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StartseiteSprechstundeDas oft unbemerkte Virus05.06.2018

Hepatitis-E-InfektionenDas oft unbemerkte Virus

Hepatitis E? Der Virus galt bislang eher als Problem in Entwicklungsländern mit unzureichenden Hygienebedingungen. Doch mittlerweile steigt auch in Deutschland die Zahl von Erkrankungen - oft unbemerkt von den Betroffenen. Um sich vor einer Infektion zu schützen, sollte man einige einfache Regeln beachten.

Von Christina Sartori

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Ein Hepatitis E-Virus in einer coputergrafischen Abbildung (imago / SCIEPRO Science / Photo Library)
Wird durch unsauberes Trinkwasser, mangelnde Hygiene - und durch das Fleisch mancher Tiere übertragen: Hepatitis E Virus (imago / SCIEPRO Science / Photo Library)
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Im Alphabet der Hepatitis Viren führten die Hepatitis E Viren in Deutschland eher ein Schattendasein. Entwicklungsländer mit schlechter Hygiene galten als Heimat dieser Viren, wo sie immer wieder auch mal zu Ausbrüchen von Hepatitis E und auch Todesfällen führten. Doch seit Jahren steigen in Deutschland die Zahlen von Hepatitis-E-Erkrankungen: 2016 wurden 2.000 Fälle offiziell gemeldet. Und Blutuntersuchungen zeigen, dass etwa jeder Dritte der über 60-Jährigen in Deutschland eine Hepatitis E gehabt hat, berichtet Professor Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. "Das sind Patienten die dann eine Leberentzündung haben, eine Gelbsucht haben, wo als Ursache für diese Leberentzündung eine Hepatitis E Virus Infektion festgestellt wurde."

Infektion oft unbemerkt

Dass von Jahr zu Jahr mehr Fälle von Hepatitis E gemeldet werden, liegt aber nur zum geringen Teil daran, dass die Viren hier heute verbreiteter sind als früher. Vor allem liegt es wohl daran, dass sie heute häufiger erkannt werden. In der Regel verläuft eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus so mild, dass die meisten Betroffenen kaum etwas bemerken. Nur bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, beispielsweise nach einer Organtransplantation oder nach einer Chemotherapie, kann das Virus größeren Schaden anrichten, beispielsweise in der Leber, erklärt Professor Thomas Berg: "Dann ist das Risiko, dass man eine chronische Infektion Hepatitis E bekommt mit Langzeitfolgen, hoch: Eine chronische Infektion heißt: Das Virus geht nicht von alleine weg, sondern schädigt dauerhaft die Leber. Das kann bis zu einer Leberzirrhose führen."

Im Fleisch von Schweinen, Wild, Kaninchen

Schwere Fälle werden mit dem Medikament Ribavirin behandelt, das auch gegen Hepatitis C eingesetzt wird. Doch am Besten ist es natürlich, man vermeidet eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus. Thomas Berg erklärt, worauf es ankommt: "Es gibt einen sehr guten Schutz: Dass man das Fleisch und vor allem auch die Leber von Tieren, die diese Infektion übertragen können, gut durchkocht. Das sind vor allem Schweine, Wildschweine, Hirsche, Rehe manchmal auch Kaninchen ... also dass man hier drauf achtet, dass das Fleisch mindestens 70 Grad Kerntemperatur hat und dann kann nichts passieren."

In Asien und Afrika werden Hepatitis-E-Viren vor allem durch unsauberes Trinkwasser oder schlechte Hygiene übertragen. Deswegen gilt bei Fernreisen auch in Bezug auf Hepatitis E die alte Regel: Schäl es, koch es - oder vergiss es, sagt Thomas Berg. "Diese Schutzmaßnahmen würden sie auch vor einer Hepatitis-E-Infektion schützen."

Blutproben nicht generell auf Viren getestet

Eine Impfung, die vor einer Ansteckung mit Hepatitis-E-Viren schützt, gibt es derzeit nur in China. Zum einen, weil bisher in Europa keine große Nachfrage nach einer solchen Impfung bestand, zum anderen, weil es noch keine Daten darüber gab, wie lange die Impfung schützt. Auch für die Tatsache, dass derzeit Blutspenden nicht generell auf Hepatitis-E-Viren getestet werden, gibt es gute Gründe. Thomas Berg: "Die Übertragungen von Hepatitis E durch Blutprodukte sind Raritäten. Jetzt kann man sagen: Jeder einzelne Fall ist zu viel, aber es ist insgesamt doch selten. Und besonders gefährdet sind ja Personen mit geschwächtem Abwehrsystem. Dann könnte man sagen, zumindest bei denen sollte man getestete Blutproben haben, vielleicht kommt man auch mal dazu, das wäre wahrscheinlich vernünftig. Zum anderen sind gerade diese Personen gefährdet, sich über die Ernährung anzustecken. Es ist das viel größere Risiko, als über Blutprodukte."

Der beste Schutz vor einer Hepatitis E ist also recht einfach: Vor allem Schweinefleisch immer gut durchbraten und in der Küche und auf Reisen besonders auf ausreichende Hygiene achten.

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