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StartseiteCampus & KarriereIslam-Institut Berlin wird pünktlich eröffnet26.03.2019

Humboldt UniversitätIslam-Institut Berlin wird pünktlich eröffnet

Zum Wintersemester 2019 soll das Islam-Institut an der Humboldt-Universität seinen Betrieb aufnehmen. Alles läuft bisher nach Zeitplan. Doch es regt sich Kritik an der Zusammensetzung des Beirats des neuen Instituts. Nicht alle fühlen sich durch deren Mitglieder repräsentiert.

Von Thomas Klatt

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29.06.2018, Berlin: Eine Frau mit Kopftuch geht an der Humboldt-Universität an der Straße Unter den Linden in Berlin vorbei.  (picture-alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Das Islam-Institut an der Humboldt-Universität Berlin eröffnet zum Oktober 2019 (picture-alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
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"Alle unsere Planungen sind auf den 1. 10. 2019 ausgelegt. Das heißt, das Institut soll seine Arbeit im Oktober mit dem Wintersemester 19/20 beginnen. Wir werden die Studienordnung für den Studiengang BA Islamische Theologie in den Akademischen Senat bringen."

Alles im Zeitplan! Der Gründungsbeauftragte des Instituts für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität, Michael Borgolte, ist optimistisch.

"Wir haben sechs Berufungskommissionen eingerichtet. Davon sind zwei zu einem Ergebnis gekommen. Zwei andere werden im Laufe der nächsten vier Wochen zu einem Ergebnis kommen und die fünfte und sechste im Laufe des Sommersemesters. Das heißt, wir werden am 1. 10. vermutlich nicht sechs Professuren besetzt haben, aber doch einige, und werden die eine oder andere Professur durch Gastwissenschaftler für ein Semester vertreten lassen."

Die Idee einer trireligiösen Fakultät vorerst auf Eis gelegt

Berlin sei ein attraktiver Standort. Das Konzept einer vergleichenden sunnitischen und schiitischen Theologie sei einmalig. Für fünf Vollprofessuren auf höchster Bezahlungen W3 und einer auf W1 habe es Bewerbungen zwischen Malaysia und Kanada gegeben. Und das für voraussichtlich 80 Studierende, hofft Borgolte.

Ort: Hannoversche Straße Nr. 6, die ehemalige Gerichtsmedizin. Hier zieht dann auch bald die Katholische Theologie ein. Die Idee einer trireligiösen Fakultät christlich-muslimisch-jüdisch sei aber erst einmal in weitere Ferne gerückt, sagt Borgolte. Insbesondere aus der evangelischen Theologie kamen Vorbehalte gegen eine Vermischung der Fakultäten. Zudem gibt es auch noch keine jüdische Theologie an der Humboldt-Universität. Im Grunde habe die Arbeit des Islaminstituts auch schon jetzt begonnen.

"Als wir eine Nachwuchsgruppe installiert haben. Die Nachwuchsleiterin ist durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung schon im Dienst und ist gerade dabei, zwei Doktorandenstellen und eine Post-Dok-Stelle auszuschreiben. Das ist insofern bemerkenswert, als es sich um die Nachwuchsgruppe Islam und Gesellschaft handelt. Also eine Nachwuchsgruppe, die nicht ausschließlich aus Islam-Theologen besteht, sondern auch möglicherweise aus Sozialwissenschaftlern und Kulturwissenschaftlern. Dass die erste Stelle, die an diesem Institut vergeben worden ist, die Stelle für eine Frau gewesen ist."

Doch gerade um die Besetzung der Professuren hatte es Streit gegeben. Denn im Beirat gelten zwei Drittel-Mehrheits-Modalitäten, sodass sich die muslimischen Vertreter nicht als Sperrminorität gegen die Vertreter der Universität durchsetzen können. Daher hatte etwa die deutsch-türkische Ditib die Mitarbeit aufgekündigt.

Ditib kündigte die Mitarbeit auf

Im Beirat für das neue Islaminstitut sitzen jetzt statt der ursprünglich gedachten fünf nur drei Verbände, nämlich die Islamische Föderation Berlin, in der auch die umstrittene Millî Görüş sitzt, der Zentralrat der Muslime und der Verband der schiitischen Gemeinden Deutschlands. Dies kritisiert etwa die liberale Rechtsanwältin Seyran Ates. Die jetzigen Beiratsmitglieder seien nicht repräsentativ.

"Wenn die konservativen Verbände sich hinstellen und behaupten, sie vertreten die Mehrzahl der Muslime, gibt es weder ein Beleg dafür noch eine Abbildung, dass zum Beispiel der Zentralrat der Muslime nicht mal 0,4% der Muslime vertritt."

Dagegen würden andersdenkende Muslime unter Druck gesetzt. Sie selbst muss, seitdem sie die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet hat, in ständiger Angst und unter Polizeischutz leben. Gründungsbeauftragter Michael Borgolte will aber im Zeitplan bleiben und rechnet erst einmal nur mit drei islamischen Verbandsvertretern im Beirat.

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