in politischen Talkshows, hatte hier zuletzt auch die Grünen und die Arbeit der neuen Regierung für ihr Krisenmanagement kritisiert, beispielsweise am 25.11.2021 bei "Maybrit Illner" gegenüber Habeck: "Sie sind gewählt worden, um aktiv zu werden und nicht wegzuschauen".

Der zweite stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner

Wolfgang Büchner, ehemaliger Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", steht am 29.04.2015 auf dem Gendarmenmarkt in Berlin.
Früher Journalist, heute FDP-Unterstützer und neuer stellvertretender Regierungssprecher: Wolfgang Büchner (picture alliance / dpa | Bernd von Jutrczenka)
Ebenfalls stellvertretender Regierungssprecher ist Wolfgang Büchner, der von der FDP für das Amt vorgeschlagen worden war. Wie Hoffmann war Büchner vorher für den "Spiegel" tätig, unter anderem als Chefredakteur des Magazins. Vier Jahre lang war er außerdem Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa).
Zuletzt war der 55-Jährige bereits als Kommunikationsberater für die FDP tätig. Ein Engagement in der Politik habe er lange vermieden, schrieb Büchner im Februar 2021 in einem Gastbeitrag für die "Welt". Vieles im politischen Geschäft habe er in 30 Jahren als Journalist "unappetitlich" gefunden. Nun habe er sich anders entschieden, um persönlich dazu beizutragen, dass auch seine Kinder "in einem freien, demokratischen Land" leben werden.

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Abschied des alten Regierungssprechers Steffen Seibert

Regierungssprecher Steffen Seibert und seine Stellvertreterin Ulrike Demmer unterhalten sich am 14.06.2017 in Berlin im Bundeskanzleramt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts.
Er war so lange wie kein anderer Regierungssprecher vor ihm im Amt: Steffen Seibert und seine Stellvertreterin Ulrike Demmer (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Angela Merkel holte Steffen Seibert 2010, bis dahin Moderator bei den ZDF-"heute"-Nachrichten, als Regierungssprecher an ihre Seite. Elf Jahre lang blieb er im Amt. Mit ihm sind auch seine Stellvertreterinnen Ulrike Demmer und Martina Fietz Anfang Dezember aus ihren Ämtern geschieden.
Seibert trat nach eigenen Angaben rund 1160 Mal in der Bundespressekonferenz auf. Dass er sich so oft den Fragen der Hauptstadtjournalisten gestellt habe, entspreche dem, was er als zentrale Aufgabe eines Regierungssprechers betrachte und "auch der Bedeutung, die die Bundeskanzlerin der Veranstaltung beimisst", sagte er bei seinem letzten Auftritt als Regierungssprecher Anfang Dezember.

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Hier würdigte Seibert auch die Rolle der Bundespressekonferenz für die Demokratie und Pressefreiheit in Deutschland. "Sie laden ein, Sie fragen, wonach Sie fragen wollen und wie lange Sie fragen wollen", sagte Seibert an die Adresse der Hauptstadtjournalisten. Eine solche Institution gebe es in vielen anderen europäischen Demokratien nicht.
"Was es in den meisten Ländern gibt, sind Regierungen, die meist nach ihren Kabinettssitzungen Pressekonferenzen anbieten und dabei selber bestimmen, wer fragt und wie lange." Pressekonferenzen "in Regie der Journalisten" seien gerade aus Sicht der freien Medien das bessere System, betonte Seibert.
Seibert hatte unter Merkel die Pressearbeit der Bundesregierungung modernisiert, unter anderem mit einem wöchentlichen Kanzlerinnen-Podcast.
Stimme der Macht - Regierungssprecher Steffen Seibert geht nach Rekord-Amtszeit