Montag, 05. Dezember 2022

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Journalistinnen im Vatikan
Rücktritt wegen "Männer-Dominanz"

Die rein weiblich besetzte Redaktion der Frauenzeitschrift des Vatikans ist geschlossen zurückgetreten. Sie kritisiert ein Klima der fortschreitenden Delegitimierung. Dahinter steckten größere Konflikte wie der um das Frauenbild in der Katholischen Kirche, meint Deutschlandfunk-Redakteurin Christiane Florin.

Christiane Florin im Gespräch mit Stefan Fries | 27.03.2019

Zwei Bischoefe lesen am 27.04.2014 vor der Messe die aktuelle Ausgabe des "Osservatore Romano" auf dem Petersplatz.
Eine Zeitschrift in Männerhand: Der "Osservatore Romano" ist die Tageszeitung des Vatikanstaats (imago stock&people / Ulmer)
Die an die Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" angegliederte Redaktion der Frauenzeitschrift "Donne Chiesa Mondo" ("Frauen Kirche Welt") hat nach Angaben der Journalistinnen lange eigenständig arbeiten können. Dies habe sich aber seit der Ernennung des Schriftstellers Andrea Monda zum neuen Chef des "Osservatore Romano" im Dezember geändert.
Denn mittlerweile gelte wieder der "überholte und öde Brauch der von oben getroffenen Auswahl" von Frauen für die Redaktion, die der neuen Führung "vertrauenswürdig" erschienen, schrieb die Gründerin der Zeitschrift, Lucetta Scaraffia, in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an Papst Franziskus: "Wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima aus Misstrauen und wachsender Delegitimierung umgeben fühlen". "L'Osservatore Romano"-Chef Andrea Monda widerspricht dieser Darstellung.
Es geht auch um das Frauenbild der Katholischen Kirche
Dahinter steckten größere Konflikte, schätzt die Deutschlandfunk-Redakteurin Christiane Florin. Zum einen spiele der Kampf um Reformen im Vatikan eine Rolle und die Frage, wie viel Aufklärung in Sachen Missbrauch zugelassen werden solle, zum anderen gebe es einen Streit um die Kommunikationsabteilung. Ganz grundsätzlich gehe es aber auch um das Frauenbild der katholischen Kirche: Es gehe der Redaktion auch um Gleichberechtigung.
Die Redaktion von "Donne Chiesa Mondo" habe "nicht zahm" berichtet, so Florin. Die Zeitschrift habe "ganz schön viel bewegt", insbesondere in der Berichterstattung über sexuellen Missbrauch. Die Zeitschrift hatte zuletzt den Missbrauch von Nonnen und die Unterdrückung von Frauen in der katholischen Kirche thematisiert.
"Donne Chiesa Mondo" wurde 2012 mit der Unterstützung des damaligen Papstes Benedikt XVI. gegründet.