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Startseite@mediasresTwitter und Facebook gegen chinesische Stimmungsmache 20.08.2019

Hongkong-ProtesteTwitter und Facebook gegen chinesische Stimmungsmache

Twitter und Facebook haben nach eigenen Angaben chinesische Accounts gesperrt, die Desinformationen gestreut haben sollen. Zwar würden die Plattformen versuchen, den Eindruck der Neutralität zu erwecken, intern werde aber sehr genau hingeschaut, sagte Social-Media-Experte Martin Fehrensen im Dlf.

Martin Fehrensen im Gespräch mit Brigitte Baetz

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Demonstranten stehen am 18. August 2019 bei Anti-China-Protesten in Hong Kong mit Regenschirmen im Regen  (dpa / picture alliance / Daily Mail / SOLO Syndication / Bruce Adams)
Rund eine Millionen Demonstranten gingen am 18. August 2019 für die Unabhängigkeit Hongkongs auf die Straße (dpa / picture alliance / Daily Mail / SOLO Syndication / Bruce Adams)
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Zum ersten Mal haben Facebook oder Twitter in China Nutzerkonten gesperrt - in anderen Ländern passiere das allerdings schon seit Jahren, meint Social Media-Experte Martin Fehrensen. In der öffentlichen Debatte würden die beiden Unternehmen zwar versuchen, den Eindruck neutraler Plattformen zu erwecken, allerdings würde intern sehr genau hingeschaut, welche Gedanken artikuliert werden.

"Blind auf einem Auge"

Das Ziel, zu wachsen stehe für die Social Media-Plattformen an erster Stelle. Daher wären Facebook und Twitter nach Einschätzung von Fehrensen eigentlich auch gerne im chinesischen Markt aktiv. Aus Erfahrungen in anderen Ländern wisse man, dass die Plattformen auch Kollateralschäden in Kauf nehmen würden. Beispielsweise habe Facebook in Myanmar massiv dazu beigetragen, dass sich Propaganda gegen die Rohingya verbreitet habe.

Facebook habe seit den vergangenen Präsidentschaftswahlen in den USA Teams aufgebaut, die genauer hinschauen. Damals hatte es Missbrauch durch russische Propaganda gegeben. Allerdings habe man danach zu oft Wahlen in den Fokus genommen - und weniger den tagtäglichen Austausch für politische Informationen. Bei den Protesten In Hongkong etwa hätten Nutzer die Plattformen auf die chinesische Stimmungsmache hinweisen - die Plattformen seien hier "blind auf einem Auge", so Fehrensen.

Ein Protestierer hält während einer Demonstration durch das Viertel Mong Kok ein Schild mit der Aufschrift "Carrie Lam von der Geschichte verurteilt" hoch. (dpa-news / AP / Vincent Thian) (dpa-news / AP / Vincent Thian)Proteste in Hongkong 
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Facebook als Medienunternehmen?

Die Plattformen würden möglichst vermeiden, den Eindruck von redaktionellen Strukturen zu erwecken. Facebook wolle vermeiden als Medienunternehmen wahrgenommen zu werden, weil Facebook und Twitter dann stärker für die Inhalte auf ihren Plattformen haften müssten und proaktiv Inhalte löschen, so Fehrensen. Daher erlaube Facebook auch Desinformation - nicht aber das Anlegen falscher Identitäten.

"Ich möchte mir gleichwohl auch kein Netzwerk vorstellen, dass dann darüber entscheidet: Was ist richtig? Was ist falsch? Weil dafür sind die Plattformen überhaupt nicht legitimiert. Sie sind nicht demokratisch gewählt."

Das Bild zeigt tausende Demonstranten bei einer Anti-Regierungs-Demostration in HongKong am 07. Juli. Inmitten der Menschenmenge sieht man ein Transparent mit der Aufschrift "Hong Kong Independence" (Geovien Sox / imago) (Geovien Sox / imago)Massenprotest in Hongkong 
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