
Montag, 2. März
+++ Vor dem Hintergrund der militärischen Eskalation will Israel die Grenzübergänge zum Gazastreifen vorerst geschlossen halten.
Die israelische Militärbehörde Cogat, die für die zivilen Angelegenheiten der Palästinenser und die Koordination an den Grenzübergängen zuständig ist, teilte mit, ein sicherer Betrieb sei wegen der Gefahr von Raketenangriffen nicht möglich. Dies dürfte erhebliche Auswirkungen für die Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit humanitärer Hilfe haben. Während Cogat erklärte, es gebe im Gazastreifen inzwischen ausreichende Bestände an Lebensmitteln, um eine längere Zeit zu überbrücken, widersprachen dem mehrere Hilfsorganisationen, darunter die Organisation World Central Kitchen, die Suppenküchen im Gazastreifen betreibt.
+++ Bei den Angriffen Israels und der USA sind im Iran nach Angaben des Roten Halbmonds mindestens 555 Menschen getötet worden.
Mehr als 100.000 Rettungskräfte seien landesweit im Einsatz, heißt es in einer Mitteilung der Organisation in der Islamischen Republik. Mehr als 130 Landkreise seien vom Krieg betroffen. In einer Analyse der in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute heißt es, bislang seien mehr als 2.000 Ziele attackiert worden
+++ Der frühere deutsche Botschafter in den USA, Wittig, sieht eine Kehrwende in der Politik des US-Präsidenten Trump in dessen zweiter Amtszeit.
In seiner ersten Phase im Weißen Haus habe Trump militärische Verwicklungen gescheut. Inzwischen sei aus dem selbsternannten Friedenspräsidenten "fast ein Kriegspräsident" geworden, sagte Wittig im Deutschlandfunk. Innerhalb der laufenden Amtszeit habe Trump "bereits acht Militäraktionen angeordnet". Die jüngsten Angriffe auf den Iran seien gerechtfertigt, auch wenn sie durch das Völkerrecht nicht gedeckt würden. Denn die Islamische Republik unterdrücke die eigenen Bevölkerung grausam und bedrohe andere Staaten, vor allem Israel. Ein atomar bewaffneter Iran sei "immer eine Albtraumvorstellung" gewesen, betonte der Ex-Diplomat.
+++ Bei Angriffen im Westen des Irans sollen mindestens drei Menschen getötet worden sein.
Das berichtet die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA. Es seien zwei Wohngebäude in der Stadt Sanandadsch getroffen worden. Weitere Einzelheiten wurden nicht mitgetteilt.
+++ Im Golfstaat Kuwait sind nach dortigen Angaben mehrere US-Militärflugzeuge abgestürzt.
Alle Besatzungsmitglieder hätten verletzt überlebt, teilte ein Sprecher des kuwaitischen Verteidigungsministeriums mit. Die Ursache des Absturzes werde derzeit untersucht. Die iranische Armee erklärte, sie habe den Stützpunkt Ali Al Salem der US-Luftwaffe in Kuwait beschossen. In der Hauptstadt Kuwait-Stadt war Luftalarm zu hören, wenig später stieg von der Botschaft der USA Rauch auf. Die diplomatische Vertretung bestätigte zunächst keinen Einschlag, rief jedoch dazu auf, dem Botschaftskomplex fernzubleiben.
+++ China hat zum sofortigen Stopp der Angriffe aufgerufen.
Die Volksrepublik stehe bereit, zusammen mit der internationalen Gemeinschaft zur Verhandlungslösung des Konflikts beizutragen, teilt das Außenministerium in Peking mit. Es bekräftigt seine Haltung, die israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran seien eine Verletzung des internationalen Rechts.
+++ EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sichert Zypern Unterstützung zu.
Von der Leyen äußerte sich nach einem Drohnenangriff auf einen britischen Luftwaffenstützpunkt auf Zypern. Auch wenn die Republik Zypern nicht das Ziel gewesen sei, stehe die EU ihren Mitgliedern bei jeder Bedrohung geschlossen und fest bei, erklärte sie in Brüssel. Der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern war in der vergangenen Nacht von einer Drohne getroffen worden, wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte. Bei dem Vorfall nahe der Hafenstadt Limassol sei niemand verletzt worden, hieß es.
+++ Außenminister Wadephul hat mit Blick auf die Angriffe der USA und Israels auf den Iran erhebliche völkerrechtliche Fragen eingeräumt.
Zugleich müsse man berücksichtigen, dass die iranische Staatsführung Russland, die Hisbollah im Südlibanon, die Hamas im Gazastreifen und die Huthi-Miliz im Jemen unterstützt habe, sagte Wadephul im Deutschlandfunk. Der Iran habe sich zudem den Staatsauftrag gegeben, Israel auszulöschen. Mit Blick auf die Rechtfertigung eines Präventivschlags sagte der CDU-Politiker, dass es im Iran ein erhebliches ballistisches Raketenprogramm gebe. Deutschland werde sich an den militärischen Aktionen indes nicht beteiligen.
+++ Israels Luftwaffe hat in der Nacht neue Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran angegriffen.
Auch das mit Israel verbündete US-Militär will seine Attacken im Iran fortsetzen. Der Iran feuerte nach Angaben des israelischen Militärs seinerseits erneut Raketen auf Israel ab. Unter anderem in Tel Aviv gab es Luftalarm. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, den Anweisungen des Heimatschutzes zu folgen.
+++ In mehreren Golfstaaten sind Explosionen zu hören.
AFP-Reporter und Augenzeugen berichten von lauten Detonationen in Katars Hauptstadt Doha, in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi und in Bahrains Hauptstadt Manama. Das bahrainische Innenministerium erklärte, bei iranischen Angriffen sei ein Mensch getötet worden. Die kuwaitische Armee fing derweil nach Angaben der kuwaitischen staatlichen Nachrichtenagentur eine unbekannte Anzahl "feindlicher" Drohnen ab, die auf das Golfemirat abgefeuert worden seien.
+++ USA prüfen Terrorverdacht nach Anschlag in Texas.
Nach einem tödlichen Schusswaffenangriff im US-Bundesstaat Texas prüfen die Behörden einen terroristischen Hintergrund. Das bestätigten Ermittler der Bundespolizei FBI. Einem Medienbericht zufolge soll der Täter Unterstützung für die Regierung in Teheran und Hass auf die israelische und die amerikanische Führung geäußert haben. Der Mann hatte in der Nacht zum Sonntag vor einem Biergarten in der Stadt Austin zwei Menschen erschossen und 14 weitere verletzt, bevor er von Polizisten getötet wurde.
+++ Durch Bombardements sind nach iranischen Angaben bisher sieben Kliniken des Landes beschädigt worden.
Das Gandhi-Krankenhaus in der iranischen Hauptstadt Teheran sei am späten Sonntagabend von einer Rakete getroffen worden, berichten iranische Medien übereinstimmend. Beschädigt wurde demnach auch eine Klinik in der südwestlichen Provinzhauptstadt Ahwas. Außerdem seien landesweit drei Rettungswachen angegriffen worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
+++ Bei den israelischen Luftangriffen auf Ziele im Libanon sind nach libanesischen Angaben mindestens 31 Menschen getötet worden.
Es habe rund 150 Verletzte gegeben, erklärte das Gesundheitsministerium. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP in der Küstenstadt Sidon berichtet von einer großen Fluchtbewegung aus dem Südlibanon.
+++ Das Pentagon hat für den Nachmittag deutscher Zeit eine Pressekonferenz angekündigt.
Verteidigungsminister Hegseth wird demnach um 8 Uhr (14 Uhr deutscher Zeit) vor die Presse treten. US-Generalstabschef Caine werde ebenfalls teilnehmen. Am Dienstag wird Hegseth außerdem gemeinsam mit Außenminister Rubio die Kongressabgeordneten über den Fortschritt des Armeeeinsatzes informieren, wie das Weiße Haus bekanntgab. Die oppositionellen Demokraten werfen der US-Regierung vor, vor dem Beginn des Einsatzes nicht konsultiert worden zu sein.
+++ Irans Sicherheitsratschef Laridschani hat jegliche Gespräche mit den Vereinigten Staaten abgelehnt.
"Wir werden nicht mit den USA verhandeln", erklärte Laridschani im Onlinedienst X. Er wies Medienberichte zurück, wonach iranische Vertreter versucht hätten, mit Washington Kontakt aufzunehmen. Laridschani warf US-Präsident Trump vor, die Region "ins Chaos gestürzt" zu haben. Nun sorge Trump sich um Verluste unter den US-Streitkräften.
+++ Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes sind rund 30.000 Touristen deutscher Veranstalter von der Eskalation am Golf betroffen.
Wie ein Sprecher mitteilte, handelt es sich dabei unter anderem um Reisende auf Kreuzfahrtschiffen sowie um Passagiere, deren Flüge abgesagt wurden und die an den Flughäfen festsitzen. Wie viele Deutsche sich aktuell in der Golfregion aufhielten, sei unklar. Bundesaußenminister Wadephul sieht derzeit keine Möglichkeit, die im Nahen Osten und in der Golfregion Festsitzenden ausfliegen zu lassen. Wegen der Sperrung der Lufträume für zivile Flugzeuge sei man dazu nicht in der Lage, sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung.
+++ Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) kommt an diesem Montag zu einer Sondersitzung zusammen.
Die Sitzung erfolgt auf Antrag Russlands, eines wichtigen Verbündeten des Irans. Nach dem Beginn der Angriffe am Samstag hatte die IAEA die Konfliktpartien zur Zurückhaltung aufgerufen. Westliche Staaten, allen voran die USA und Israel, werfen der Islamischen Republik vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran weist dies zurück und besteht auf seinem Recht zur Nutzung der Atomtechnologie für zivile Zwecke.
+++ Drohnenangriff auf britischen Militärstützpunkt auf Zypern
Der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern ist von einer Drohne getroffen worden. Das bestätigte das Verteidigungsministerium in London. Bei dem Vorfall nahe der Hafenstadt Limassol sei niemand verletzt worden. Das Vereinigte Königreich beteiligt sich nach eigenen Angaben im Nahen Osten an einem defensiven Militäreinsatz gegen den Iran. Britische Flugzeuge schießen Drohnen und Raketen ab, wenn sie diese sehen. Die Einheiten starten unter anderem in Bahrain und auf Zypern.
+++ Das katarische Innenministerium hat die Bevölkerung aufgerufen, angesichts der Lage in der Region zu Hause zu bleiben.
In einem Beitrag in sozialen Medien forderte das Ministerium die Menschen auf, nur in "absoluten Notfällen" nach draußen zu gehen und sich von Fenstern und offenen Bereichen fernzuhalten.
+++ Die Staaten in der Region des Persischen Golfs haben Irans Angriffe auf ihre Territorien verurteilt und ihr Recht auf Selbstverteidigung betont.
Man werde alle nötigen Maßnahmen ergreifen, Sicherheit und Stabilität zu gewähren sowie alle Bürger zu schützen, erklärten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Iran hat infolge der amerikanisch-israelischen Angriffe seit Samstag auch mehrfach Ziele in den Golfstaaten angegriffen. Teils richteten sie sich gegen Stützpunkte des US-Militärs dort, aber auch gegen Flughäfen und Hotels. Bislang haben die Länder in der Region die Angriffe des Irans nur abgewehrt und nicht zurückgeschlagen.
+++ Öl deutlich teurer
Die Preise für Öl sind gestiegen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April verteuerte sich in den ersten Handelsminuten um 14 Prozent und kostete mit 82,37 Dollar so viel wie seit Januar 2025 nicht mehr. Der Iran hatte als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt. Sie ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Die Staaten des Ölkartells Opec+ hatten gestern beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern.
+++ Neue Angriffe auf Teheran
Die israelische Luftwaffe setzt ihre Attacken gegen Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran fort. Es sei eine neue umfangreiche Angriffswelle begonnen worden, teilte das Militär in der Nacht mit, ohne Details zu nennen. Die Entfernung zwischen der israelischen Stadt Tel Aviv und Teheran beträgt Luftlinie rund 1.600 Kilometer. Der am Samstagmorgen in Koordination mit den verbündeten USA gestartete Einsatz der israelischen Luftwaffe gegen den Erzfeind Iran ist nach Armeeangaben der bisher größte in ihrer Geschichte.
+++ Trump rechnet mit weiteren getöteten US-Soldaten
US-Präsident Trump rechnet damit, dass im Krieg mit dem Iran noch weitere amerikanische Soldaten getötet werden. Er würdigte in einem Video die drei getöteten Soldaten als amerikanische Patrioten. Das für die Region zuständige Zentralkommando des Militärs hatte zuvor bekannt gegeben, dass drei Angehörige des US-Militärs getötet und fünf schwer verletzt worden seien. Trump kündigte Vergeltung an.
+++ Starmer erlaubt USA Nutzung britischer Stützpunkte
Großbritannien erlaubt den USA nach den Worten von Premierminister Starmer die Nutzung britischer Stützpunkte für die Zerstörung iranischer Raketen und Raketen-Abschussrampen. Starmer sagte in einer Video-Ansprache, da der Iran eine Strategie der verbrannten Erde verfolge, unterstütze Großbritannien die gemeinsame Selbstverteidigung mit den Verbündeten in der Region. Er betonte, an den am Samstag begonnenen Angriffen der USA und Israels auf den Iran sei Großbritannien nicht beteiligt. Großbritannien, Frankreich und Deutschland unterschrieben am Abend eine gemeinsame Erklärung, in der die drei Staaten verhältnismäßige militärische Defensivmaßnahmen nicht ausschließen, um die Fähigkeiten des Iran zum Abfeuern von Raketen und Drohnen zu zerstören.
Sonntag, 1. März
+++ US-Präsident Trump geht davon aus, dass der Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite noch vier Wochen andauern wird.
Trump sagte der britischen "Daily Mail", es sei immer mit vier Wochen geplant worden. Frühere Aussagen ließen auf eine deutlich kürzere Dauer schließen. Trump würdigte die getöteten US-Soldaten als "großartige Menschen". Er rechne leider damit, dass so etwas wieder passieren könne.
Diese Nachricht wurde am 02.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
