Archiv

Hochschulen in Sachsen-Anhalt Streit um Millionen und doppelte Strukturen

Seit Monaten steckt in Sachsen-Anhalt die Hochschulplanung fest: Die Landesregierung übt Spardruck aus, welche Struktur sie will, bleibt jedoch ungewiss. Überstrahlt wird diese Debatte aber noch vom Streit der Universitäten Magdeburg und Halle.

Von Christoph Richter | 21.11.2014

"Die Martin Luther Universität ist die älteste, schönste und größte Universität des Landes." Der Kirchenhistoriker und Rektor der Martin Luther Universität Halle, Udo Sträter grinst. Sein Credo: Wer der altehrwürdigen 500 Jahre alten Hallenser Alma Mater Gelder kürzt, begeht Frevel.
Jens Strackeljahn kann darüber weniger lachen. Er ist der Rektor der Magdeburger Otto von Guericke Universität, einer technisch ausgerichteten Uni.
"Also gemessen an den Aufgaben, die wir haben, dem Wettbewerb der sich national und international stellt, ist die Rivalität und die nicht vorhandene Kooperation auf diesen 80 Kilometer Entfernung einfach nur lächerlich."
Der Streit zwischen der Universität Magdeburg mit einem Etat von 82 Millionen Euro und der Martin Luther Uni Halle, das 133 Millionen vom Land bekommt, überstrahlt die Spardebatte des Landes.
Solidargemeinschaft nicht einfach verlassen
Der Hintergrund: Die Martin Luther Uni Halle will aus einer Vereinbarung ausscheren, die alle Rektoren des Landes zusammen mit der Landesregierung vereinbart haben. Strackeljahn, Rektor der Universität Magdeburg erinnert daran, dass in Sachsen-Anhalt einst mal eine Sparsumme von 50 Millionen Euro im Raum gestanden hätte, die nur durch den Druck der Straße und das gemeinsame Verhandlungsgeschick der Rektoren aus dem Weg geräumt werden konnte. Es ginge nicht, sagt er, dass man nun eine Solidargemeinschaft, mir nichts, dir nichts, einfach so verlasse. Armin Willingmann, der Präsident der Landesrektorenkonferenz nickt nachdenklich mit dem Kopf.
"Ich habe schon den Eindruck, dass man auch im Senat der Martin Luther Universität der Ansicht ist, man könne sich wie das kleine gallische Dorf in den schönen Asterix-Heften verhalten."
Udo Sträter schüttelt vehement den Kopf.
"Irgendwann muss sich das Land überlegen, ob es eine Universität die überall konkurrenzfähig ist, leisten kann oder nicht. Man kann nicht alles runtersparen bis zum geht nicht mehr. Denn dann haben wir ein Haufen von Klitschen, die den regionalen Fachkräftebedarf eventuell decken können. Aber weder bundesweit noch international irgendwelche Players sind."
Streit um Millionen entbrannt
Mit dem neuen Biodiversitätszentrums iDiv beispielsweise baue man Halle derzeit zu einem internationalen Bio-Tech Forschungszentrum aus, eine Entwicklung die durch den Sparkurs infrage gestellt werde, unterstreicht Sträter. Weshalb man den Blick künftig auch mehr nach Sachsen oder Thüringen richten werde. Denn mit der Uni Magdeburg - ergänzt Stäter noch ein wenig süffisant - habe man herzlich wenig Gemeinsamkeiten:
"Wir sind an bestimmten Punkten unseren Partneruniversitäten in Jena und Leipzig sehr viel näher. Als jeder Universität oder Hochschule hier im Lande."
Doppelte Strukturen in Sachsen-Anhalt
Worte, die sitzen. Rektor Sträter geht aber noch weiter und nennt die Uni Halle - ein weiterer Nadelstich in Richtung Magdeburg - als die Landesuniversität Sachsen-Anhalts. Und fordert den völligen Verzicht des Sparkurses. Denn durch die Übernahme der BAföG-Mittel durch den Bund hätten sich seines Erachtens die Vorzeichen geändert.
"Der Bund hat die Länder bereits entlastet, indem er die ganzen BAföG-Mittel übernimmt. Das sind 1,2 Milliarden für die ganze Bundesrepublik. Um die 30 Millionen für Sachsen-Anhalt."
Hinzukomme, dass der Bund bereit sei, bei der Finanzierung sogenannter Orchideenfächer einzuspringen, ergänzt Sträter. Tatsachen, die man anerkennen müsse und weshalb die einst vereinbarten Sparziele nun ad acta gelegt werden müssten.
Schlussfolgerung, die der Magdeburger Rektor Jens Strackeljahn nicht nachvollziehen kann.
"Also wir haben etwas über 300 Millionen die den Hochschulen zur Verfügung stehen. 320 Millionen genau. Wir reden jetzt zwischen 15 und 30 Millionen Euro, die jetzt hier ankommen könnten aus den BAföG-Mitteln. Wenn wir jetzt mal hochrechnen, die Tarifsteigerungen, dann ist diese Summe in ein paar Jahren schon wieder verfrühstückt. Soll heißen: Strukturmaßnahmen müssen trotzdem kommen. Eine völlige Verweigerung von Zukunftsüberlegungen kann ich nicht daraus ableiten, weil nun Mittel des Bundes kommen können.
Strackeljahn hinterfragt die doppelten Strukturen in Sachsen-Anhalt. Also ob man alle Fächer an beiden Universitäten anbieten müsse. Auch über Kooperationen müsse laut nachgedacht werden, so Strackeljahn weiter.