Sonntag, 05. Dezember 2021

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Judenfeindlichkeit an SchulenAntisemitismus in Berlin hat vor allem mit dem Nahost-Konflikt zu tun

"Antisemitismus in der Gesellschaft allgemein und unter türkischstämmigen Berlinern war immer ein Problem", so Aycan Demirel von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, zur aktuellen Debatte über wachsenden Antisemitismus an Schulen. Besonders der auf Israel bezogene Antisemitismus sei weit verbreitet.

Aycan Demirel im Gespräch mit Kathrin Hondl | 01.04.2018

Ein Junge hält ein Schild hoch mit einem Boykott-Aufruf gegen Israel. Am Al-Kuds-Tag demonstrieren Palästinenser auf dem Berliner Kurfürstendamm gegen sogenannte Zionisten und gegen Israel.
Auf Israel bezogener Antisemitismus bei einer Demonstration von Palästinensern in Berlin am Al-Kuds-Tag (picture alliance / M. C. Hurek)
Ein Anstieg von Antisemitismus sei durch empirische Forschung tatsächlich nicht zu belegen, sagte Demirel. Dennoch gäbe es viele Schulen, die antisemitische Äußerungen und Vorfälle melden würden. Daher sei auch anzunehmen, dass Antisemitismus in Schulen allgemein, und unter muslimischen und türkischstämmigen Schülern, ein ernst zunehmendes Problem sei.
In Berlin habe dies vor allem mit dem Nahost-Konflikt zu tun: Hier würden durch massive Propaganda die Palästinenser als alleinige Opfer und die Israelis als Täter dargestellt. Das sei jedoch eine nicht nur unter muslimischen und türkischstämmigen Jugendlichen, sondern auch eine in der Gesellschaft allgemein verbreitete Sichtweise, der sogenannte Israel bezogene Antisemitismus.
"Medienkompetenz schulen"
Der aktuelle Kontext des Antisemitismus, der Nahost-Konflikt, sei jedoch erst in den letzten Jahren in den Rahmenplänen der Schulen aufgenommen worden.
Im Hinblick auf Internet und Soziale Medien forderte Aycan Demirel mehr Aufklärungsarbeit. Medienkompetenz müsse geschult werden, sonst sei es nicht verwunderlich, wenn bei Schülern auf Youtube und in Sozialen Medien verbreitete Bilder "hängenbleiben."
Über Erfahrungen der Kreuzberger Initiative berichtete er, in Berlin gäbe es zwar eine große Bereitschaft zu interreligiösem Dialog, der sei jedoch auch mit großen Hürden verbunden, sowohl innerhalb der muslimischen Gemeinde, als auch auf der jüdischen Seite. Von beiden Seiten käme "Abwehr". Hier sei "Aufmerksamkeits- oder Opferkonkurrenz" ein wichtiges Stichwort.
Erfolge mit langfristigem Engagement
In muslimischen Gemeinden gäbe es Enttäuschung und Ärger, dass ihre Ausgrenzungserfahrungen, also Islamophobie in der Gesellschaft, keine adäquate Aufmerksamkeit bekomme. Antimuslimische Entwicklungen hätten in der Gesellschaft nicht den selben Stellenwert wie beispielsweise Antisemitismus. Auch daraus könnten Ressentiments gegenüber Juden entstehen.
Erfolge seien vor allem mit langfristigem Engagement und Strategien zu erreichen.