Freitag, 19. April 2024

Olympische Spiele
IOC und Russland: Noch viele offene Fragen

Russische und belarussische Sportlerinnen und Sportler dürfen als neutrale Athleten bei den Olympischen Spielen antreten, wenn sie den Krieg in der Ukraine nicht aktiv unterstützen. Was das genau bedeute sei aber völlig unklar, sagt Journalist Robert Kempe im Dlf.

Robert Kempe im Gespräch mit Astrid Rawohl | 17.03.2024
Das Logo des russischen Nationalen Olympischen Komitee an einer Hauswand.
Sportlerinnen und Sportler aus Russland dürfen bei den Olympischen Spielen antreten, wenn sie den Krieg in der Ukraine nicht aktiv unterstützen. Was genau das bedeute, sei unklar, sagte Journalist Robert Kempe im Dlf. (IMAGO / Russian Look / IMAGO / Petrov Sergey)
Aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine dürfen Athletinnen und Athleten aus Russland und dem Unterstützerstaat Belarus bei den Olympischen Sommerspielen in Paris nur als Einzelathlet:innen und ohne nationale Symbole wie Flaggen oder Hymnen an den Start gehen. Und das auch nur, wenn sie keine Verbindung zum russischen Militär haben und den Krieg in der Ukraine nicht aktiv unterstützen.
In seiner kommenden Sitzung will nun das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheiden, ob russische und belarussische Athletinnen und Athleten auch an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele teilnehmen dürfen, oder nicht.

"Was ist eigentlich aktive Kriegsunterstützung"

Dabei gebe es noch andere offene Fragen zu klären, sagte Journalist Robert Kempe im Deutschlandfunk: "Was ist denn eigentlich eine aktive Kriegsunterstützung? Das ist eine Frage, die wir seit Monaten diskutieren. Das heißt, das IOC muss endlich einmal definieren, wie man diesen Dingen auf den Grund gehen will, wer dafür verantwortlich ist, wie bestandsfest diese Dinge sind und was dafür ausreicht. Ist es ein Social-Media-Post? Und wie müssen die letztlich dann gekennzeichnet sein? Das sind alles Fragen, die offen sind", sagte Kempe, der zuletzt viel Zeit in Russland und der Ukraine verbrachte.
Auch bei der Kennzeichnung der russischen und belarussischen Athletinnen und Athleten gebe es noch ungeklärte Fragen, sagte Kempe. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) sei hier weiter: "Das IPC hat erklärt, dass Medaillengewinne nicht im Medaillentableau von diesen Sportlerinnen und Sportlern aufgeführt werden, dass die Hymnen nicht gespielt werden und Fahnen und andere Sachen verboten sind. Und man hat klargemacht, sie werden nicht bei der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung dabei sein. Und das ist natürlich eine Frage, wo das IOC nun klar sagen muss, ob das gewünscht ist, oder nicht."

Baltische NOKs sprechen sich für Ausschluss aus

Die Nationalen Olympischen Komitess aus Estland, Lettland und Litauen haben sich derweil klar für einen Ausschluss russischer und belarussischer Athletinnen und Athleten von der Eröffnungsfeier ausgesprochen. Dazu haben sie deutlich gemacht, dass sie weiter gegen eine Teilnahme russischer und belarussischer Athletinnen und Athleten sind, stehen damit jedoch alleine da. "Sie machen in dem Brief, den sie unter der Woche an das IOC gesendet haben, auch nochmal ganz klar, dass es nur einen Vorfall bei den Spielen in Paris braucht, um diese zu einer Plattform für russische Propaganda zu machen. Nun ist es am IOC zu entscheiden, dem zu folgen, beziehungsweise dem entgegenzuwirken oder andere entsprechende Entscheidungen zu fällen."
Die Sportlerinnen und Sportler, die aus Russland und Belarus letztendlich zu den Spielen fahren werden, würden dies auch im Auftrag ihrer jeweiligen Staaten tun, sagte Kempe. "Und das wird sich Russland nicht nehmen lassen, diese Athleten dorthin zu schicken, weil sie eben auch dazu dienen, im eigenen Land ein Narrativ zu vertreten, wonach diese Athleten letztendlich Vertreter des Landes sind."