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StartseiteKultur heuteGrütters macht Druck auf Seehofer26.06.2019

Humboldt-ForumGrütters macht Druck auf Seehofer

Die Eröffnung des Humboldt-Forums in Berlin verzögert sich bis mindestens September 2020. Auch der neue Termin wird sich ohne effizientere Bauleitung nicht halten lassen. Doch dafür braucht Kulturstaatssekretärin Monika Grütters die Unterstützung von Kabinettskollege Horst Seehofer. Die ist aber fraglich.

Von Christiane Habermalz

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Humboldt Forum im neuen Berliner Schloss wird nicht wie geplant in diesem Jahr eröffnet. Es seien noch wichtige technische Fragen im wiederaufgebauten Hohenzollern-Schloss ungelöst. (Lisa Ducret/dpa)
Das Humboldt-Forum in Berlin: 800 Bauarbeiter würden gebraucht, derzeit sind es nur 380 (Lisa Ducret/dpa)
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Das Prestigeprojekt der Kulturnation Deutschland ist zehn Monate im Verzug. Die Betriebsgenehmigung werde nach derzeitiger Planung erst im August 2020 erteilt werden können, räumte Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldtforums, ein.

"Das ist die Voraussetzung dafür, dass die erste Phase im September 2020 einsetzt - mit der Eröffnung von Erdgeschoss und erstem Obergeschoss. Dazu gehören die Geschichte des Ortes mit Lapidarium, archäologischem Keller und dem großen Panorama-Raum. Dazu gehören zwei Sonderausstellungen - eine wird dem Thema Elfenbein gewidmet sein. Dazu gehören zwei Shops, Bistro, Restaurant und im ersten Obergeschoss die Ausstellungen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Stiftung Stadtmuseum/Kulturprojekte Berlin und die Werkräume der Akademie."

Bei der Eröffnung in Raten soll es bleiben - nur verschoben. 

Projekt wird auch teurer

Zuvor hatte sich der Stiftungsrat der Stiftung Humboldt-Forum, dem Kulturstaatsministerin Monika Grütters vorsitzt, getroffen, um zu beraten, wie es mit dem Humboldt-Forum weitergehen kann. Durch die Verlängerung der Baustelle wird das Projekt auch teurer. Von 20 Millionen Euro mehr ist die Rede – immer noch wenig im Verhältnis zum Bauvolumen von 595 Millionen Euro. Doch hinzu kommen Mehrkosten, die den Nutzern entstehen. Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte GmbH, die die Ausstellung für das Land Berlin konzipiert, zeigte sich wenig begeistert.

"Es sind jede Menge von auch befristeten Arbeitsverträgen, die verlängert werden müssen. Es sind Leihverträge. Es gibt relativ großen Handlungsbedarf, der jetzt dadurch entsteht. Den kann man heute noch nicht beziffern. Es ist die Frage, wie groß der sein wird. Hier werden wir natürlich sehen müssen, von welcher Seite können die Kosten übernommen werden."

Druck auf Seehofer

Doch auch den neuen Eröffnungstermin im September 2020 zu halten, wird schwierig. Das für den Bau zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung BBR wollte sich ursprünglich gar nicht auf einen neuen Termin festlegen lassen. Man könne frühestens in drei Monaten etwas Verbindliches sagen. Doch Grütters machte Druck. Sie will ihren Kabinettskollegen Horst Seehofer dazu bringen, dass das ihm unterstellte BBR mehr Personal und eine effizientere Bauleitung schickt. 800 Bauarbeiter würden gebraucht. Tatsächlich arbeiten derzeit nur 380 am Humboldt-Forum.

Heute erklärte Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt-Forum, er wäre schon  froh, wenn man 200 zusätzliche Fachkräfte bekäme.

"Ja, wir hätten gerne noch 200 Leute hier. Aber das müssen auch 200 Leute sein, die an der richtigen Stelle arbeiten und die richtigen Arbeiten ausführen. Insofern ist das nicht nur mit Masse zu erschlagen, sondern mit einem guten Baumanagement."

Ob Horst Seehofer große Leidenschaften für Grütters' Kultur-Prestigeprojekt an der Spree entwickelt, ist allerdings fraglich.

Haus soll Kulisse für Humboldt-Geburtstag sein

Zwei Varianten standen zuletzt zur Diskussion: Erst in Ruhe fertig bauen - das wünscht sich das BBR, auch um die Bauqualität nicht zu gefährden. Oder schon parallel die Ausstellungen einrichten, wo immer das geht. Für Dorgerloh und Grütters gibt es zu Letzterem keine Alternative: Sie wollen eröffnen. Die Turfanhöhlen sollen bereits im Herbst in die Kuppel eingebaut werden, während an ihr noch gebaut wird.

Und Grütters macht auch anderweitig Druck: Das Haus wird als politische Kulisse gebraucht. Die große Humboldt-Geburtstagsfeier in diesem Jahr soll wie geplant am 13. und 14. September im Humboldtforum stattfinden – und sei es auf der Baustelle. Und im September 2020 plant sie, im wiedererrichteten Preußenschloss anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft eine große internationale Konferenz zu kolonialen Kontexten zu veranstalten – mit Kulturministerkollegen aus ganz Europa.

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