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StartseiteKalenderblattKlaviervirtuose und Freiheitskämpfer29.06.2016

Ignacy Jan PaderewskiKlaviervirtuose und Freiheitskämpfer

Er war der extravagante Starpianist des frühen 20. Jahrhunderts, gefeiert in Europa ebenso wie in den USA. Aber der Pole Ignaz Paderewski, Jahrgang 1860, betrat nach dem Ersten Weltkrieg auch die politische Bühne: Er wurde für kurze Zeit Außen- und Premierminister seines Landes und trat für die Unabhängigkeit Polens ein. Paderewski starb am 29. Juni 1941 in New York.

Von Wolfgang Schreiber

Der polnische Pianist, Komponist und Politiker Ignacy Jan Paderewski in einer zeitgenössischen Aufnahme (A0009_dpa)
Der polnische Pianist, Komponist und Politiker Ignacy Jan Paderewski in einer zeitgenössischen Aufnahme (A0009_dpa)
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Ignaz Jan Paderewski – was für ein schillernder Name! Mehr noch, dieser Name wurde zum Fanal in der bereits globalisierten Musikbranche des frühen 20. Jahrhunderts. Paderewski triumphierte als der extravaganteste Virtuose seiner Zeit. Eine noch viel größere Bühne betrat der Pianist nach dem Ersten Weltkrieg: Paderewski war plötzlich der Regierungschef und Außenminister Polens. In seinen Anfangsjahren hatte er viel komponiert, im Stil von Chopin und Liszt. Was für eine Karriere!

Paderewskis Lebensweg begann im Zeichen der Musik. Geboren wurde er am 18. November 1860 in einem Provinznest im russischen Teil Polens. Er war kein Wunderkind, studierte zuerst Klavier am Konservatorium in Warschau, dann Komposition an der Königlichen Musikhochschule zu Berlin. In Wien gab ihm der legendäre Klavierprofessor Theodor Leschetizky den letzten Schliff. Die Karriere begann relativ spät, mit 28 eroberte er das Pariser und das Londoner Publikum. Aber erst in den USA errang Paderewski seine Popularität. Die hochgewachsene Erscheinung, die pathetische Mähne, die Eleganz - mit aristokratischem Flair faszinierte er die Menschen. Demgemäß der Lebensstil. Paderewski bereiste die Länder im eigenen Salonwagen, mit Sekretär, Tourmanager, Klavierstimmer und Koch. Erst 1911 ließ er sich zu Plattenaufnahmen überreden. Statt ganzer Beethoven-Sonaten wählte er lieber die kurzen Stücke. Sie zeigen seinen rhapsodischen, sehr persönlichen Musizierstil.

"Paderewski hatte etwas Magnetisches"

Aber die romantischen Überdehnungen und bizarren Akzente riefen bei Kennern auch Befremden hervor. Bei aller Bewunderung - der Pianist Arthur Rubinstein ging mit seinem älteren Landsmann Paderewski streng ins Gericht.

"Er war eine kolossale Persönlichkeit, Paderewski hatte etwas Magnetisches. Er war immer der Star. Aber er spielte Klavier mit Schwierigkeit. Er verstand natürlich die Werke sehr gut. Er konnte mich kolossal charmieren nach einem Konzert. Aber doch, wenn ich nachher nachdachte – dachte ich nein, das war pianistisch nicht sehr gut. Heutzutage würde er keinen Erfolg haben können."

Sehr entschieden hat der polnische Patriot Paderewski der politischen Geschichte seines Landes gedient. Während des Ersten Weltkriegs wurde er in Paris Mitglied des Polnischen Nationalkomitees, und als Diplomat verstärkte er in den USA den Kampf für ein freies Polen. Schließlich wurde Paderewski Polens Premier- und Außenminister, der 1919 den Versailler Friedensvertrag unterzeichnete. Nach nur wenigen Monaten verließ er die Politik und kehrte ans Klavier zurück. Bis im Jahr 1940 die nächste Katastrophe folgte: Deutsche und Russen löschten das freie Polen aus, Paderewski wurde Präsident der polnischen Exilregierung in London. Der 80-Jährige verlas einen Aufruf in der BBC.

"Wir werden gewinnen, um zu leben und um unser Werk des Friedens in einer neuen, besseren Welt fortzusetzen, die aus den Opfern und dem Heroismus freier Menschen entsteht. Deshalb sind die Worte für die Ehre und das Vaterland auf den Bannern unseres Heeres nicht nur in Gold geschrieben, sie leben in jedem polnischen Herzen."

Ignaz Paderewski starb am 29. Juni 1941 in New York. Er wurde in der St. Patrick's Kathedrale aufgebahrt, auf dem Arlington Friedhof in Washington beerdigt, die sterbliche Hülle wurde erst Jahrzehnte später nach Warschau überführt.

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