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StartseiteWirtschaft und GesellschaftAufschwung mit Gegenwind22.05.2015

ifo-GeschäftsklimaindexAufschwung mit Gegenwind

Die Streikwelle in Deutschland bei der Bahn oder auch bei der Post ist offenbar nicht unbedingt ein Stimmungskiller in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Das Geschäftsklima in Deutschland, das das ifo Institut monatlich ermittelt, hat sich im Mai nur leicht eingetrübt – der Aufschwung geht also weiter, wenn auch mit leichtem Gegenwind.

Von Brigitte Scholtes

Der Bochumer Maschinenbauer Eickhoff produziert seit 2009 in Klipphausen bei Dresden Getriebe fuer Windkraftanlagen. (imago/Rainer Weisflog)
Der Bochumer Maschinenbauer Eickhoff produziert seit 2009 in Klipphausen bei Dresden Getriebe fuer Windkraftanlagen. (imago/Rainer Weisflog)

Zum ersten Mal seit sieben Monaten ist der ifo-Geschäftsklima-Index gesunken – wenn auch nur leicht auf 108,5 nach 108,6 Punkten im April. Experten hatten nach den Entwicklungen der vergangenen Monate einen stärkeren Rückgang erwartet– und zeigten sich eher erleichtert, so Stefan Mütze, Volkswirt der Helaba, der Landesbank Hessen-Thüringen:

"Wir haben einen extremen Verfall des Ölpreises gehabt und einen sehr, sehr schwachen Euro. Das hat sich natürlich etwas zurückentwickelt. Das hat sicherlich belastend auf die Erwartungen gewirkt, auch dieses Hickhack mit Griechenland, hier ist immer noch keine Lösung da. Die jüngsten Streiks dürften auch belastet haben. Aber insgesamt ist der ifo-Geschäftsklimaindex kaum gesunken, fast unverändert. Und insofern- da er auch über dem langfristigen Durchschnittsniveau ist – keine Beunruhigung.

Während die befragten 7.000 Manager aus der Wirtschaft die aktuelle Lage etwas positiver beurteilen als noch im vergangenen Monat, blicken sie etwas pessimistischer in die Zukunft. Ökonomen glauben zwar, dass der ifo-Index einen vorläufigen Höhepunkt erreicht haben könnte, aber Grund zum Pessimismus bestehe nicht für die deutsche Wirtschaft, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW:

"Das Wachstum in Deutschland kommt ja sehr viel stärker aus dem Inland als aus dem Ausland in den letzten Monaten. Das liegt natürlich am Arbeitsmarkt. Das liegt an den erwarteten Lohnabschlüssen, während wir aus dem Exportsektor nur schwache Zuwächse sehen. Insgesamt ist das aber eine Normalisierung, insofern passieren da auch gute Trends."

Schwaches Russland-Geschäft trübt Exportwachstum ein

Die deutsche Wirtschaft war im ersten Quartal überraschend nur um 0,3 Prozent gewachsen nach 0,7 Prozent zum Jahresende. Es war wieder vor allem der anhaltende Konsum- und Bauboom, der die Konjunktur in den ersten drei Monaten anschob. Das zeigen die Details, die das Statistische Bundesamt heute dazu bekannt gab. Der Export schwächelte – und das spürten einige Branchen besonders, wie etwa der Maschinen- und Anlagenbau. Diese Schlüsselindustrie der deutschen Wirtschaft führte nur 0,2 Prozent mehr ihrer Produkte ins Ausland aus als ein Jahr zuvor. Das lag vor allem am schwachen Russland-Geschäft. Insgesamt bauten die deutschen Unternehmen zunehmend ihre Lager ab, ein weiterer bremsender Effekt. Stefan Mütze von der Helaba erklärt:

"Der Rückschlag wird vermutlich in den nächsten Quartalen wieder aufgeholt, sodass wir dann wieder mehr Wachstum durch Lageraufstockung in den nächsten Quartalen haben."

So schlecht sieht es also für die deutsche Wirtschaft gar nicht aus. Es wäre auch schön, wenn die Firmenlenker wieder etwas mehr Mut zu Investitionen zeigten, meint Jörg Zeuner von der KfW, denn das würde einiges bringen:

Am Ende einen moderneren Kapitalstock, modernere Maschinen, intelligentere Maschinen, höheres Produktivitätswachstum - also ohne dass man mehr Kapital oder mehr Arbeit einsetzt, trotzdem höheres Wachstum, weil wir es einfach besser machen. Das ist das, was wir langfristig brauchen, auch vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland ja abnehmen wird."

Für das laufende Jahr hängt das aber auch von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab.

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