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StartseiteCampus & KarriereLehrergewerkschaft kritisiert rot-grüne Landesregierung in Mainz22.05.2014

InklusionLehrergewerkschaft kritisiert rot-grüne Landesregierung in Mainz

Kurz vor den Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz stellt die Lehrergewerkschaft GEW der Inklusionspolitik der rot-grünen Landesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Die sogenannten Schwerpunktschulen für inklusiven Unterricht seien chronisch unterfinanziert und ohne konzeptionelle Unterstützung durch das Bildungsministerium.

Von Ludger Fittkau

Ein Schulkind steht vor einer Tafel, auf der das Wort "Inklusion" geschrieben steht. (picture alliance / dpa)
Die GEW hält mehr Förderschullehrkräfte für nötig. (picture alliance / dpa)

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz wirft wenige Tage vor den Kommunalwahlen im Land der rot-grünen Landesregierung in Mainz Konzeptionslosigkeit beim Thema Inklusion vor. Mehrere Tausend behinderte Kinder in Rheinland-Pfalz lernen zwar in sogenannten "Schwerpunktschulen" gemeinsam mit nicht behinderten Kindern, wie es die UN-Behindertenrechtskonvention fordert. Doch bisher fehle jedes übergreifende Konzept für die Inklusion in Rheinland-Pfalz, kritisiert Birgit Wolsdorfer, Vorsitzende des Bezirkspersonalrates für Förderschullehrer in Rheinland-Pfalz:

"Es gibt kein einheitliches Konzept für Inklusion. Für inklusiven Unterricht. Das fordern wir seit Langem, aber da passiert nicht. Und dann passiert das, was viele Schwerpunktschulen mittlerweile beklagen: Jeder beginnt von vorne und erfindet das Rad neu und das muss einfach nicht sein."

Der Personalmangel im Bereich des inklusiven Unterrichts sei erschreckend, so die Gewerkschafterin. Vor allem Fachkräfte für Vertretungsstunden mit behinderten Kindern im Regelunterricht fehlen überall an Rhein und Mosel. Besonders problematisch sei es in der Eifel und im Raum Koblenz, so Birgit Wolsdorfer:

"Manchmal haben wir das Gefühl, wir steuern auf eine Katastrophe zu. Weil im Koblenzer Bereich zum Beispiel, die haben überhaupt keine ausgebildeten Förderschullehrer in Vertretungsstellen. Für eine Planstelle gehen die Leute nach Koblenz, aber für eine Vertretungsstelle nicht."

Gewerkschaft auf Konfrontationskurs

Doch Planstellen für Inklusionsunterricht schaffe die rot-grüne Landesregierung längst nicht genug, bemängelt der rheinland-pfälzische GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer. Noch nicht einmal die 200 von der Landesregierung angestrebten zusätzlichen Stellen für Förderschullehrer an Regelschulen seien besetzt. Benötigt werden aber aus Sicht der Gewerkschaft 500 Stellen. GEW-Chef Klaus-Peter Hammer geht damit wenige Tage vor den Kommunalwahlen auf klaren Konfrontationskurs mit dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium unter Dors Ahnen (SPD):

"Und wir sagen auch und das bestreitet auch das Ministerium, da haben wir eine ganz andere Meinung - wir werden einen Fachkräftemangel im Bereich der Förderschulen haben. Sie sagen immer, den haben wir nicht. Aber den haben wir."

Deswegen seien vor allem im Raum Koblenz dringend zusätzliche Planstellen für Förderschullehrkräfte aus Rheinland-Pfalz auch an Regelschulen zu schaffen, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sonst bestehe die Gefahr, dass in Rheinland-Pfalz ausgebildete Fachkräfte wie schon in den letzten Monaten verstärkt nach Nordrhein-Westfalen oder Hessen abwandern. Denn auch dort sei der Fachkräftemangel für die Inklusion groß, so Klaus-Peter Hammer. Die rot-grüne Landesregierung in Mainz müsse mehr Geld in die Hand nehmen, wenn die Inklusion gelingen soll:

"Und das ist der Knackpunkt. Dass die Finanzmittel, auch aufgrund der Schuldenbremse und anderen Entscheidungen, dass man da immer den Cent rumdreht und die entscheidenden politischen Weichen dann doch nicht so stellt."

Das SPD-geführte Bildungsministerium in Mainz weist die Kritik der Gewerkschaft zurück. Die Kommunen bekommen ausreichende finanzielle Hilfen beim behinderten- gerechten Umbau der Schulen und für die Bezahlung zusätzlichen Personals, versichert das Ministerium.

 

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