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Holocaust-Konferenz in MünchenBrücke in der Forschungsdiskussion

Rund 200 Wissenschaftler treffen sich in München zu einem Forschungskongress über den Holocaust. Ein Thema sei dabei auch die pädagogische Vermittlung des Holocaust in einer Gesellschaft, die zunehmend von Migranten geprägt sei, sagte Frank Bajohr, Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien, im Dlf.

Frank Bajohr im Gespräch mit Mascha Drost | 03.11.2019

Ein Foto vom Denkmal für die ermordeten Juden Europas, kurz Holocaust-Mahnmal. Es errinnert mit seinen verschieden hohen 2711 quaderförmigen Beton-Stelen in der historischen Mitte Berlins an die rund 6 Millionen Juden, die unter der Herrschaft Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten ermordet wurden.
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, kurz Holocaust-Mahnmal, erinnert in der Mitte Berlins an die rund 6 Millionen Juden, die unter der Herrschaft Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten ermordet wurden. (Getty Images / Sean Gallup)
Alle zwei Jahre treffen sich Holocaust-Forscher aus der ganzen Welt zu einem interdisziplinären Kongress. Diesmal findet das Treffen in der kommenden Woche in München statt. Der Fachkongress werde damit erstmals überhaupt außerhalb der USA stattfinden, erklärt Frank Bajohr, Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München. Rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden erwartet.
Bisher sei das Paradigma einer weltweiten Erinnerung an den Holocaust stark von den USA ausgegangen. Dass der Kongress nun in Europa stattfindet, trägt laut Bajohr der Arbeit der inzwischen zahlreichen Forschungs- und Gedenkstätten in Europa Rechnung. Man wolle eine Brücke in der Forschungsdiskussion im Dreieck "Nordamerika - Europa - Israel" sein.
Transnationale Bezüge wenig erforscht
Im Zentrum des Treffens steht unter anderem der Austausch über neue Forschungsansätze. Lücken in der Erforschung des Holocaust sieht Bajohr vor allem bei transnationalen Verbindungen und Bezügen. Bisher würden in der Holocaust-Forschung nationale, regionale und lokale Perspektiven dominieren. Wenig erforscht seien dagegen Fragen, zum Beispiel, wie die antijüdische Politik der Nationalsozialisten in den verschiedenen europäischen Ländern aufgefasst worden sei.
Dass sich Forscher vernetzen, nennt Bajohr unabdingbar vor dem Hintergrund, dass die Quellen über den Holocaust in 24 verschiedenen Sprachen abgefasst seien. Keiner könne schließlich alle Sprachen beherrschen.
Holocaust-Vermittlung als Tagungsschwerpunkt
Ein weiterer großer Schwerpunkt der Konferenz ist die Vermittlungsarbeit - gerade in Europa ein extrem wichtiges Thema, findet Bajohr. Denn in Europa gibt es viele authentische Orte, an denen Erinnerungsstätten und Dokumentationszentren eingerichtet wurden.
In der heutigen Zeit müsse man auch überlegen, wie sich die Vermittlung des Holocaust in einer Gesellschaft verändert, die zunehmend von Migranten geprägt ist. Den Menschen, die dauerhaft in Deutschland leben wollten, müsse vermittelt werden, dass das Thema Holocaust in der deutschen Geschichte eine besondere Rolle spielt und damit auch für die Gegenwart des Landes von besonderem interesse ist.