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JournalistenpreisUnd die "Verschlossene Auster" geht an: Facebook

Facebook-Symbole wie die Abkürzung 'f' und der gesenkte Daumen für "dislike" auf blauem Grund und darüber steht Hass gesprüht, wobei der Buchstabe 'a' in Hass aus dem At-Zeichen besteht. (Imago / Ralph Peters)
Facebook steht besonders im Zentrum der Debatten um Hass-Kommentare im Netz. (Imago / Ralph Peters)

Die katholische Kirche, der Weltfußballverband FIFA, die Waffenschmiede Heckler & Koch - die Liste der ausgezeichneten "Auskunftsverweigerer in Politik und Wirtschaft" der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche ist lang und vielfältig. In diesem Jahr kommt Facebook hinzu - vor allem aus einem Grund.

Netzwerk Recherche kritisiert mit seiner Vergabe des Negativpreises an das Social-Media-Unternehmen dessen mangelnde Transparenz beim Umgang mit Hasskommentaren. "Es war und ist nicht erkennbar, wann, ob und nach welchen Kriterien Löschungen vorgenommen werden", hieß es bei der Preisvergabe auf der Jahrestagung des Netzwerks. Nachforschungen zu Facebooks Praxis gegenüber Hetze im Internet seien weitgehend ins Leere gelaufen.

Hasskommentare hätten in der politischen Debatte des vergangenen Jahres eine wichtige Rolle gespielt. Dass Menschen Facebook für solche Botschaften missbrauchten, liege nicht in der Verantwortung des Unternehmens - wie die Firma dagegen vorgeht, allerdings schon.

Der Datenschutzexperte Thilo Weichert sagte in seiner Laudatio, Facebook ermögliche das unkontrollierte Verbreiten von Meinungen und sammle dabei Daten, um sie kommerziell zu verwerten: "Transparenz und Kontrolle wären für dieses Geschäftsmodell Gift."

Facebook nahm die Einladung zur Preisverleihung und Gegenrede nach Angaben des Netzwerks nicht an. In einigen Punkten widerspreche das Unternehmen und könne deshalb den Peis nicht annehmen, schrieb eine Unternehmenssprecherin. Seit 2015 habe Facebook "eine Vielzahl von Maßnahmen im Kampf gegen Hasskommentare und Hetze ergriffen". Man informiere darüber "permanent, offen und transparent".

Beim Konkurrenten Twitter und auch bei Facebook selbst fragte - wohl nicht ganz ernst gemeint - Netzwerk Recherche nach der Preisverleihung:

Am Freitag hatte die Journalistenvereinigung mit rund 770 Mitgliedern den türkischen Journalisten Can Dündar für "die mutigen Recherchen seiner Zeitung sowie für seinen Kampf um die Pressefreiheit" mit dem "Leuchtturmpreis" ausgezeichnet.

Ziel der "Verschlossenen Auster" ist es, einen aufklärerischen und investigativen Journalismus zu fördern.

(bor/ach)

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