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Inflationsrate"Konjunkturerholung ist unterwegs"

Die Preise im Euroraum sind im Dezember um 0,1 Prozent weniger gestiegen als erwartet. Volkswirte stimmt das optimistisch: Von Deflation keine Spur und die Aussichten für das laufende Jahr bedeuteten eine langsame Konjunkturbelebung.

Von Brigitte Scholtes | 07.01.2014

Um 0,8 Prozent sind die Verbraucherpreise im Dezember im Euroraum gestiegen. Ökonomen hatten mit 0,9 Prozent gerechnet. Auch wenn einige von ihnen nun vermuten, die Europäische Zentralbank könne sich wieder zum Handeln gezwungen sehen, um die Sorge vor einer Deflation zu nehmen, rechnen viele aber doch nicht mit einem weiteren Zinsschritt an diesem Donnerstag. Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka Bank meint etwa:
"Das heißt nicht, dass die EZB etwas tun muss. Sie hat mit dem letzten Zinsschritt auch nicht unbedingt verbinden wollen, dass sie damit einen Konjunktur- und einen Inflationsimpuls setzen möchte, sondern sie hat eigentlich nur sagen wollen, dass auf längere, wirklich längere Zeit die Zinsen so niedrig bleiben. Das war das entscheidende Signal."
"Moderate Konjunkturerholung"
0,8 Prozent - das sei nicht Deflation, sondern niedrige Inflation, ist zu hören. Aber die EZB hat es sich ja zum Ziel gesetzt, eine Preissteigerung von unter, aber nahe zwei Prozent zu erreichen. Dieses Ziel verfehlt sie zurzeit deutlich. Aber das könne sie in Kauf nehmen, meint Volkswirt Bahr. Denn von Deflation könne man erst sprechen, wenn die Inflationsraten auch in den kommenden Monaten weiter fallen würden:
"Dazu bräuchten wir allerdings andere Konjunkturperspektiven, als sie nicht nur von uns, sondern von den meisten Analysten getätigt werden. Aktuell sehen wir bessere Konjunkturindikatoren, selbst das Ende der Rezession in vielen europäischen Krisenländern. Die Einkaufsmanagerindizes, viele Stimmungsindizes, entwickeln sich so, wie sie es tun sollen. Eine moderate Konjunkturerholung ist unterwegs. Dazu passt das Deflationsszenario eben nicht, und deswegen ist es auch nicht unsre Perspektive."
Dagegen könnte man argumentieren, dass die Unternehmen, vor allem in den Krisenländern, nicht bereit sind, Kredite aufzunehmen. Denn die Kreditvergabe in Euroland ging im November weiter zurück, um 2,3 Prozent nämlich. Das ist vor allem in den Krisenländern zu beobachten, meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank:
"Wenn Sie sich anschauen in den Ländern, gerade des Südens - bis zum Ausbruch der Staatsschuldenkrise hatten wir eine riesige Schuldenblase. Da hatten die Banken jahrelang zu viel Kredit vergeben. Jetzt geht es mal zurück. Das muss man nach solchen Kreditexzessen eben mal aushalten in den Ländern."
Positive Konjunkturperspektiven
Auch Holger Bahr von der Deka Bank sorgt diese Entwicklung nicht übermäßig:
"Wir haben einen Sondereffekt, der daher rührt, dass die Banken einem neuerlichen Stresstest unterzogen werden. Und im Zuge dieses Bilanzstichtags gerade auch zum Ende 2013 waren sicherlich viele Banken noch einmal zusätzlich sehr restriktiv bei der Kreditvergabe. Dieser Sondereffekt sollte sich in den kommenden Monaten positiv rauswachsen."
Noch sind die Volkswirte also optimistisch. Noch rechnen sie mit einer langsamen Konjunkturbelebung im Euroraum für dieses Jahr. Sollten die Konjunkturperspektiven sich jedoch eintrüben, dann wäre die EZB wohl zum Handeln gezwungen.