
Orbans Macht beruhe auf einem über Jahre aufgebauten System aus Medienkontrolle, wirtschaftlichen Loyalitäten und staatlichen Ressourcen, betonte Rigó. Der Professor für ost- und südosteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität geht davon aus, dass eine einfache Mehrheit der Oppositionspartei Tisza nicht ausreicht, um einen Wandel des Landes zu vollziehen. Die Opposition brauche eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, sagte Rigó, der in Ungarn geboren ist, im Deutschlandfunk. Dafür müsse sie die Wahl mit einem Vorsprung von mindestens zehn Prozent gewinnen.
Umfragen sehen Orbán abgehängt
In den vergangenen Wochen konnte die liberalkonservative Oppositonspartei Tisza laut Umfragen ihren Vorsprung auf die regierenden Fidesz von Ministerpräsident Orbán ausbauen. Das Meinungsforschungsinstitut Publicus ermittelte vergangene Woche beispielsweise einen Abstand von sechs Prozentpunkten. Demnach sind aber auch rund ein Viertel der Wähler noch unentschieden.
Oppositionsführer Magyar inhaltlich schwer zu greifen
Falls Tisza am kommenden Sonntag die meisten Stimmen erhalten sollte, hat Oppositionsführer Magyar gute Chancen, Orbán als Ministerpräsident abzulösen. Für Historiker Rigó ist offen, wie er in diesem Fall regieren würde. Magyar spreche nur wenig über seine Ideologie und sei für Konservative, Liberale und Linke wählbar, betonte Rigó. Der Oppositionsführer stelle derzeit eine Projektionsfläche für sehr unterschiedliche Erwartungen dar.
Derweil gibt es Zweifel, wie demokratisch die Parlamentswahl ablaufen wird. Eine Beobachterdelegation des Europarats hatte sich Ende März sehr besorgt geäußert. Der Delegationsleiter teilte nach einem zweitägigen Besuch in Budapest mit, es stelle sich die Frage, ob das Land noch eine funktionierende Demokratie sei oder ein von einer Regierungspartei vereinnahmter Staat. Viele Gesprächspersonen hätten auf ein vergiftetes Klima hingewiesen.
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Diese Nachricht wurde am 05.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
