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StartseiteUmwelt und VerbraucherMit Eseln gegen den "bösen" Wolf16.02.2015

HerdenschutzMit Eseln gegen den "bösen" Wolf

Auch in Niedersachsen haben sich inzwischen einzelne Wolfe angesiedelt. Das Umweltministerium in Hannover freut sich über gelungen Artenschutz. Weniger begeistert sind die Schäfer der Region über die scheuen, aber hungrigen Tiere. Ein Schäfermeister will seine Herde nun besser schützen - mit Eseln.

Von Franziska Rattei

Wolf im Tierpark Kunsterspring, Oktober 2011 (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Respekt vor dem Esel: Ein Wolf, hier im Tierpark Kunsterspring (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
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Tino Barth ist studierter Agrarwirt und Schäfermeister – sein Traumberuf. Zusammen mit seiner Frau Daniela züchtet er Diepholzer Heidschnucken, Blauköpfe und schwarzköpfige Fleisch-Schafe. Manche der Tiere sind mehrere tausend Euro wert.

"Es sind auch kostbare Tiere, sag ich jetzt mal. Also das ist nicht ein einfaches Tier, wie zu tausenden auf den Weiden stehen. Also wenn hier so ein wertvoller Zuchtbock gerissen wird – das ist dann schon ein Verlust."

Das Umweltministerium in Hannover zahlt in solchen Fällen zwar Entschädigungen, aber oft braucht es mehrere Monate Bearbeitungszeit, und am Ende sind die Summen nach Ansicht der Geschädigten zu niedrig. Tino Barth sieht durch den Wolf seine Existenz bedroht. Noch hat es seine Schafe nicht erwischt, aber bei den Nachbarn des Züchters wurden schon etliche Tiere verletzt oder getötet. Herdenschutz-Hunde kommen für Barth nicht in Frage, weil seine Tiere im Naturschutzgebiet weiden. Deshalb hat er im Januar drei Esel aus Sachsen-Anhalt ins niedersächsische Twistringen geholt. Wenn die Schafe in Gefahr sind, sollen die Esel sie schützen. Mit seinem eigenen Hund hat Barth es schon ausprobiert – den Eseln sozusagen einen Wolf vorgegaukelt.

Tino Barth mit Esel und Schafen. (Deutschlandradio / Franziska Rattei)Tino Barth mit Esel und Schafen. (Deutschlandradio / Franziska Rattei)

"Der stellt sich vor die Herde erstmal hin, und dann gibt er einen Laut ab. Hört sich an wie ein Kreischen, sag ich jetzt mal. Und wenn der Hund sich trotz des Kreischens nicht fortbewegt, nicht abhaut, dann geht er auf den zu. Dann springt er vorne hoch und tritt mit den Vorderhufen. Das macht er zweimal. Und dann legt er die Ohren an, und dann, blitzartige Drehung, und dann schlägt er mit den Hinterhufen. Und dann ist ganz gefährlich. Dann kann es sein, dass es die Schädeldecke vom Hund zertrümmert oder sowas. Aber soweit haben wir es noch nicht kommen lassen."

Gegenüber Menschen ruhiger als Herdenhunde

Im Moment allerdings genießen die zwei Hausesel und das Großesel-Fohlen die Wintersonne; zusammen mit fünf Altböcken stehen sie auf einer kleinen Koppel. So gewöhnen sich die Tiere aneinander. Das ist wichtig, damit die Esel später auch mit den weiblichen Schafen und Lämmern zurechtkommen.

"Ein Esel ist immer eine lohnende Investition. Ist ein treues Tier. Und wir hoffen, wir haben lange Freude an denen."

Besondere Situationen erfordern eben besondere Lösungen, meint der Schäfermeister. So ist er auf den Herdenschutz-Esel gekommen, der in der Schweiz übrigens schon eine viel längere Tradition hat als in Deutschland. Riccarda Lüthi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Herdenschutz bei der Schweizerischen Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums, kurz: AGRIDEA. In den Alpen hat die Biologin jahrelang Praxiserfahrung mit Herdenschutz-Hunden und auch mit Herdenschutz-Eseln gesammelt.

"Viele Esel zeigen eine natürliche Aversion gegen hundeartige Tiere, eben Hunde, den Wolf einen Fuchs und gehen darauf zu. Also, sie sind sehr aufmerksam, und wenn etwas Fremdes sich der Herde nähert, gehen sie darauf zu und können wirklich sehr wirksam diesen Eindringling vertreiben."

Fremden Menschen gegenüber verhalten die Esel sich ruhiger als Herdenschutzhunde. Deshalb sind sie in Wandergebieten oft eine gute Alternative zum Hund, sagt Riccarda Lüthi. Und ein spezielles Training brauchen die Esel auch nicht. Was sie für die Herde tun, gehört zu ihrem Wesen.

Tino Barth jedenfalls setzt darauf, dass die Schreie und Tritte der Herdenschutz-Esel seine Schafe vor dem Wolf beschützen werden. - eine natürliche Präventionsmaßnahme sozusagen. Aber laut Umweltministerium keine wissenschaftlich nachgewiesene – so wie etwa Herdenschutz-Hunde. Deshalb gibt die Behörde vorerst kein Geld für Esel aus. Spezielle Zäune scheinen ihr sinnvoller. Die haben Tino Barths Nachbarn allerdings nichts gebracht. Der Wolf hat sich unter dem Zaun durch gegraben oder ist darüber gesprungen.

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