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StartseiteForschung aktuellIm Liegen ans Ziel27.05.2015

"Jugend forscht"-Sieger Marec Hase Im Liegen ans Ziel

Ein Liegeradtandem brachte Marec Hase 1989 einen NRW-Landessieg im Wettbewerb "Jugend forscht". Es war auch der Beginn seiner Karriere: Heute leitet Hase eine Firma, die Liegeräder herstellt und in diesem Segment zu den Weltmarktführer zählt.

Von Michael Böddeker

Marec Hase arbeitet an einem Fahrrad (Michael Böddeker / Afanasia Zwick)
Marec Hase leitet heute die Firma Hase Bikes, die sich auf Liege- und Lastenräder spezialisiert hat. (Michael Böddeker / Afanasia Zwick)
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50 Jahre Jugend forscht

Rote Backsteine, hohe Fenster - so sieht die Zechenhalle in Waltrop im Ruhrgebiet von außen aus. Drinnen befindet sich eine riesige Fahrradwerkstatt. Regale mit Ersatzteilen an den Wänden, und um mehrere der dunkelrot lackierten Stahlsäulen herum hängen Fahrradteile in Gestellen. Es sind sozusagen Fahrrad-Karussells. Damit können die Mechaniker mehrere Räder hintereinander bearbeiten - sie drehen die Konstruktion dafür einfach immer etwas weiter. Auf einer höheren Ebene steht Marec Hase.

"Man kann hier von der Empore vier, fünf Meter runter gucken, in die Montage. An so Karussells sind die Räder. Und wir stehen hier außerdem noch neben einem Aufzug. Der ist genauso alt wie die Halle. Wir bringen damit tatsächlich noch unsere Paletten rauf und runter. Und vielleicht hört man ihm auch seine 100 Jahre schon an. Ich mach ihn mal an ..."

Marec Hase trägt eine graue Jeans und einen robusten Wollpullover. Er ist Mitte 40, wirkt aber jünger - und sportlich. Kein Wunder: Die meisten Strecken legt er auf dem Fahrrad zurück.

"Am Wochenende auch mal gerne zur Freizeit und zur sportlichen Herausforderung. Ich benutze das Fahrrad aber auch als Auto-Ersatz. Und wenn ich größere Aktionsradien habe - nach Bochum, Münster sind das 30, 40 Kilometer - dann bietet der Fahrradmarkt ja inzwischen tolle Lösungen mit einem Elektromotor."

"Ich bin doch kein Jungforscher!"

Fahrräder findet Marec Hase schon als Kind toll. Die ersten eigenen Räder schraubt er aus alten Teilen zusammen.

"Meine Mutter, die hat das sehr stark unterstützt. Die hat dann damals in der Zeitung eine Annonce aufgegeben, dass sie alte Fahrradteile sucht und kauft. Und das war dann das größte Geburtstagsgeschenk, das ich haben konnte: kistenweise verschiedenste Fahrradkomponenten. Alte Fahrradkomponenten."

1989 schlägt seine Mutter ihm vor, es doch mal bei "Jugend forscht" zu probieren.

"Und damals habe ich gesagt: Das ist doch nur ein Fahrrad. Ich bin doch kein 'Jugend forscht', kein Jungforscher!"

Nebeneinander fahren

Dabei ist das selbst gebaute Liegerad von Marec Hase schon etwas Besonderes. Man ist beim Radfahren nämlich nicht allein - es sind zwei Sitze nebeneinander montiert. Ursprünglich hatte er es gebaut, um damit eine längere Tour mit einem blinden Freund zu unternehmen.

"Der Vorteil war halt, dass man nebeneinander saß, dass man ihm die Landschaft beschreiben konnte. Und er selber hat auch gesagt, dass er eben auch im Fahrtwind saß. Dass er dadurch auch ein Geschwindigkeitsgefühl hatte, was er eben als Blinder sonst nicht so hatte."

1989 reicht seine Erfindung immerhin für den Landessieg in Nordrhein-Westfalen. Danach versucht er es noch einige Male.

"Aber da hat dann die Jury wahrscheinlich gesagt: Ach, schon wieder ein Fahrrad? Aber rückblickend muss ich auch sagen, als 16-Jähriger, dieses erste Fahrrad, was ich gebaut habe, das war schon eine tolle Leistung."

Mit 23 in die Selbstständigkeit

1994 macht sich Marec Hase nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker mit seiner Fahrrad-Firma selbstständig. Gerade mal 23 Jahre ist er da alt.

"Das kann auf der einen Seite natürlich ein Risiko sein. Auf der anderen Seite hat man weniger finanzielle Verpflichtungen rundum. Man kann also mit weniger erst mal auskommen. In das Thema auch einfach reinwachsen. Und vielleicht gehört auch ein bisschen so jugendliche Unbekümmertheit dazu, so etwas Neues zu machen."

Heutzutage sind Liegeräder im Straßenverkehr keine Kuriosität mehr. Und oft sind es auch die Räder von Marec Hase, die man sieht. Seine Firma ist inzwischen stark gewachsen. Nach den Anfängen in der elterlichen Garage geht es 2001 in die alte Zechenhalle nach Waltrop.

"Das war auch ein Wagnis. Das war schon sehr groß für uns. Aber das war halt wirklich ein Gebäude, wovon man träumen kann. Und dann haben wir uns auf das Abenteuer eingelassen. Und jetzt wissen wir, dass es gut gegangen ist."

Ungefähr 1400 Räder pro Jahr verkauft seine Firma inzwischen weltweit, sagt Marec Hase. Vor einigen Jahren hat sich das Unternehmen erneut ausgeweitet, in eine neu errichtete zweite Halle. An seiner Karriere habe "Jugend forscht" zumindest einen gewissen Anteil.

"Also, ich könnte jetzt nicht sagen, dass sich sofort was geändert hat wegen "Jugend forscht". Es ist einfach mehr Ernsthaftigkeit reingekommen, und dadurch ist es halt professioneller geworden."

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