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Heckler & Koch"Reputationsschaden muss korrigiert werden"

Traditionell gibt sich das Unternehmen Hecker & Koch eher verschlossen. Heute allerdings hatte es die Türen für die Öffentlichkeit offen und Journalisten auf das Werksgelände in Oberndorf gelassen. Einer der Gründe: Die Debatte um das in die Kritik geratene Sturmgewehr G36 - aber auch der jüngste Vorwurf, dass der Militärische Abschirmdienst kritische Journalisten in der G36-Affäre ausspähen sollte. Es gab eine sehr klar Aussage hierzu.

Von Michael Brandt | 07.05.2015

Blick auf ein Gewehr des Typs G36.
Heckler & Koch-Geschäftsführer und Eigentümer: "Wichtig ist, dass dieser in der Presse dargestellte Reputationsschaden für das Unternehmen korrigiert wird." (picture alliance / dpa / Bernd Settnik)
Martin Lemperle ist ein typischer HK'ler - so nennen sich die knapp 700 Mitarbeiter von Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar.
"Hier gelernt, hier geblieben und von hier in die Rente gegangen."
Angefangen hat er Werkzeugbauer, mittlerweile ist er Produktionschef. Nein, ein Waffennarr sei er nicht, weder sei er im Schützenverein noch habe er privat eine Waffe, sein Ziel sei es, so der Schwabe, der inzwischen kurz vor der Rente steht, möglichst gute - wie man in Oberndorf sagt - Geräte zu bauen:
"Da kann ich gleich sagen: Wir wollen nicht die Besten sein, wir sind die Besten."
Stolz wie ein Kind führt er durch einen Musterbetrieb. Die Fertigungstiefe ist hoch, das heißt, praktisch alles, was am Ende an einer Waffe dran ist, wird auch hier in Oberndorf hergestellt, bis vor ein paar Jahren auch die Stahlfedern, die man inzwischen aber bei einem Zulieferer einkauft:
"Alle Wärmebehandlungsarbeiten haben wir hier im Haus, dann den Fertigungsbericht Sondertechnologie, da haben wir die Rohrfertigung zusammengezogen. Unsere Rohre sind alle kalt geschmiedet. Wir haben keine gezogenen Rohre."
Heckler und Koch hat die Türen heute zum ersten Mal seit vielen Jahren weit geöffnet für die Öffentlichkeit. Anlass ist die Debatte um das Sturmgewehr G36, von dem es in Oberndorf zwar noch das ein oder andere Exemplar gibt, das aber seit 2005 nicht mehr an die Bundeswehr geliefert wird:
"Waffe ist fertig geladen und gesichert, gehen Sie in den Anschlag, entsichern, und Feuer frei!"
Im hauseigenen Schießstand trifft das Gewehr, wenn auch nicht auf eine Distanz von 300 Metern, wenn auch nicht im heiß geschossenen Zustand.
Verständnislosigkeit im Werk
Im ganzen Werk ist freilich eine gewisse Verständnislosigkeit über die Vorwürfe zu verspüren, wir haben genau das geliefert, was bestellt wurde, heißt es und ein Sturmgewehr ist eben kein Sturmgewehr und kein Scharfschützengewehr, das man bei Heckler und Koch natürlich auch bekommt.
Derzeit macht der Umsatz mit dem G36 etwa 2,5 Prozent aus, nur Wartung und Ersatzteilbeschaffung, insofern sei das Thema für die Firma und ihre Mitarbeiter nicht existenzbedrohend, sagt Geschäftsführer und Eigentümer Andreas Heeschen:
"Wir haben hier 700 Mitarbeiter, aber wir haben auch viele Kunden, neben Deutschland sind 61 Länder mit Produkten im Einsatz. Wir haben jetzt also da nicht die große Sorge, dass dieses Thema für uns existenzbedrohend ist."
Heeschen war bis vor einigen Wochen der Mann im Hintergrund schlechthin. Ursprünglich Investmentbanker, hat er das Unternehmen 2002 übernommen, es gab ein einziges Foto, keine Interviews, bis heute. Als sich die Auseinandersetzung um das G36 vor einigen zuspitzte, feuerte Heckler und Koch eine ganze Reihe scharf formulierter Pressemitteilungen in Richtung Berlin.
Man sei verwundert, man könne die Vorwürfe weder verstehen noch könne man die Ergebnisse der Untersuchung im eigenen Versuchsaufbau nachvollziehen, man wolle endlich Einblick in das Gutachten, man sei das Opfer einer Kampagne.
Wille zum Dialog
Inzwischen gab es aber ein Gespräch zwischen Geschäftsführung und Verteidigungsministerium - seitdem hält man den Ball flach in Oberndorf und betont den Willen zum Dialog:
"Für uns ist der Kunde das Wichtigste, und wenn der Kunde sagt, er möchte gerne informiert werden, was vielleicht an Produkten geändert werden könnte, dann werden wir das natürlich tun."
Zu Wahrheit gehört natürlich auch: Eine Aufarbeitung auf deutsch. Kampfwertsteigerung bei 170.000 Gewehren der Bundeswehr wäre ein gutes Geschäft. In einem Punkt dann doch ein kritisches Wort von Heeschen: Die Debatte schade der Reputation.
"Wichtig ist, dass dieser in der Presse dargestellte Reputationsschaden für das Unternehmen korrigiert wird. Das ist ja wie bei einem Auto. Wir können ja nicht einen Golf in die Wüste schicken, und sagen, das Auto ist schlecht. Da muss man fragen: Was braucht man denn in der Düne?"
Und schließlich auch noch eine sehr klare Aussage zu den jüngsten Vorwürfen, dass Heckler und Koch versucht habe, den militärischen Abschirmdienst dazu zu bringen, kritische Journalisten auszuforschen.
Heckler und Koch habe zu keinem Zeitpunkt die Ausforschung von Journalisten gefordert oder forciert –
Und weiter:
"Wir haben keine gemeinsame Operation mit dem Bundesministerium der Verteidigung initiiert, mit der eine Berichterstattung über das Sturmgewehr G36 unterbunden werden sollte. Punkt."