Montag, 06. Dezember 2021

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Julia Knop vs. Christian ParthIst die katholische Kirche reformierbar?

Von Amt bis Zölibat steht alles auf Prüfstand. Jedenfalls wird sowohl im Vatikan als auch in Deutschland darüber diskutiert. Die Theologin Julia Knop sieht die Chance, durch die Debatte Machtverhältnisse zu ändern. Christian Parth traut dieser hierarchischen Kirche keine Reform zu.

Moderation: Christiane Florin | 16.11.2019

Ein katholischer Priester hält bei der Eucharistiefeier die Hostie hoch.
Katechismus, Kirchenrecht, Eucharistiefeier: Über die katholische Kirche wird viel gestritten (picture alliance / Godong)
Sexualisierte Gewalt, sinkende Mitgliederzahlen, miserables Image – das katholische Krisengebiet ist schnell umrissen. Wie der Weg aus diesem Krisengebiet heraus aussehen kann, wohin er führt und ob er überhaupt möglich ist - darüber sind sich vom Vatikan bis zu Laienorganisationen, von Ausgetretenen bis zu Atheisten nicht einig. Die Frage, ob die katholische Kirche reformierbar ist, diskutieren Julia Knop und Christian Parth.
Julia Knop
Julia Knop, Professorin für katholische Theologie an der Universität Erfurt
Julia Knop (Julia Knop)
"Selbstverständlich ist die katholische Kirche reformierbar. Sie hat sich über die Jahrhunderte hinweg ständig verändert, sonst hätte sie diese kulturprägende Kraft gar nicht entfalten können. Interessant ist, dass der Satz: 'Die katholische Kirche ist nicht reformierbar' aus zwei Perspektiven erzählt wird: Die einen sind so oft und so massiv enttäuscht worden, dass sie es vor ihrem Gewissen nicht mehr verantworten können, katholisch zu sein. Sie sprechen aus Erfahrung, wenn sie sagen: Diese Kirche kann sich einfach nicht verändern. Diese Gruppe wächst und ich glaube, sie hat sehr gute Gründe für ihr Urteil. Auf der anderen Seite gibt es Kräfte innerhalb der Kirche, die Reformen gezielt verhindern wollen. Sie reden nicht über Erfahrungen, sie reden normativ und sagen: Die Kirche darf sich nicht verändern. Sie meinen damit die Institution, den Katechismus, das Kirchenrecht, die Strukturen der Macht. Da waren wir kirchlich und theologisch schon einmal viel weiter. Denn natürlich sind auch solche Strukturen reformierbar."
Julia Knop, Professorin für katholische Theologie an der Universität Erfurt, beteiligt sich am synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland.
Christian Parth
Christian Parth, Journalist
Christian Parth (Thorsten Hesselink)
"Die Nichtveränderbarkeit ergibt sich aus der Kirche selbst. Die Kirche arbeitet mit Hierarchien und genau diese Hierarchien machen es unmöglich, diese Kirche zu reformieren. Es sind zu viele reaktionäre Kräfte am Werk, die deutlich die Oberhand haben. Würde sich die katholische Kirche neu aufstellen, dann käme das einer Revolution gleich. Sie müsste sich komplett von Grund auf zerstören und neu aufbauen. Dass dieser Prozess gelingen kann, halte ich aufgrund der zentralisierten Konstruktion dieser Kirche für vollkommen ausgeschlossen. Genau die vergangenen Jahrhunderte haben gezeigt, dass gerade das nicht möglich ist. Die Schritte, die es gab, sind so klein, so unbedeutend, dass eine echte Reform für mich im Bereich des Unmöglichen liegt."
Christian Parth, Journalist, ist im März 2019 aus Protest gegen den "Missbrauchsgipfel" im Vatikan aus der katholischen Kirche ausgetreten.