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Informierte Patienten
Googeln, bevor der Arzt kommt?

Immer mehr Menschen versuchen über das Internet etwas über Krankheitssymptome herauszufinden, bevor sie zum Arzt gehen. Die Patienten sind dann gut informiert - eigentlich eine Idealvorstellung. Doch viele Mediziner sehen den Trend kritisch. Welche Vorbehalte die Mediziner haben, zeigt nun eine Studie.

Jan Böcken im Gespräch mit Carsten Schroeder | 14.06.2016
    Google-Suchergebnis-Liste zu Krankheiten
    hilfreich oder kontraproduktiv? (Deutschlandradio/Charlotte Voß)
    Wie Ärzte auf gut informierte Patienten reagieren, was sie von deren Internetrecherchen halten, ob sie das als hilfreich oder als kontraproduktiv erleben, hat die Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Barmer GEK untersucht.
    Dr. Jan Böcken, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung, sagte im DLF, die Informationssuche im Netz sei ein zunehmender Trend. 98 Prozent der befragten Ärzte berichteten davon. Insgesamt habe das Phänomen besonders in den letzten fünf Jahren zugenommen.
    Etwas mehr als die Hälfte der Ärzte sieht das kritisch, so Böcken. Fast ein Drittel gab an, die Informationen würden die Patienten verwirren. Jeder vierte Arzt rät sogar von der Suche ab - und das, obwohl der informierte Patient eigentlich eine Idealvorstellung sei, sagte Böcken. Denn zahlreiche Studien würden belegen, dass Therapien mit informierten Patienten erfolgreicher verliefen.
    "Ärzte tun sich schwer, sich selbst im Netz zu bewegen"
    Hauptgrund für die Skepsis sei eine Unsicherheit der Ärzte, wie sie mit den Patienten, aber auch dem Internet umgehen sollten. "Sie tun sich schwer, sich selbst im Netz zu bewegen," sagte Böcken, und würden keine vertrauenswürdigen Quellen kennen. Zudem gab circa die Hälfte der befragten Mediziner an, selbst kein vertrauenswürdiges Material für Patienten in ihren Praxen zur Verfügung zu haben.
    Böcken rät zur Weiterbildung: Die Ärzte müssten lernen, mit dem Material aus dem Internet und den informierten Patienten umzugehen: "Ärzte müssen begreifen, dass der informierte Patient etwas positives ist und eine Chance für die Therapie sein kann."
    Das gesamte Gespräch können Sie sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.