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Internationale Automobil-Ausstellung
Optimismus trotz China-Schwäche

In dieser Woche beginnt die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Trotz der derzeitigen Schwäche der chinesischen Wirtschaft - einer der wichtigsten Absatzmärkte der Autoindustrie - gibt sich die Branche im Vorfeld der Messe optimistisch. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf vernetzen Autos.

Von Brigitte Scholtes | 14.09.2015

    VDA-Präsident Matthias Wissmann, in ein Mikro sprechend, mit den Händen gestikulierend.
    VDA-Präsident Matthias Wissmann (dpa/picture alliance/Valentin Gensch)
    Vor Beginn der IAA, der Internationalen Automobilausstellung, gibt sich die Autobranche optimistisch und hofft wieder auf ein Innovationsfeuerwerk. Matthias Wissmann, Präsident des Veranstaltenden deutschen Branchenverbands VDA verweist auf 219 Weltpremieren - 60 mehr als bei der letzten Autoschau vor zwei Jahren. Und er freut sich über ein gutes konjunkturelles Umfeld: In den USA soll der Automarkt im laufenden Jahr um drei Prozent, in Europa sogar um 6 Prozent wachsen. Doch in den einstigen Wachstumsländern wie Russland und Brasilien sind herbe Einbrüche zu verkraften. Am meisten dürfte die deutsche Autoindustrie aber das langsamere Wachstum auf dem weltgrößten Automarkt China schmerzen: Fünf Prozent Plus waren es im ersten Halbjahr noch, aber der VDA schließt eine Stagnation in China im laufenden Jahr nicht mehr aus. Matthias Wissmann:
    "Dass da auch mal ein Gang zurückgeschaltet wird aufgrund der allgemeinen volkswirtschaftlichen Daten, muss niemanden verwundern. Ich schließe Volatilitäten am chinesischen Markt überhaupt nicht aus. Aber es bleibt der bedeutendste Automobilmarkt der Welt. Und Gott sei Dank haben wir Deutschen dort eine starke Position. Die weiter zu erhalten ist natürlich die große Aufgabe."
    Elektromobilität soll auch eine größere Rolle auf der IAA spielen, auch wenn Branchenbeobachter wie Tim Schuldt von Prisma Invest glauben, dass die deutsche Autobranche diese nur halbherzig unterstützt:
    "Verbrennungsmotoren - da haben die bestehenden Automobilhersteller einfach sehr, sehr viel Erfahrung, haben dadurch auch eine Möglichkeit, sich von neuen Konkurrenten abzuheben. Auf der anderen Seite: Sie wissen aber, dass die EU Regularien ins Leben gerufen hat, die den CO2-Verbrauch senken. Und diese Regeln können sie letzten Endes nur einhalten, wenn sie Elektroautos auf den Markt bringen."
    Motto "Mobilität verbindet"
    Der Erfolg der Elektromobilität hänge wesentlich von den Rahmenbedingungen ab, meint jedoch VDA-Präsident Wissmann:
    "Auch wenn der Spritpreis derzeit günstig ist: Auf lange Sicht müssen und werden wir uns unabhängiger vom Öl machen. Die Elektromobilität ist ein wichtiger Schritt dorthin. Mit anderen Worten: Die Politik muss dringend die Rahmenbedingungen für den Leitmarkt Deutschland erweitern und so zügig wie möglich auf den Weg bringen."
    Das von der Autoindustrie gewählte Motto der IAA aber lautet: "Mobilität verbindet": In zwei Jahren sollen vier von fünf Neuwägen über eine Internetverbindung verfügen. Das Auto der Zukunft fährt bald autonom, weicht Hindernissen aus, bremst für Fußgänger und parkt selbstständig in schwierige Parklücken ein. Dabei wollen aber auch die großen Anbieter aus dem Silicon Valley mitspielen, Google oder Apple etwa. Solche Konkurrenz belebe das Geschäft, gibt sich Wissmann optimistisch:
    "Wir haben nicht nur die führenden Premium-Anbieter der Welt, sondern wir haben gleichzeitig auch drei der fünf größten Zulieferer der Welt und hunderte von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und die machen sich untereinander so viel Wettbewerb, dass sie genau wissen: Eine Sekunde schlafen ist zu viel."