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StartseiteCorsoDer satirische Wochenrückblick07.03.2014

Is was!?Der satirische Wochenrückblick

Die einen feiern sich und die Oscars in Hollywood und legen mit einem selbst geschossenen Foto Twitter lahm. Lahm war auch das Testspiel der deutschen Nationalelf gegen Chile 100 Tage vor der FIFA-WM in Brasilien. Und Putin? Der setzt nach den Olympischen Spielen nicht mehr auf sportlichen Wettkampf, sondern auf Konfrontation.

Von Klaus Pokatzky

Der britische Regisseur Steve McQueen erhält einen Oscar als bester Film für "12 Years a Slave".
Der OScar für den besten Film geht 2014 an "12 Years a Slave".
Weiterführende Information

Krim-Krise: Erneut Abzug russischer Soldaten gefordert (Deutschlandfunk, Aktuell, 7.3.2014)

Endlose Show mit erwarteten Siegern (Deutschlandfunk, Kultur heute, 3.3.2014)

Wissen Sie, was ein Selfie ist? Kein Problem: Ich wusste das bis zu den Oscars auch nicht. Also, ein Selfie kriegen Sie, wenn Sie in Ihr Mobiltelefon grinsen und dann auf den Knopf für ein Foto drücken. Ganz gewaltig geselfiet haben sich die Stars bei den Oscar-Verleihungen und noch gewaltiger haben die Hersteller der Selfie-Apparate darum gerungen, welches Gerät die Selfies machen durfte. Wobei diese Formulierung genauso bescheuert ist wie das Selfien an sich – denn wenn ein Mobilgerät ein Selfie macht, müsste es ja ein Foto von sich selber machen und da wird es völlig unerträglich. Ich liebe die "Simpsons" und ihren Erfinder Matt Groening. Der hat gleich seine Comic-Variante samt Homer und Bart geschaffen von dieser Oscar-Show, wo vermeintlich erwachsene Menschen zu Zweijährigen infantilisieren. Na okay, meinetwegen auch zu Dreijährigen.

Da lobe ich mir den Papst. Der ist richtig erwachsen. Der blickt ganz abgeklärt auf seine Jugendstreiche zurück, als allenfalls der Heilige Geist das Wort Selfie kannte. Als er einst im Priesterseminar war, da hat ihm "ein Mädchen eine Woche lang den Kopf verdreht". Das hat der Heilige Vater jetzt der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" erzählt und auch den Satz: "Das waren Jugendangelegenheiten. Darüber habe ich mit meinem Beichtvater gesprochen." Und dann hat Franziskus noch gesagt, dass es für ihn noch keine Gelegenheit gab, von Europa zu reden: "Das wird schon noch kommen."

Das könnte ja jetzt vielleicht mal kommen. Herr Putin in Moskau braucht dringend einen Beichtvater und hat ein Telefon, das nicht nur US-Präsident Barack Obama anwählt, sondern auch Kanzlerin Angela Merkel, die deshalb noch nicht mal ihre Aschermittwochsrede in Mecklenburg-Vorpommern halten konnte. Wie erwachsen ist eigentlich Wladimir Putin? Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat ihn ja schon mit Adolf Hitler verglichen und das dann gleich wieder relativiert. Passender wäre wahrscheinlich ein Vergleich mit einem pubertierenden 13-Jährigen, der sich jeden Morgen fünf Handys vor den Spiegel hält und dann eine Selfie-Orgie startet.

Was ist eigentlich in 100 Tagen, wenn in Brasilien die Fußballer um die Weltmeisterschaft kicken? Wenn da ein Spieler von der Krim bei den Russen mitspielt, müssen wir dann boykottieren? So wie unser Trainer Jogi Löw sich bei unserem mauen Vorbereitungsspiel gegen Chile aufregen musste, bietet die Brasilien-Weltmeisterschaft ja jedes Potenzial für Emotionen. Und was machen wir, wenn andere Länder nach dem Vorbild von Putins Russland einfach mal so eben die Weltkarte verändern wollen? Nachher marschieren die Portugiesen noch in Brasilien ein; das hat ihnen schließlich 300 Jahre gehört, also viel länger, als die Krim jemals bei Russland war. Da hilft nur, dass wir ganz viel von dem Bier aus Bitburg trinken, das zu den Hauptsponsoren der deutschen Fußballer in Brasilien gehört.

Schwierig könnte es bald mit dem exzellenten Gebräu aus Jever werden. Jeverinnen und Jever, nehmt euch in Acht: Putin steht vor euren Toren! Euer schönes Jever gehörte als Erbe von Zarin Katharina der Zweiten auch mal zu Russland. So lange ihr noch könnt: Macht ein Selfie von euch im freien Jever. Prost! 

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