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StartseiteStreitkulturSollen Kinder eine Schreibschrift lernen? 06.10.2018

Heike Schmoll vs. Ulrich HeckerSollen Kinder eine Schreibschrift lernen?

Nicht überall in Deutschland lernen Schüler noch eine verbundene Schreibschrift. "Diese Ausgangsschriften sind antiquiert", sagt Ulrich Hecker vom Grundschulverband. "FAZ"-Journalistin Heike Schmoll entgegnet: "Grundschulen vernachlässigen es, Kindern eine flüssige Handschrift beizubringen."

Moderation: Monika Dittrich

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Ein Kind schreibt in Berlin mit verbundener Schreibschrift, der Schulausgangsschrift, in ein Schulheft. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
Handschrift wird immer weniger gebraucht - weil mehr getippt wird (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
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Fast überall in Deutschland fangen Schulkinder heutzutage mit einer Druckschrift oder der sogenannten Grundschrift an, also mit einzelnen, unverbundenen Buchstaben. Ob sie später auch noch eine geschwungene Schreibschrift, eine sogenannte Ausgangsschrift lernen, hängt davon ab, in welchem Bundesland sie leben, mancherorts aber auch einfach von den Überzeugungen der Lehrer.

Die Kultusministerkonferenz gibt nur vor, dass Kinder bis zum Ende des vierten Schuljahres eine "individuelle, gut lesbare und flüssige Handschrift" entwickeln sollen.

Viele Schulen unterrichten längst nur noch die Grundschrift, also eine Variante der Druckschrift. Ohnehin wird die Handschrift immer weniger gebraucht - weil mehr getippt und gewischt wird, auf Tastaturen, Smartphones und Tablet-Computern.

Doch gibt es auch Wissenschaftler, Pädagogen, Eltern und Bildungspolitiker, die an der klassischen Schulschreibschrift festhalten wollen - sie sehen darin die Voraussetzung für eine formklare und lesbare Handschrift. Zudem belegten Studien, dass etwa handschriftliche Notizen besser im Gedächtnis behalten werden als Mitschriften am Computer.

Sollen Kinder also eine Schreibschrift lernen?

"Ja", sagt Heike Schmoll. Sie ist Korrespondentin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit dem Themenschwerpunkt Schule, Hochschule und Bildung. Die Druckschrift allein sei zu langsam und führe zu Verkrampfungen beim Schreiben. "Kinder müssen am Ende der vierten Klasse flüssig, rasch und sicher schreiben können", so Schmoll. "Schreibschrift schult die oft unterentwickelte Feinmotorik und ist außerdem für die kognitive Entwicklung von Vorteil."

Ulrich Hecker ist anderer Meinung. Der ehemalige Leiter einer Grundschule in Moers ist stellvertretender Vorsitzender des Grundschulverbandes, der sich seit Jahren für die Etablierung der sogenannten Grundschrift stark macht - also einer Druckschrift, die das Schreiben lernen erleichtern soll. Nach der Grundschrift auch noch "eine zweite Ausgangsschrift zu lernen, halte ich mittlerweile für historisch überholt und für die Schreibentwicklung sogar für schädlich", so Hecker. Kinder könnten aus der Grundschrift heraus zu einer flüssigen und gut lesbaren Handschrift kommen.

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