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StartseiteHintergrundNützliche Freundschaft13.03.2014

Hoeneß und StoiberNützliche Freundschaft

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hält Uli Hoeneß auch trotz Steuerhinterziehung die Stange. "Er ist mein Freund," sagte er in der ARD. Während seiner Regierungszeit profitierte Stoiber politisch von der Lichtgestalt Hoeneß.

Von Evi Lell

Edmund Stoiber und Uli Hoeneß stehen nebeneinander, Aufnahme von der Seite (dpa/picture alliance/Andreas Gebert)
Edmund Stoiber und Uli Hoeneß im Februar 2014 bei einem Basketballspiel des FC Bayern München (dpa/picture alliance/Andreas Gebert)
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Edmund Stoiber und Uli Hoeneß sind Freunde und bleiben das auch. Das sagte Stoiber noch am Sonntag.

"Er ist für uns alle, jedenfalls in dieser Position, unverzichtbar."

Fest steht: Edmund Stoiber und Uli Hoeneß verbindet die Leidenschaft für den FC Bayern. Diese Leidenschaft zeigte Stoiber auch in politischen Reden, in zahlreichen Fußballvergleichen.

"Wir spielen absolut in der Champions League. Und da wollen wir weiter spielen. Schaut doch bitte mal hin. Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt - spielen denn diese Länder in der Champions League? Das sind alles satte Abstiegskandidaten!"

Bayern in der Champions League, der Rest Deutschlands auf den Abstiegsplätzen - so stellt die CSU noch heute die Welt gerne dar. Bayerns bekanntester Fußball-Funktionär Uli Hoeneß hat in den Jahren 2003 und 2005 hohe Gewinne nicht versteuert. Von einer Steuerschuld von 28,5 Millionen Euro geht das Gericht in seinem Urteil aus. Geld, das Hoeneß-Freund Stoiber gerade in diesen Jahren gut hätte brauchen können, denn der damalige Regierungschef verkündete 2003 einen rigiden Sparkurs - natürlich im "Fußball-Sprech":

"Niemand soll sich darauf verlassen, dass mir die Luft ausgeht, und alle, die mich in Bayern kennen, wissen, ich hab, wenn es sein muss, auch noch in der dritten Halbzeit die dritte Luft, meine Damen, meine Herren."

Stoiber, der Saubermann?

15 Millionen Euro im Jahr sparte Stoiber durch die Einführung des Büchergeldes. 20 Millionen Euro durch die Kürzung des Blindengeldes, was Opposition und Verbände heftig kritisierten. Der damalige Oppositionsführer Franz Maget von der SPD:

"Pauschale Kürzungen für soziale Einrichtungen, Abbau im Bildungsbereich, rigorose Einschnitte bei den Hochschulen sind für uns unakzeptabel."

Zumindest einen Teil dieses Zorns hätte Stoiber mit den Steuermillionen seines Fußballkumpels Uli Hoeneß vermeiden können, so muss der eben sparen.

"Dass es zum Sparen gegenwärtig keine Alternative gibt, weil Schuldenmachen unmoralisch ist."

Die Staatsregierung sparte 200 Millionen Euro im Jahr bei den Beamten durch die Einführung der 42-Stunden-Woche. 2007 drückte Stoiber gegen Proteste die Studiengebühren durch - Einnahmen jährlich circa 100 Millionen Euro. Stoiber gab den Saubermann, als er nach Streibls Amigo-Affäre 1993 Ministerpräsident wurde. Warum also hält er Hoeneß, dem gefallenen Bayern-Star, die Stange!

"Ich bin sein Freund."

Im Lichte Hoeneß' gesonnt

Sicher auch aus Eigennutz. Hoeneß war lange Zeit in Bayern eine Lichtgestalt. Erfolgreicher Fußballer, erfolgreicher Manager, Promi mit sozialer Ader. Eine Figur, in deren Licht sich Politiker gerne sonnen, nicht nur Edmund Stoiber übrigens. Als im Wahljahr 2013 der Fall Hoeneß publik wurde, achteten Politiker aller Parteien darauf, durch Bewertungen keine FC-Bayern-Fans und damit Wähler zu verprellen. Hoeneß und die Steuermillionen - Stoiber und die Haushaltsmilliarden. Für den früheren Regierungschef waren angesichts der Summen, mit denen er im bayerischen Staatshaushalt jonglierte, 28,5 Millionen Euro doch Peanuts. Stoiber in einer Bilanz des Jahres 2004:

"Wir haben enorme Reformen letzten Endes nicht nur auf den Weg gebracht, sondern durchgesetzt, trotz der Kritik und trotz der Demonstrationen - wir haben letzten Endes es geschafft, für das Jahr 2004, für das Jahr 2005 und das Jahr 2006 insgesamt sechs Milliarden Euro einzusparen."

Letztendlich ist Edmund Stoiber, der bei der Landtagswahl 2003 über 60 Prozent für die CSU holte, über die Sparbeschlüsse in den Jahren 2003 bis 2006 gestolpert. Er musste kurz danach zurücktreten. Sein Freund Uli Hoeneß erlebt nun einen persönlichen Abstieg aus der Liga der bayerischen Top-Gestalten wegen Steuervergehens in exakt derselben Zeit. Vielleicht verbindet ja auch das.

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