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StartseiteSprechstundeJuckreiz Tag und Nacht06.07.2010

Juckreiz Tag und Nacht

Reportage Nesselsucht

Kalt duschen oder die Füße kühlen, der ständige Juckreiz macht vielen Patienten mit Nesselsucht zu schaffen. In gewissem Maße können Antihistaminika Linderung verschaffen - doch nicht immer sprechen sie an.

Von Martin Winkelheide

Innenseite einer Hand (Stock.XCHNG - Joao Critis)
Innenseite einer Hand (Stock.XCHNG - Joao Critis)

"Das hat nach der Geburt meiner Tochter Marie-Christine angefangen. Die Kleine ist jetzt zehn geworden."

Universitäts-Hautklinik Köln. Die Ambulanz.

"Ich leide also seit zehn Jahren unter Urtikaria."

Birgit Tesch hat eine chronische Nesselsucht.

"Die letzten zwei Jahre ist es ganz schlimm, wo auch kein Medikament mehr hilft."

Dr. Guido Siebenhaar ist ihr behandelnder Arzt.

"Guten Tag Frau Tesch, wie hat sich denn Ihre Urtikaria oder auch Nesselsucht in den letzten Wochen verhalten, gibt es Probleme mit der Therapieeinstellung?"

"Es ist mehr oder weniger unverändert, ich habe jeden Tag Quaddeln, jeden Tag Rötungen, starken Juckreiz – auch in der Nacht. Das ist also geblieben.
Die Medikamente sprechen nicht besonders gut an. Ich muss auch nachts oft raus. Kalt duschen eben oder die Füße kühlen, weil die Füße sehr stark betroffen sind, es ist im Momente wieder sehr unangenehm."

Guido Siebenhaar:
"Kühlung ist auf jeden Fall eines der besten Mittel, den Juckreiz zu lindern. Des weiteren kann man auch fettende Hautpflege betreiben, weil auch wenn die Haut trocken ist, dann juckt sie auch mehr, als wenn sie gut geschmeidig ist und eingecremt wurde."

Birgit Tesch:
"Also, da werden wirklich die Nächte zu Tagen. Ich bügle nachts stundenlang, weil ich mich ablenken muss, damit ich wirklich nicht die Beine zerkratzen muss. Oder ich mache meine Steuererklärung nachts, meine Ablage nachts, wenn es ganz schlimm ist. Also, es ist teilweise unerträglich."

Guido Siebenhaar:
"Bei den von uns am häufigsten verwendeten Medikamenten handelt es sich um antiallergische Medikationen, sprich Antihistaminika. Der eine spricht auf ein bestimmtes Präparat der einen Firma besser an als auf das Präparat der anderen Firma. Das muss man etwas probieren, und auch mit der Dosis etwas spielen. Da muss man teilweise etwas mehr als die zugelassene Dosis von einer Tablette am Tag anwenden."

Birgit Tesch:
"Ich habe alle Medikamente, die es gibt, ausprobiert. Und der Erfolg ist im Moment: Null."

Guido Siebenhaar:
"Also zwei am Tag? Und darunter keine wesentliche Verbesserung?"

Birgit Tesch:
"Der Juckreiz lässt dann schon etwas nach. Aber die Quaddeln sind eigentlich immer da, die schwächen ab im Laufe des Tages, aber kommen eben nachts verstärkt zurück.
Die haben Sie auch immer woanders. Es ist nicht so, dass Sie die immer an den gleichen Stellen haben, sondern jeden Tag woanders. Wenn Sie morgens oder nachts aufwachen, können Sie ganz überrascht sein, dann haben Sie es mal an den Beinen, mal am Oberkörper, mal unter den Füßen, in den Händen. Wenn es ganz schlimm ist, dann haben Sie schon mal ein Auge zu geschwollen, weil Sie so eine Quaddel mitten auf dem Augenlid haben. Unter den Armen, den Ellenbogen, überall, und das wandert, man weiß nie, wo es gerade rauskommt am nächsten Tag.
Ich hab ein Kind, ich hab einen Mann, ich bin berufstätig, das muss ja dann trotzdem weiter laufen, das ist manchmal sehr belastend."

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