Samstag, 19.10.2019
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteCampus & KarriereUmstrittenes Islam-Institut geht an den Start09.10.2019

Humboldt UniversitätUmstrittenes Islam-Institut geht an den Start

Theologie ist keine Wissenschaft - so die Kritik an der Gründung des Instituts für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität. Nun hat das Institut nach langer Diskussion seine Arbeit aufgenommen. Doch die Skepsis bleibt, denn im Beirat sind allein konservative Islamverbände vertreten.

Von Claudia van Laak

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Hand greift in einem Bücherregal einer Bibliothek nach einem Koran. (picture alliance / Gentsch Archive)
In Deutschland gibt es derzeit etwa 2.500 Studenten der Islamischen Theologie und Religionspädagogik (picture alliance / Gentsch Archive)
Mehr zum Thema

Islamische Theologie Das Fach nach vorne bringen

Osnabrück und Münster Studienfach Islamische Theologie wächst

Susanne Schröter (Islamwissenschaftlerin) "Erdogan hat den Anspruch, dass er hier Politik macht"

Berliner Humboldt-Universität Probleme beim geplanten Institut für Islamische Theologie

Es ist ein Novum an der Humboldt-Universität. Im Senatssaal diskutieren Islamwissenschaftler unter anderem aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden über das Thema "Imam-Ausbildung". Gestern Vormittag nahm das Institut für Islamische Theologie mit einer Einführungsveranstaltung seine Arbeit auf. Gründungsdirektor Michael Borgolte fällt ein Stein vom Herzen.

"Ach ja, das kann man sagen. Wir haben zweieinhalb Jahre daraufhin gearbeitet, das waren schwierige Prozesse, innerhalb der Universität mussten wir uns mit Kritikern auseinandersetzen, auch in der Öffentlichkeit, deshalb sind wir schon sehr froh."

Beharrliche Widerstände

In den Uni-Gremien hatten einige Studierende und Professoren gegen das Institut für Islamische Theologie argumentiert. Es war eine grundsätzliche Kritik, die sich nicht speziell gegen den Islam richtete: die Theologie habe an einer Universität nichts zu suchen, weil sie keine Wissenschaft sei.

"Die Widerstände waren nicht so stark, dass man das Institut verhindern konnte, aber sie waren beharrlich. Verstehen kann ich das in gewisser Weise schon. Aber dass man der Theologie den Rang einer Wissenschaft aberkennt, das halte ich nicht für korrekt."

Liberale Muslime nicht vertreten

Streit gab es auch um die Besetzung des Beirates, in dem unter anderem drei Vertreter von Islamverbänden sitzen, die türkische DITIB ist nicht dabei. Der Beirat hat ein Mitspracherecht bei der Besetzung der Professuren – genau wie zum Beispiel die katholische Kirche bei der Besetzung von Professuren für katholische Theologie. Liberale Muslime sind in diesem Beirat nicht vertreten. Das Argument der Humboldt-Uni: Wir brauchen die Verbände, die auch eine relevante Zahl von Muslimen in Deutschland vertreten.

All diese Streitigkeiten dürften an den ersten 55 Studierenden weitgehend vorbei gegangen sein. Marlene Werke, 21, Nicht-Muslime, freut sich auf den Arabisch-Unterricht und das Koran-Studium.

"Also ich glaube, dass das eine große Relevanz hat, auch um eine Religion abzubilden, die in Deutschland ja durchaus vertreten ist, und dass man eben durch das Institut den Muslimen in Deutschland auch eine Stimme gibt."

Fragen der Alltagsseelsorge

Die Humboldt-Uni startet jetzt, andere haben schon länger Erfahrungen mit dem Fach Islamische Theologie – Münster, Tübingen oder Osnabrück. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft, gibt einen Überblick:

"Es gibt in Deutschland derzeit 2.500 Studierende in der Islamischen Theologie und Religionspädagogik. Die Mehrheit ist weiblich und studiert Religionspädagogik, sie wollen also Lehrerin für Religionspädagogik werden."

 Eine Schülerin mit Kopftuch sitzt am 05.02.2015 an der Johann Hinrich Wichern-Schule in Frankfurt am Main (Hessen) bei einer Unterrichtsstunde zum Thema Islam.  (picture alliance / Frank Rumpenhorst) (picture alliance / Frank Rumpenhorst)Islamische Theologie: Alles, nur nicht auf Lehramt
Wir brauchen Imame, die in Deutschland studiert haben – heißt es aus der Bundesregierung. Deshalb startet der neue Studiengang Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität.

Serdar Kurnaz, demnächst Inhaber einer ordentlichen Professur an der Humboldt-Uni, setzt auf einen Austausch mit der großen islamischen Community in Berlin. Es geht auch um das tägliche muslimische Leben in einer Metropole, sagt Kurnaz, der von der Uni Hamburg nach Berlin gekommen ist.

"Krankenhausseelsorge, Gefängnisseelsorge, bioethische Fragen, so dass man diese Fragen der muslimischen Community als Forschungsimpuls aufnehmen kann und daran, natürlich nach den Maßstäben der Wissenschaft, das erforscht und Lösungsmodelle anbietet."

Studium Voraussetzung für die Ausbildung zum Imam

Die Universitäten bilden keine Imame aus – ein übrigens weit verbreitetes Missverständnis. Dies geschieht in Verantwortung der Islam-Verbände, ein Studienabschluss in Islamischer Theologie ist allerdings eine gute Voraussetzung dafür. Michael Borgolte hofft, dass - langfristig gesehen - die Gemeinden die in Deutschland ausgebildeten Imame bevorzugen.

"Die Eltern werden es sich nicht bieten lassen, dass ihre Kinder im Koranunterricht in den Gemeinden von Imamen unterrichtet werden, die schlechter qualifiziert sind als die, die sie haben könnten in Deutschland. Darauf muss man setzen, auf diesen Prozess, dass sie besser qualifiziert sind."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk