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StartseiteWirtschaft am MittagNahkampf im Aufsichtsrat19.12.2019

Heckler & KochNahkampf im Aufsichtsrat

Bei der hoch verschuldeten Waffenschmiede Heckler & Koch tagt außerplanmäßig der Aufsichtsrat. Hintergrund ist ein Machtkampf in dem Kontrollgremium und um die Mehrheit am Unternehmen. Eine Luxemburger Finanzholding will die Macht übernehmen, aber der Noch-Eigentümer wehrt sich.

Von Thomas Wagner

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Verschiedene Ausführungen der Maschinenpistole MP5 hängen am Firmensitz des Waffenproduzenten Heckler & Koch in Oberndorf in einem Präsentationsraum an einer Wand neben einem Firmenlogo (picture alliance / dpa / Bernd Weissbrod)
Ausführungen der Maschinenpistole MP5 hängen am Firmensitz des Waffenproduzenten Heckler & Koch in Oberndorf in einem Präsentationsraum (picture alliance / dpa / Bernd Weissbrod)
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Die Hauptperson gibt sich wortkarg: "Die Sache läuft. Und jetzt müssen wir schauen, was rauskommt. Ich erwarte nur Positives, wie immer im Leben."

Harald Kujat, Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, auf dem Weg ins Badhaus, dem Ort, an den die Heckler und Koch AG ihre Aktionäre zur außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen hat. Und dort geht es unter anderem um Kujats Kopf: Kujat nämlich ist Aufsichtsratsvorsitzender des Waffenproduzenten aus dem Schwarzwald. Und auf der Tagesordnung findet sich auch der Antrag auf seine Abberufung, gemeinsam mit seinem Stellvertreter.

Hat der neue Investor Verbindung zu Steueroasen?

Eingebracht hat den Antrag eine Gesellschaft, die eigentlich seit gestern erst so recht ins Rampenlicht der Öffentlichkeit getreten ist: Die "Compagnie de Développement de L'Eau", ein Finanzinvestor mit Sitz in Luxemburg, hat nämlich genau einen Tag vor der außerordentlichen Hauptversammlung angekündigt, die Aktienmehrheit an der Heckler und Koch AG übernehmen zu wollen. Bislang hält das Luxemburger Untrnehmen gerade mal sechs Prozent der Anteile. Gut ein Dutzend Aktionäre sahen am Vormittag auf der außerordentlichen Hauptversammlung die geplante Übernahme kritisch. Aktionär Fabian Schwalm, Mitglied bei Greenpeace Deutschland:

"Wir haben uns den potentiellen Käufer, die CDE, angeschaut und erfahren, dass es da eine Verbindung zu Offshore-Firmen in Steuerparadiesen besteht, und ein äußerst undurchsichtiges Netz aufgebaut wurde. Wir sind der Meinung, dass dies insbesondere mit dem sehr sensiblen Thema des Waffenhandels Gefahren birgt, auch die Gefahr des Know-How-Transfers ins Ausland. Deswegen sehen wir den Verkauf sehr kritisch."

Auch der bisherige Mehrheitseigner ist ambivalent

Kritisch sehen viele Aktionäre auch die Rolle des bisherigen Mehrheitseigentümers bei Heckler und Koch, Andreas Heeschen, ein in London lebender deutscher Geschäftsmann. Auf Heeschens Veranlassung kam die heutige Hauptversammlung überhaupt erst zustande. Er nämlich will einerseits selbst als zusätzliches Mitglied in den Aufsichtsrat, auf der anderen Seite aber seine Mehrheitsbeteiligung an Heckler und Koch verkaufen.

Etliche kritische Aktionärsfragen zielten darauf, dass Heeschen Kredite in zweistelliger Millionenhöhe von Heckler und Koch bezogen haben soll. Welchen Hintergrund hatte dies? Wurden zusätzliche Kredite von Heckler und Koch an Firmen vergeben, die wiederum mit Heeschen verbandelt sind? Fragen über Fragen, so geballt, so hoch an der Zahl, dass der Aufsichtsrat erst nach der Mittagspause Antworten vorlegen will. Tillmann Masser vom Dachverband der kritischen Aktionäre:

"Was hier an Anschuldigungen und Fragen war, dass vor allem auch der Verdacht der persönlichen Bereicherung besteht, dass Herr Heeschen aus persönlichem Interesse und wegen pesönlicher Vorteile auch zum Schaden des Unternehmens in der Hinsicht gewirkt hat, das sind heftige Vorwürfe und Anschuldigungen, die natürlich jetzt auch vom Aufsichtsrat geklärt werden sollten."

Intransparenz, ausgerechnet bei einem Waffenhersteller

Um die Verwirrung selbst noch zu komplettieren: Heeschen selbst ist bei der Hauptversammlung persönlich gar nicht anwesend, lässt sich vertreten, ist einerseits laut Medienberichten zwar gewillt, seine Mehrheitsbeteiligung an Heckler und Koch abzugeben, steht andererseits aber mit dem potentiellen Käufer, dem luxemburgsichen Finanzinvestor CDE, über Kreuz - der zudem auch noch die Aufsichtsratsmitglieder abberufen will, die Heeschen erst ins Amt gebracht hat. Verstehe das, wer will - sagt unter anderem Tillmann Masser von den kritischen Aktionären:

"Wir kritisieren sowieso so einen intransparenten Vorgang, gerade bei einem so sicherheitsrelevanten Unternehmen - für die Nato, für die EU - dass hier so ein Spektakel, so ein Machtkampf zwischen zwei Personen stattfindet. Das kann nicht die richtige Herangehensweise sein."

Ein Machtkampf, der möglicherweise im Laufe des Nachmittages zumindest teilweise entscheiden wird. Dann nämlich geht es um die Frage, ob Aufsichtsratschef Kujat abberufen wird oder nicht - Ausgang offen.

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