
Ausgangspunkt für die Demonstrationen ist die zunehmend prekäre Lage der iranischen Bevölkerung: Durch die internationalen Sanktionen gegen das Regime in Teheran mangelt es an nahezu allen Dingen des täglichen Bedarfs - oder sie sind durch die extreme Inflation unerschwinglich geworden. Die Staatswährung Rial, deren Wertverfall ein Auslöser der Proteste war, erreichte zuletzt ein Rekordtief.
Die Politikwissenschaftlerin und Publizistin Sahebi sagte im Deutschlandfunk, viele Menschen im Iran arbeiteten in zwei oder drei Jobs und hätten trotzdem nicht genug Einkommen, um ihre Familie zu versorgen. "Der Alltag ist für die meisten unbezahlbar geworden, dabei ist der Iran eigentlich ein reiches Land", sagte sie. Die Regierenden dagegen hätten keine wirtschaftlichen Sorgen, was den Unmut der Bevölkerung noch steigere.
Der Druck von der Straße auf das Regime im Iran nimmt zu
Die Unzufriedenheit mit der politischen Elite treibt immer mehr Iranerinnen und Iraner auf die Straße. Nach Ansicht von Sahebi steht die Regierung jetzt deutlich stärker unter Druck als noch bei den letzten großen Protesten vor gut drei Jahren, als es vor allem um die Rechte der Frauen ging. Die politische Lage habe sich zudem zu Ungunsten des Irans verändert: Syrien sei nach dem Sturz von Machthaber Assad als Verbündeter weggefallen, auch die islamistische Hisbollah im Libanon sei geschwächt. Zudem habe der Konflikt mit Israel gezeigt, wie schlecht das iranische Militär auf Angriffe vorbereitet sei. Deshalb nehme die Führung in Teheran die Drohungen von US-Präsident Trump vermutlich sehr ernst, dass die USA auch eine Militärintervention in Erwägung ziehen könnten.
Die Regierung steht von allen Seiten unter zunehmendem Druck. Auf den Straßen der Islamischen Republik verzichten zudem immer mehr Frauen auf das Tragen eines Kopftuchs. Die Bevölkerung wolle nicht mehr unter einer Diktatur leben - und die Proteste bringen das zum Ausdruck, so Sahebi.
Was könnte nach einem Sturz der Regierung passieren?
Ob sich der Unmut der Bevölkerung so verstärkt, dass am Ende das Regime in Teheran darüber stürzt, ist nach Ansicht von Analysten zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar. Sollte es aber doch dazu kommen, wären mehrere Szenarien möglich.
Viele Experten nennen den Sohn des früheren Schahs, Reza Pahlevi, als möglichen neuen politischen Führer. Er lebt im US-amerikanischen Exil und ist laut Sahebi "aktiv und auf der Weltbühne präsent". Er ist allerdings nur Teil eines Teils der stark zersplitterten Oppositionskräfte. Denkbar wäre auch eine Machtübernahme durch Teile des Militärs, ebenso eine zivile Übergangsregierung.
Diese Nachricht wurde am 07.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

