Mittwoch, 08. Dezember 2021

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Hilfspaket für US-UnternehmenNeues Geld – das wieder nicht reichen wird

Im US-Kongress steht die Abstimmung über ein weiteres Corona-Hilfspaket für die Wirtschaft an, das sich vor allem an kleinere Unternehmen richtet. Kritiker mahnen, man solle auch die vielen Schulden im Blick behalten, doch die Debatte um weitere Hilfspakete läuft bereits.

Von Jan Bösche | 23.04.2020

Ein Schild mit der Aufschrift "So sorry we're closed" hängt an der Tür einer Filiale der Second-Hand-Modekette "Buffalo Exchange" in New York.
Wegen der Corona-Pandemie haben zahlreiche Geschäfte in den USA geschlossen und Unternehmen geraten in finanzielle Schwierigkeiten (imago / Richard B. Levine)
Das Repräsentantenhaus will heute grünes Licht geben für das nächste Hilfspaket – und die Wirtschaft wartet schon dringend darauf. Die US-Handelskammer vertritt drei Millionen Unternehmen. Ihre Präsidentin Suzanne Clark sagte bei NPR, sie seien erwartungsvoll, dass das neue Paket umgesetzt wird. Denn es gebe verzweifelten Bedarf. Sie höre jeden Tag von großem Leid bei Unternehmen.
Dieses neue Hilfspaket ist fast eine halbe Billion Dollar schwer. Es richtet sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen. Sie können Geld beantragen, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen. Das neue Hilfspaket ergänzt das vorherige, in dem fast 350 Milliarden Dollar für diese Unternehmen vorgesehen waren – das Geld war nach knapp drei Wochen aufgebraucht.
Das Geld wird von den Banken verteilt. Kritiker werfen manchen Banken vor, Stammkunden bevorzugt bedient zu haben. Kritik gab es auch an großen Restaurant- und Hotelketten. Sie hatten ebenfalls Millionen-Summen bekommen, weil sie Tochtergesellschaften angemeldet hatten.
Das neue Paket soll jetzt dafür sorgen, dass vor allem kleinere Unternehmen versorgt werden. Bankenverbände warnten aber, das neue Geld könnte gerade einmal ausreichen, Anträge zu bedienen, die schon gestellt worden seien.
Die Zahlungslücke war entstanden, weil sich Demokraten und Republikaner im Kongress zunächst nicht einigen konnten, wie dieses neue Hilfspaket aussehen soll. Trumps Republikaner wollten es auf die Unternehmen beschränken. Die Demokraten wollten auch zusätzliches Geld für Krankenhäuser und mehr Corona-Tests – in diesen Punkten gaben die Republikaner schließlich nach.
Weiteres Hilfspaket in Planung
Die Debatte geht weiter – über das nächste Hilfspaket. Die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses Nanci Pelosi sagte, als nächstes müsse es weitere Hilfen für Städte, Gemeinden und Bundesstaaten geben. Bei PBS sprach sie von ihrem "Heldengesetz", von notwendigen Arbeitskräften, die ihr Leben riskierten, aber ihren Job verlieren könnten. Viele von ihnen sind bei Kommunen und Bundesstaaten angestellt, die unter den hohen Kosten des Anti-Corona-Kampfes leiden.
Präsident Trump ist grundsätzlich offen für so ein Hilfspaket, er würde gerne auch in die Infrastruktur investieren, um die Wirtschaft anzukurbeln. Seine Republikaner geben sich aber zögerlich.


Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat sagte, es sei an der Zeit, die vielen Schulden zu bedenken, die sie machten. Die verschiedenen Hilfsprogramme summieren sich bereits auf über zweieinhalb Billionen Dollar. Trotz der Bedenken ist aber eigentlich allen klar, dass es keine Frage des "ob" ist, sondern eine Frage des "wann" und "wieviel", wenn es um das nächste Hilfspaket geht.
33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2
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Denn nicht nur kleine und mittlere Unternehmen sind betroffen. In dieser Woche bekamen die ersten US-Fluggesellschaften staatliche Hilfen ausgezahlt, insgesamt sind für sie gut 60 Milliarden Dollar vorgesehen. Delta gilt als größte und profitabelste Fluggesellschaft der USA. Ihr Umsatz brach im zweiten Quartal um 90 Prozent ein. Delta-Chef Ed Bastian sagte bei CNBC, über 600 Flugzeuge seien am Boden, Delta fliege nur 10-15 Prozent des üblichen Flugplans.
Laut Branchenverband sind bei inneramerikanischen Flügen im Durchschnitt nur zwölf Passagiere an Bord.
Um die Staatshilfe zu bekommen, mussten sich die Fluggesellschaften Regeln unterwerfen: Sie dürfen bis Ende September keine Mitarbeiter entlassen und müssen sich beschränken bei Aktien-Rückkäufen, Manager-Gehältern und Dividenden-Zahlungen.