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StartseiteStreitkulturÜberhitzter Brenner: Helfen Fahrverbote?27.07.2019

Julika Sandt vs. Alfons RastnerÜberhitzter Brenner: Helfen Fahrverbote?

Der Brennerpass ist seit Jahrtausenden das Bindeglied zwischen Nord und Süd, die Lebensader Europas, die wichtigste Verkehrsachse zwischen Italien und Deutschland. Und der Brenner glüht. Wären Fahrverbote eine probates Mittel, um die Situation zu verbessern?

Moderation: Michael Watzke

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Das Bild zeigt hunderte Fahrzeuge im Stau auf mehreren Fahrspuren vor der Mautstelle. (dpa / APA )
Verstopfte Verkehrsader: Alltag am Brenner (dpa / APA )
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Der Brenner ächzt unter der Last von 2,4 Millionen Lkw und 11,5 Millionen Pkw pro Jahr. Ein Eisenbahn-Tunnel unter dem Pass, der Brenner-Basis-Tunnel, soll Abhilfe schaffen, aber er wird frühestens in zehn Jahren fertig sein. Bis dahin wälzen sich weiter Blechlawinen in kilometerlangen Staus durch das schmale Alpental.

Wir fragen heute: "Überhitzt der Brenner? Und helfen dagegen Fahrverbote?"

In Österreich, im Landesstudio Tirol in Innsbruck, ist Alfons Rastner zugeschaltet, der Bürgermeister von Mühlbachl, einem kleinen Ort direkt am Brenner. Alfons Rastner ist für Fahrverbote:

"Die Verkehrswege über den Brenner sind massiv überfordert, die Leistungsfähigkeit längst überschritten.  Der Lebensraum der heimischen Bevölkerung wird dadurch unzumutbar beeinträchtigt. Versorgungsfahrten, Rettungseinsätze, Feuerwehrfahrten sind oft nicht möglich, somit ist die öffentliche Sicherheit nicht mehr gegeben. Die getroffenen Maßnahmen durch die Sperren der Regionalstraßen für den Durchzugsverkehr sind daher eine unbedingte Notwendigkeit und werden von der Bevölkerung, aber auch von Gästen begrüsst!"

Julika Sandt ist die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im bayerischen Landtag. Sie ist gegen Fahrverbote:

"Die Brennerstrecke ist eine der Hauptschlagadern des europäischen Güterverkehrs. Regulative Alleingänge behindern dort jedoch den Warenverkehr. Die "Dosierung" des Lkw-Transits oder die mögliche Ausweitung des Nachtfahrverbots auf LKW mit Euro 6 Motoren sind zwei Beispiele, mit denen Tirol den Warenverkehrsfluss abklemmt. Die Folgen spürt die gesamte EU. Der volkswirtschaftliche Schaden lässt sich derzeit überhaupt noch nicht beziffern. Unbestritten ist Tirol durch den Transitverkehr eine stark belastete Region. Das Anliegen, die Auslastung der Inntal- und Brennerautobahn zu reduzieren, ist deswegen nachvollziehbar. Die Schiene könnte Teile der Verkehrslast übernehmen. Hier wäre es jedoch falsch mit dem Finger auf Tirol zu zeigen. Beim Großprojekt Brennerbasistunnel haben Deutschland und Bayern jahrelang ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Gerade der CSU müsste bei dem Thema die Schamesröte ins Gesicht steigen, stellt sie doch seit Jahren den Bundesverkehrsminister in Berlin."

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