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StartseiteCorsoWer ist das größte Opfer?31.05.2019

IdentitätspolitikWer ist das größte Opfer?

Hashtag-Bewegungen wie MeToo spalten - auch feministische Lager. „Identitätspolitik ist wichtig und richtig, aber wir kritisieren die Exzesse“, sagte Eva Berendsen im Dlf. Sie ist Co-Herausgeberin eines Sammelbandes, der sich als solidarische Kritik versteht.

Eva Berendsen im Corsogespräch mit Christoph Reimann

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Eine junge Frau trägt ein T-Shirt mit der Aufschriftin "Feministin" (picture alliance / dpa / Henry Milleo)
Die MeToo-Bewegung sei Fluch und Segen, sagte Eva Berendsen. (picture alliance / dpa / Henry Milleo)
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In der Identitätspolitik gehe es nach dem Verständnis von Eva Berendsen um die kulturelle Anerkennung von gesellschaftlichen Minderheiten, von Personengruppen, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart ausgegrenzt und diskriminiert würden. Berendsen ist einer der Herausgeberinnen des Sammelbandes "Trigger-Warnung. Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen".

Mit dem Sammelband wolle Berendsen eine solidarische Kritik an der Identitätspolitik üben. "Uns geht es darum zu sagen: Identitätspolitik ist wichtig und richtig, aber wir kritisieren die Exzesse." Wenn nur noch aus persönlicher Betroffenheit heraus agiert werde, so berendsen weiter, werde Politik unmöglich gemacht. "Auch die weißen Männer können sich gegen Antisemitismus, Rassismus, Sexismus engagieren und sich für eine gerechtere Welt einsetzen."

#MeToo habe Grenzen verschwimmen lassen

Die MeToo-Bewegung bezeichnete Eva Berendsen einerseits als Bilderbuch-Feminismus, der Fluch und Segen zugleich sei. Unter demselben Hashtag seien Erzählungen von jahrelanger sexualisierter Gewalt als auch sexistische Cover von Männermagazinen gepostet wurden. Berendsen findet, dass beide Beispiele ihre Berechtigung hätten und diskussionswürdig seien. Gleichzeitig seien Grenzen jedoch verschwommen. Zur Debatte habe gestanden, wer das größte Sexismus-Opfer sei.

"Identitätspolitik nur als Symbolpolitik zu verstehen, ist eine Sackgasse", sagte Berendsen. Konstruktive Identitätspolitik müsse mit einem Kampf für eine gerechte und solidarische Gesellschaft verknüpft werden. Sonst laufe etwa Feminismus Gefahr, nur eine Pose zu sein.

Eva Berendsen u. a. (Hg.): "Trigger-Warnung: Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen"
Verbrecher-Verlag, 270 Seiten, 18 Euro.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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