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Irak
Anschlag auf Moschee gefährdet Regierungsbildung

Der Überfall auf eine Moschee der Sunniten in der Nähe von Bagdad belastet die Regierungsbildung im Irak. Sunnitische Politiker haben bereits angekündigt, die Koalitionsverhandlungen auszusetzen. Hinter dem Anschlag könnten schiitische Milizen stehen, die Verbindungen zum noch amtierenden Ministerpräsidenten haben sollen.

Von Martin Zagatta | 23.08.2014

    Der designierte Ministerpräsident des Iraks, Haider Al-Abadi
    Der designierte Ministerpräsident des Iraks, Haider Al-Abadi, ruft seine Landsleute zum Zusammenhalt auf. (dpa / picture-alliance / Karim Kadim)
    Die schon mehr als einhundert Angriffe der amerikanischen Kampfflieger scheinen die Islamisten zumindest im Norden des Irak jetzt in Schach zu halten. Die Bemühungen allerdings um eine neue Regierung in Bagdad, der alle Volksgruppen angehören sollen und die dann den Kampf aufnehmen könnte gegen die Gotteskrieger, diese Bemühungen haben nun einen schweren Rückschlag erlitten. Der Überfall auf eine Moschee der Sunniten, bei dem gestern nordöstlich der Hauptstadt mehr als 70 Menschen getötet wurden, hat die Spannungen zwischen den verfeindeten Lagern noch verschärft.
    Großajatollah Ali Sistani will Einheitsregierung
    Großajatollah Ali Sistani, der oberste Würdenträger der irakischen Schiiten ruft dazu auf, an den Bemühungen um eine Einheitsregierung festzuhalten. Der designierte Ministerpräsident Haidar AlAbadi hat das Massaker verurteilt und bittet seine Landsleute um Zusammenhalt. Aber sunnitische Politiker haben schon angekündigt, die Koalitionsverhandlungen so lange auszusetzen, bis die Täter benannt und bestraft sind. Hinter dem Verbrechen stecken, so heißt es, schiitische Milizen, auf die zuvor ein Bombenanschlag verübt worden sein soll. Sie hätten dann zur Vergeltung die Moschee gestürmt und wahllos um sich geschossen. Diese Milizen, so jedenfalls Beschuldigungen, sollen enge Verbindungen zu dem noch amtierenden Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki haben - und schon wird spekuliert, ob der etwas mit dem Blutbad zu tun haben könnte, aus Ärger über seine Absetzung und um die Bildung einer neuen Regierung zu hintertreiben.
    Mit dieser Zuspitzung werden auch die ersten Erfolge im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" wieder in Frage gestellt. Den kurdischen Peschmerga-Truppen ist es mit Luftunterstützung durch die USA gelungen, den Mossul-Staumdamm wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Und das ganze große Ziel ist, so die Peschmerga-Führung, die Stadt Mossul, in der die Islamisten ihr Hauptquartier haben, wieder zurückzuerobern.
    Peschmerga-General: "Wir benötigen Munition und besser Waffen"
    "Wir benötigen keine ausländischen Truppen, aber ganz dringend Munition, die geht uns aus. Und bessere Waffen", betont der Peschmerga-General Mansour Barsani. Die Kurden haben den Sinneswandel der deutschen Regierung ausdrücklich begrüßt und hoffen, dass die Waffenlieferungen möglichst bald eintreffen. Denn die Scharia-Milizen, so heißt es in der Kurdenhauptstadt Erbil, die Gotteskrieger sind noch keineswegs besiegt.