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StartseiteEuropa heuteWerben um Kämpfer aus dem Balkan11.06.2015

Islamischer StaatWerben um Kämpfer aus dem Balkan

Der radikale Islamismus erlebt im Kosovo einen starken Aufschwung. Die ausgeprägte Armut, die hohe Arbeitslosigkeit und die trüben Chancen für junge Kosovaren mögen ihren Teil dazu beigetragen haben. Auch andere Balkan-Staaten werden zunehmend zum Einfallstor für den Dschihadismus.

Von Stephan Ozsváth

Ein Mann bettelt barfuß um Geld in in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. (picture alliance / dpa / Valerie Plesch)
Eine Straße in Prishtina, der Hauptstadt des Kosovo. Die Armut treibt viele junge Menschen in die Hände des Islamischen Staates. (picture alliance / dpa / Valerie Plesch)
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Seit einigen Tagen kursiert dieses Video im Netz. Es stammt vom Islamischen Staat, wurde im IS-eigenen Medien-Center Hayat produziert und es enthält „eine Botschaft an die Menschen des Balkan", wie es im Titel heißt. Und die ist eine Drohung.

"Wenn möglich, tue einen Sprengsatz unter ihre Autos"

So rät ein junger Bärtiger, namens Salahuddin, offenbar aus Bosnien.

"Vergifte die Ungläubigen. Töte sie, töte sie, wo immer sie sind. In Bosnien, in Serbien, im Sandzak."

Das Propaganda-Video deutet auf eine Strategie-Änderung des Islamischen Staates hin. Wird hier eine neue Front auf dem Balkan eröffnet – mit Hilfe von Einzeltätern? Terror-Experte Peter Neumann vom Londoner King´s College meint:

"Man ist auf diese Einzeltäter angewiesen, man ruft sie direkt dazu auf, solche sehr schockierenden Aktionen zu verüben."

Ende April hatte ein Terroranschlag die bosnische Stadt Zvornik erschüttert. Ein bewaffneter Mann hatte einen Polizisten unter "Allahu akbar"-Rufen erschossen. Der Angreifer hat nach Behördenangaben intensiven Kontakt zu einem Syrien-Rückkehrer gehabt. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz sucht den Schulterschluss mit seinen Amtskollegen aus den Westbalkan-Staaten, er warnt.

"Da die Reisebewegungen der Foreign Fighters aus Europa in den Irak oder nach Syrien vor allem über den Westbalkan laufen und, leider Gottes, auch einige Westbalkanstaaten auch immer wieder Nährboden für Radikalisierung bieten, hängt unsere Sicherheit sehr stark auch damit zusammen, wie stabil die Region ist."

Spiel mit der Angst

Bislang galten die Westbalkan-Staaten vor allem als Transit- und Rückzugs-Raum für Dschihad-Reisende. Außerdem rekrutierten salafistische Prediger vor allem in den ehemaligen Bürgerkriegsländern Bosnien und im Kosovo Kämpfer. Alleine aus dem Kosovo sollen es laut Sicherheitsbehörden 250 sein. Auch Salafisten-Dörfer in Bosnien werten Experten als Gefahr. Der bosnische Politologe Vedran Dzihic von der Uni Wien, sagt:

"Wenn man sich die Zahlen jener ansieht, die vom Islamischen Staat rekrutiert werden aus dem europäischen Umfeld, dann sind bestimmte Staaten des Westbalkans ganz ganz vorne, gemessen an der Einwohnerzahl. Bosnien und Kosovo sind hier an der vordersten Stelle. In der gesamten Region Bosnien, Kosovo, Teile von Mazedonien, aber auch Teile von Serbien mit der südserbischen Provinz Sandzak. Da hat man in den letzten Jahren Tendenzen zur Radikalisierung gesehen und es ist durchaus die Gefahr da, das diese Tendenz zunimmt."

Besonders perfide an dem IS-Propaganda-Video ist das Spiel mit den Ängsten vor Krieg. Das Kalkül: Was bei Wahlen funktioniert, soll auch den Islamisten Anhänger in die Arme treiben.

So warnt dieser Dschihadist vor neuen Massakern in Srebrenica, Mostar und Gorazde. Dagegen helfe nur, sich zum Islamischen Staat zu bekennen, lautet die Botschaft. Doch was tun gegen die Dschihadisten? Alle Westbalkan-Staaten haben ihre Strafgesetze verschärft. Es gibt verstärkt Razzien. Und Terrorismus-Experte Peter Neumann setzt auf eine bewährte Strategie aus der Fußball-Welt:

"Ich denke es ist wichtig, dass man den Leuten die Pässe wegnimmt, bevor sie fahren. Hier müssen Rechtsgrundlagen geschaffen werden. In Großbritannien gibt es die zum Beispiel. Das sind Rechtsgrundlagen, die ursprünglich für Hooligans geschaffen wurden, die daran gehindert werden sollten, zu Fußball-Matches zu fahren. Die Leute am Reisen zu hindern ist eine absolute Priorität."

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