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StartseiteSport am WochenendeJüdische Begegnungen auf und neben dem Sportplatz03.07.2011

Jüdische Begegnungen auf und neben dem Sportplatz

Über die Geschichte eines weitestgehend unbekannten Turniers

Vom 6. bis zum 13. Juli finden die so genannten "jüdischen olympischen Spiele", die Maccabiah statt. Wien ist Austragungsort für die dreizehnten europäischen Makkabi-Spiele. Deutschland ist mit dem größten Team seiner Nachkriegsgeschichte mit von der Partie. Teilnehmen dürfen nur jüdische Sportler.

Von Robert Hunke

Eröffnung der 12. Europäischen Makkabi-Spiele in Israel (Itamar Grinber / emg2011)
Eröffnung der 12. Europäischen Makkabi-Spiele in Israel (Itamar Grinber / emg2011)
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Mit Österreich als Standort beweist der Makkabi-Dachverband historisches Gespür. Die Gegend um die Donau war im letzten Jahrhundert eine jüdische Sporthochburg.
Die Aufgabe die für die Organisatoren zu stemmen sein wird, ist gewaltig: seit fast drei Jahren organisieren die Wiener die sich gegen die Konkurrierenden Städte St.Petersburg, Madrid und Stockholm durchgesetzt haben. Während der acht Tage Anfang Juli wird der Veranstalter sich um 40.000 Portionen koscheres Essen für die Athleten kümmern. Und das ist nur EIN bunter Aspekt rund um die so genannten jüdischen olympischen Spiele.

In Sportarten wie Volleyball und Hockey aber auch in intellektuell besetzten Betätigungen wie im Schach und Bridge, misst sich u.a. auch ein kleines deutsches Team. Alon Abelski ist ein deutscher Fußballer. Er ist Jude, spielte in der letzten Saison in der zweiten Liga für Bielefeld und ist damit der höchstspielende jüdische, deutsche Fußballer der Geschichte. Er hat schon mal an den Makkabi- Spielen teilgenommen. Für ihn zählt vor allem das große come together des jüdischen Sports:

" Mir hat es super gefallen da, das kann ich nur jedem jüdischen Sportler empfehlen. Das ganze Drumherum ist einfach Wahnsinn!"

Allerdings hat die Veranstaltung deswegen auch nur geringeren sportlichen Wert. Ben Abelski ist der ältere Bruder von Alon. Er hat mit dem Wuppertaler SV in der vierten Liga gerade einen neune Verein gefunden hat. Aber Die Maccabiah fällt mitten in die Saisonvorbereitung. Er erklärt daher warum die beiden nicht in Wien teilnehmen werden, was die deutsche Mannschaft stark schwächen wird:

"Wo ich halt das größere Problem sehe, ist halt versicherungstechnisch. Stell Dir vor ich hol mir da einen Kreuzbandriss oder so, dann bist du im Zweifelsfall ja gar nicht versichert nur weil du als Leistungssportler zwischendurch einfach Mal so auf ne Maccabiah fährst. Deswegen sind ja größtenteils gar keine Leistungssportler auf so einer Maccabiah vertreten!"

Sportvereine sind im Vergleich zu Europa- oder Weltmeisterschaften nicht zur Abstellung für eine Maccabiah verpflichtet. Einige Stars sind aber doch an Bord: Georg Meyer ist aktueller deutscher Schachnationalspieler und ein Mitfavorit auf die Goldmedaille. Deutsche, jüdische Top-Sportler sind bei der Maccabiah 2011 aber eher Exoten Das war früher ganz anders.

Rückblick: Berlin, um die Jahrhundertwende. Etwa 100.000 Juden leben damals hier. Als die Bedeutung des Sports mit dem Start der neuzeitlichen olympischen Spiele in der industriell geprägten Gesellschaft immer wichtiger wird, haben verschieden Gruppierungen das Bedürfnis sich durch den Sport abzuheben, ja vielleicht sogar abzugrenzen.

Multikulturelle Annäherung oder Integration durch Sport sind damals noch nicht en vogue.
1898 organisiert sich Bar Kochba Berlin und begründet den Ruf der Hauptstadt des Kaiserreichs als Standort für den jüdischen Sport.

Doch das ändert sich rasch. Unter dem Druck des Nationalsozialismus wandert der Maccabi Weltverband über England ins heutige Israel, das damals noch Palästina hieß.
Der Begriff Makkbai stammt von den Makkabäern, den jüdischen Freiheitskämpfern ab.
Hier wird dann deutlich, dass sich die bürgerlich-jüdische Turn- und Sportbewegung Maccabi nicht nur als reine Sportorganisation versteht, sondern als Erziehungsauftrag.

Doch warum ist eine rein jüdische Sportveranstaltung notwendig? Die Frage nach der Idee der jüdischen Sportveranstaltung ist auch politisch zu beantworten, weiß Robin Streppelhoff, Experte für deutsch-israelische Sportbeziehungen an der deutschen Sporthochschule in Köln:

"Die Gründung des Maccabi-Weltsportfestes 1932 hatte also ganz klar zum Ziel Juden aus aller Welt nach Palästina zu holen. Nicht nur für die Spiele, sondern dass sie auch da bleiben und den Staat Israel aufbauen!"

Sport als Vehikel für den Zionismus blieb auch in den Nachkriegsjahren durchaus ein Ziel des Makkabi-Weltverbandes.
Erika Dienstl begleitet die deutsche Makkbai-Mannschaft als Edlefan nach Wien. Sie ist Ehrenmitglied und war schon bei vielen Makkabiaden dabei. Sie kommt aus Stollberg bei Aachen und ist heute angesehene Sportfunktionärin, war lange Präsidentin des deutschen Fechterbundes und ist noch heute in der deutschen Sporthilfe aktiv.
Für Sie bedeuten die Makkabi-Spiele:

" Auf eine bestimmte Art ist es die Stimmung der olympischen Spiele. Neue Menschen kennen lernen, aufgeschlossen sein, Freunde gewinnen… "

Doch wie schaut es mit dem Sicherheitsaspekt aus? Neben dem Innenministerium und privaten Sicherheitsdiensten, stellt auch die israelitische Kultusgemeinde Wien eigenes Sicherheitspersonal zur Verfügung, die Maccabiah ist für ihre Sicherheit berühmt, passiert ist in der Geschichte des Turniers noch nie etwas.

Sportlich prägten solche Veranstaltungen früher übrigens Stars wie Mark Spitz, der nicht nur bei Olympia, sondern im Schwimmen eben auch bei Makkabiaden reihenweise Medaillen abräumte.
Ben Abelski der gemeinsam mit seinem Bruder Alon der am höchsten spielende deutsche Jude im Fußball ist, sieht Juden heute noch nicht in der deutschen Gesellschaft und damit im Sport angekommen, hat aber im Verein und außerhalb der Maccabiah noch keine negativen Erfahrungen mit seinem Judentum gesammelt:

"Es ist einfach ein Thema in der Gesellschaft…die Leute wissen immer noch nicht so wie sie damit umgehen sollen. Ich habe damit ekien Problem. Mein Freundeskreis besteht zu 80% aus Moslems: Türken, Marokkaner…"

Trotz eigener jüdischen Sport-Veranstaltung: durch die Öffnung des jüdischen Sports in den letzten Jahren möchte die Maccabiah auch erreichen, dass Juden in Europa wieder als normal gelten und nicht nur im eigenen sozialen Milieu - sondern mitten in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Über 2.200 Athleten treten an: im Zuge des Wiener Filmfestivals werden die Europäischen Maccabi-Spiele eröffnet.

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