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StartseiteSport am WochenendeDas älteste Meeting der Welt11.09.2021

ISTAF BerlinDas älteste Meeting der Welt

Die Geschichte der deutschen Leichtathletik-Sportfeste reicht bis ins Jahr 1880 zurück. Im Laufe der Jahrzehnte etablierten sich in Berlin, Köln, Stuttgart und München große internationale Leichtathletik-Meetings. Bis heute überlebt hat jedoch nur das ISTAF - das Internationale Stadionfest.

Von Thomas Wheeler

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Berlin Leichtathletik, athletics, Track and Field, ISTAF Berlin 2019 ,01.09.2019, Olympia Stadion Berlin, 2000m Hindernislauf Frauen, Gesa Felicitas Krause, *** Berlin Leichtathletik, athletics, Track and Field, ISTAF Berlin 2019 ,01 09 2019, Olympia Stadion Berlin, 2000m Womens Obstacle Course, Gesa Felicitas Krause,  (Imago)
Das traditionsreiche Leichtathletik-Meeting feiert 100. Geburtstag (Imago)
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23. August 1985: 20.13 Uhr. 45.000 Leichtathletikfans im Berliner Olympiastadion feiern Said Aouita. Der Marokkaner hat soeben einen neuen Weltrekord im 1500 Meter Lauf aufgestellt. Einer von bisher 15 Weltrekorden in 100 Jahren ISTAF. Aber nicht nur diese bleiben in Erinnerung. Sondern auch jede Menge Geschichten rund um das Internationale Stadionfest.

"Wir hatten damals die Anfrage eines sehr guten Weitspringers, dem die Grube bei uns zu klein war, weil er plante weiter zu springen, als die Weitsprung-Grube die bei uns da war. Und in einer Nacht und Nebel-Aktion mit den Mitarbeitern des Olympiastadions haben wir dann mit der Hacke die Weitsprunggrube verlängert noch mal um einen Meter und haben das Ganze mit Blumen links und rechts betoniert."

"Wir sind das älteste Meeting der Welt"

Gerhard Janetzky. Gut zehn Jahre organisierte er das ISTAF und war außerdem Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes. Sein Nachfolger ist der heutige Meeting-Direktor Martin Seeber. Wie alle Veranstalter von Sport-Events mussten er und sein Team im letzten Jahr mit den Folgen der Pandemie klarkommen. Das ISTAF fand coronabedingt nur vor einer Mini-Kulisse statt. Gerade mal 3.500 Zuschauende verloren sich im riesigen Olympiastadion.

Die  Caster Semenya führt beim 1000 Meter Lauf der Frauen beim ISTAF 2018 im Olympiastadion Berlin am 02.09.2018 das Feld der Läuferinnen an. (imago images / Andreas Gora) (imago images / Andreas Gora)ISTAF in Berlin - Leichtathletik-Meeting darf mit Zuschauern stattfinden
Das traditionelle Leichtathletik-Meeting ISTAF im Berliner Olympiastadion soll mit Zuschauern stattfinden. Das ISTAF will damit als Leuchtturm in schwieriger Zeit dienen. 

Am kommenden Sonntag dürfen nun immerhin bis zu 25.000 beim Jubiläum mitfeiern. Vorausgesetzt, sie sind geimpft, genesen oder getestet.

"Wir sind das älteste Meeting der Welt. Viele beneiden uns auch darum, sagen Mensch, so eine Tradition hätten wir auch gerne. Die Athleten freuen sich. Die sind weiterhin dankbar, dass sie jetzt auch nach Olympia ohne Zuschauer zu solchen großen Veranstaltungen fahren können, wo auch wirklich Zuschauer dabei sind."

20.000 waren es beim ersten ISTAF - am 3. Juli 1921 im Deutschen Stadion. Gebaut für die Olympischen Sommerspiele 1916, die wegen des 1. Weltkrieges aber abgesagt wurden. Die damalige Arena befand sich im Inneren einer Pferderennbahn und war nur durch einen Tunnel erreichbar. An der Nordseite der Tribünen lag parallel zum Fußballfeld ein 100 Meter langes Schwimmbecken. Beim ersten ISTAF gab es deshalb Leichtathletik- und Schwimmwettkämpfe.

"So wie wir es heute kennen mit den drei Vereinen, nämlich SCC Berlin, OSC Berlin und dem Berliner Sportklub, dem BSC, gibt es das seit 1937. Also direkt nach den Olympischen Spielen wurde dann die klassische Tradition des Leichtathletik-Meetings geboren."

Zweiter Weltkrieg als Zäsur

Der Zweite Weltkrieg war eine Zäsur, erst ab Mitte der Fünfziger Jahre findet das Stadionfest wieder statt. Bis auf wenige Ausnahmen im Olympiastadion. Zum Aufschwung trägt vor allem Rudi Thiel bei. Von 1968 bis zum Jahr 2000 ISTAF-Chef.

"Er hat in der Zeit übernommen, wo es wirklich noch klein war, hat es in die moderne Zeit überführt. Er hat sehr viel selbst gemacht. Er hat das ISTAF modernisiert, großgemacht."

Meeting Direktor Gerhard Janetzky beim 72. ISTAF (imago sportfotodienst) (imago sportfotodienst)100 Jahre ISTAF - "Es sind nicht die Weltrekorde, die zählen, sondern der Wettkampf"
Das ISTAF in Berlin feiert seinen 100. Geburtstag. Damit ist es das älteste Leichtathletik-Meeting der Welt und hat sich von einem lokalen Sportfest zu einem Event mit Topathleten aus aller Welt entwickelt. Daran beteiligt war Gerhard Janetzky, ehemaliger Chef des Meetings.

Als "Mr. ISTAF", Rudi Thiel, aufhört, ziehen vorübergehend dunkle Wolken auf. Die Pleite droht. Aber Gerhard Janetzky und der Unternehmer Werner Gegenbauer, seit 2008 Präsident von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, bewahren die Traditionsveranstaltung 2002 vor dem Aus.

"Die Insolvenz ging ja zeitgleich mit der Bewerbung Berlins für die Weltmeisterschaft der Leichtathleten, die in Berlin stattfinden sollte. In Nairobi haben Werner Gegenbauer und Klaus Wowereit damals entschieden, dass sie das ISTAF retten wollen, um für Berlin doch die Basis für eine gute Bewerbung durchzuführen. Wir haben dann auch 2009 die Leichtathletik-Weltmeisterschaft hier in Berlin gehabt."

"Wichtig war dann ab 2004, wo dann auch die Erfolgsserie des ISTAFs anfing, sowohl das neue Konzept, was wir gemacht haben, nämlich das Setzen auf Duelle. Wir haben nie immer die ganz großen Namen dabeigehabt. Das war auch finanziell teilweise immer nicht möglich. Da waren Meetings wie Zürich und Brüssel deutlich finanzstärker."

Zuschauerrekord für ein Eintages-Meeting

Zürich und Brüssel haben aber auch die kleineren Stadien. Und so wird beim ISTAF 2007 der bis heute gültige Zuschauer-Rekord für ein Eintages-Meeting in der Leichtathletik aufgestellt. Mit mehr als 70.000 Besuchern ist das Berliner Olympiastadion ausverkauft. So viele Leichtathletik-Fans werden am kommenden Sonntag coronabedingt nicht im Stadion sein. Aber unter den gegenwärtigen Bedingungen ist Meeting-Direktor Martin Seeber froh, dass die Jubiläumsausgabe trotzdem vor einer ordentlichen Kulisse stattfinden kann.

"Wir haben in den letzten zehn Jahren nicht über unsere Verhältnisse gewirtschaftet. Wir haben auch teilweise Sachen nicht machen können und auch Athleten nicht einkaufen können, die wir einfach nicht bezahlen konnten. Von daher sind wir wirtschaftlich gut aufgestellt. Haben aber auch weitere Partner, den Landessportbund und den Olympia-Stützpunkt. Also wir sind hier in der Sportmetropole Berlin breit aufgestellt, und können das ISTAF auch so wirtschaftlich gut absichern."

Bei einem Gesamt-Budget von 1,5 bis zwei Millionen Euro steht das ISTAF zu seinem einhundertjährigen Bestehen auf einem stabilen Fundament.

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