Streit über die Zukunft der Insel
Keine Einigung bei Grönland-Gesprächen in Washington

Vertreter Dänemarks und Grönlands haben mit der US-Regierung in Washington über die Zukunft Grönlands beraten. Der Streit über die Insel konnte bei dem Treffen jedoch nicht beigelegt werden. Der dänische Außenminister Rasmussen sprach anschließend von grundlegenden Meinungsverschiedenheiten.

    Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen (2.v.l) Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt (r.) und ihre Delegationen verlassen das alte Eisenhower Executive Office Building auf dem Gelände des Weißen Hauses.
    Die für Außenpolitik zuständige Ministerin von Grönland (r.) und der Außenminister von Dänemark (2.v.l) in Washington (Alex Brandon / AP / dpa / Alex Brandon)
    Rasmussen betonte, entgegen Äußerungen von US-Präsident Trump sei es absolut nicht notwendig, dass die Vereinigten Staaten Grönland übernähmen. An dem einstündigen Gespräch im Weißen Haus mit US-Vizepräsident Vance und Außenminister Rubio nahm auch die grönländische Außenministerin Motzfeld teil. Die Teilnehmer einigten sich allerdings darauf, eine Arbeitsgruppe einzurichten. "Diese soll sich darauf konzentrieren, wie die Sicherheitsbedenken der USA berücksichtigt werden können, ohne dabei die roten Linien Dänemarks zu überschreiten", erklärte Rasmussen.
    Kurz vor dem Treffen im Weißen Haus hatte US-Präsident Trump noch einmal den Anspruch der Vereinigten Staaten auf die Insel bekräftigt. Er schrieb in seinem Onlinedienst Truth Social, Grönland sei für das geplante Raketenabwehrsystem Golden Dome von entscheidender Bedeutung. Die NATO werde viel mächtiger und effektiver, wenn Grönland in den Händen der USA liege. Alles andere sei inakzeptabel.

    Bundeswehr schickt Erkundungsteam nach Grönland

    Die NATO-Staaten Deutschland, Schweden und Norwegen entsenden vor dem Hintergrund der US-Ansprüche auf Grönland Militärpersonal auf die Insel. Das Bundesverteidigungsministerium teilte am Abend mit, ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M werde morgen früh 13 Bundeswehrangehörige in die Hauptstadt Nuuk fliegen. Die Entsendung erfolge auf Einladung Dänemarks.

    Dänemark erhöht Militärpräsenz

    Dänemark, zu dessen Staatsgebiet Grönland gehört, hatte vor dem Treffen in Washington angekündigt, seine Militärpräsenz dort auszubauen. Man werde auch innerhalb der NATO auf mehr Übungen in der Arktis drängen. Die dänische und die grönländische Regierung lehnen die Übernahmepläne entschieden ab.

    EU-Parlament kritisiert US-Äußerungen

    Das Europäische Parlament bezeichnete in einer Stellungnahme die Haltung der US-Regierung als inakzeptabel. Die Äußerungen aus Washington hätten keinen Platz in den Beziehungen zwischen demokratischen Partnern und würden unter anderem das Völkerrecht eklatant herausfordern. Jeder Versuch, die Souveränität und die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands zu untergraben, verstoße gegen das Völkerrecht.
    Ähnlich äußerten sich mehrere Sonderberichterstatter und Experten der Vereinten Nationen. Sie kritisierten in einer in Genf veröffentlichten Erklärung die Andeutungen Trumps über eine mögliche Aneignung Grönlands. Schon die Drohung mit Gewalt verstoße gegen die Charta der Vereinten Nationen, hieß es.
    Diese Nachricht wurde am 14.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.