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StartseiteSternzeitNeptun, Geschichtsfälschung und gestohlene Akten   29.09.2021

Historische Seifenoper um die Entdeckung Neptun, Geschichtsfälschung und gestohlene Akten   

Die Entdeckung des Planeten Neptun im September 1846 verbreitete sich in Europa wie ein Lauffeuer. Der Franzose Urbain Leverrier hatte mit erstaunlicher Genauigkeit die Position des Planeten berechnet. Der Jubel war überall groß – nur nicht in England.

Von Dirk Lorenzen

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Berechnet in London und Paris, entdeckt in Berlin: Neptun, der äußerste Planet im Sonnensystem  (NASA)
Die Entdeckung des Planeten Neptun ist ein großes Drama – in manchem fast bis heute (NASA)

Dort mühten sich einige Astronomen umgehend, der Geschichte einen anderen Dreh zu geben. Denn auch der Brite John Adams hatte die Position des Planeten berechnet. Allerdings korrigierte er seine Angaben viele Male. Zudem waren seine Ergebnisse deutlich ungenauer als die von Leverrier.

Dennoch tat der Königliche Astronom George Airy so, als habe Adams seine Rechnungen früher und mindestens so präzise durchgeführt wie Leverrier. So verfestigte sich der Eindruck, beide Mathematiker hätten eine wichtige Rolle bei der Entdeckung Neptuns gespielt. Allerdings blieben in der Sternwarte Greenwich die Unterlagen zu Neptun sorgsam unter Verschluss. Selbst als alle Beteiligten längst tot waren, bekamen auch Historiker keinen Einblick.

Von Greenwich nach Südamerika: Die Neptun-Akten waren lange im Besitz des Astronomen Olin Eggen, der auf dem Observatorium Cerro Tololo arbeitete. (R. Hahn/CTIO/NOIRLab/AURA)Von Greenwich nach Südamerika: Die Neptun-Akten waren lange im Besitz des Astronomen Olin Eggen, der auf dem Observatorium Cerro Tololo arbeitete. (R. Hahn/CTIO/NOIRLab/AURA)

Schließlich waren die Akten komplett verschwunden. Sie tauchten erst 1998 in Chile wieder auf, im Nachlass des US-Astronomen Olin Eggen. Der hatte Ende der 50er-Jahre in Greenwich gearbeitet und – wohl als Rache für interne Streitigkeiten – viele Bücher und Unterlagen aus der Bibliothek entwendet.

Nach der Auswertung der vielen hundert Seiten kamen Historiker zu einem klaren Ergebnis: John Adams spielte bei der Entdeckung Neptuns eine viel geringere Rolle als Urbain Leverrier.

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