Donnerstag, 21.11.2019
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteStreitkulturStress and the City – Ist das Landleben gesünder?03.08.2019

Hilal Sezgin vs. Mazda AdliStress and the City – Ist das Landleben gesünder?

Gedränge auf den Straßen, Hektik in der U-Bahn, das Gefühl von Einsamkeit inmitten der Menge: Das Leben in der Stadt ist stressig. Und zu viel Stress macht auf die Dauer krank. Darüber sind sich die Forscher einig. Aber was ist die Alternative? Rausziehen aufs Land?

Moderation: Käthe Jowanowitsch

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Alltagshektik in einem U-Bahn-Zugang (chromorange)
Alltagshektik in einem U-Bahn-Zugang (chromorange)
Mehr zum Thema

Der Traum vom Landleben Stadt. Land. Rixdorf

Sehnsuchtsort des 21. Jahrhunderts Gutes Leben auf dem Land?

Landleben Neue Perspektiven für Dörfer und Kleinstädte

Wer in der Stadt lebt, hat ein deutlich höheres Risiko an Schizophrenie, Depression oder Angststörungen zu erkranken. Ursache ist der Stress, den Stadtbewohner tagtäglich erleben. Er belastet Körper und Seele. Besonders gefährlich ist die Kombination aus sozialer Dichte und Isolation – das Gefühl, im Gedränge keinen Rückzugsort zu haben, sich dabei ausgegrenzt und einsam zu fühlen.

Dagegen scheint das Landleben die reinste Idylle. Nicht umsonst suchen viele Städter Erholung im Dorf. Aber ist das Landleben tatsächlich gesünder? Was ist mit den Vorteilen der Stadt, den tausend Möglichkeiten, die sie auch zu bieten hat? Darüber diskutieren Hilal Sezgin und Mazda Adli, zwei Menschen, die Stadt, Land, Stress aus eigener Erfahrung kennen.

Die Journalistin und Buchautorin Hilal Sezgin zog 2007 aus Frankfurt am Main in ein Dorf in der Lüneburger Heide. Dort lebt sie mit Schafen, Hühnern und Gänsen auf einem Hof. Sie schreibt Bücher über das Landleben, über Tierrechte und vegane Ernährung. Zuletzt erschien ihr Essay "Nichtstun ist keine Lösung. Politische Verantwortung in Zeiten des Umbruchs".

"Reine Idylle ist es nicht auf dem Land. Wir sind auch nicht von Burnout verschont. Das Landleben bietet seine eigenen Herausforderungen. Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir auf dem Land die Möglichkeit haben, in Kontakt zu treten mit 'Natur' in Anführungsstrichen – soweit es das noch gibt –, andere Erfahrungen zu machen oder leichter die Erfahrung zu machen, dass wir nicht allein auf der Welt sind – wir Menschen. Das kann man auf dem Land doch noch mal auf eine andere Weise sinnlich erleben als in der Stadt."

Mazda Adli ist Psychiater und Therapeut, Leiter des Forschungsbereichs "affektive Störungen" an der Charité und Chefarzt der Fliedner-Klinik Berlin. 2017 hat er das Buch "Stress and the City" veröffentlicht.

"Die Stadt hat etwas Ambivalentes. Ich bin aber der Überzeugung, dass die Vorteile der Stadt überwiegen. Stadtleben ist kooperatives Leben. Die Stadtmenschen begründen ja auch ihren Erfolg damit, dass sie gegenseitig ihre individuellen Mängel und Defizite ausgleichen und gemeinsam mehr zustande bringen. Das ist das Erfolgsrezept der Stadt. Natürlich geht Stadtleben mit mehr Stress einher. Aber solange man die Möglichkeit hat, diesem Stress etwas entgegenzusetzen, überwiegen die Vorteile der Stadt."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk