Jule Reimer: Verbraucherschützer haben es nicht ganz einfach. Die Gruppe, die sie vertreten, ist weder homogen noch gut vernetzt in Interessenverbänden organisiert, und häufig müssen sich die Organisationen um ihre Einkommensquellen selbst kümmern. Da war es verdienstvoll, dass sich die Bundesregierung 2010 für eine Stiftung Verbraucherschutz stark gemacht hat. Die wird heute vom Verbraucherzentralen Bundesverband und diversen anderen Verbraucherschutzorganisationen und Sozialverbänden getragen, und außerdem unterstützen Wirtschaftsverbände und Wissenschaftler sie. Heute morgen gingen Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner und VZBV-Chef Gerd Billen im Namen der Stiftung in eine Berliner Schule, um dort das "Bündnis für Verbraucherbildung" vorzustellen, das insbesondere unter Jugendlichen für bewussteren Konsum werben soll. Mit dabei im Bündnis: die Ernährungsbranche, unter anderem McDonald's, was wiederum eine andere Verbraucherschutzorganisation, nämlich Foodwatch, kritisch anmerkte. Auch die Stiftung Warentest engagiert sich in Schulen. Kurz vor dieser Sendung fragte ich deren Pressesprecherin, Heike van Laak, wie groß sie den Aufklärungsbedarf unter Jugendlichen einschätzt.
Heike van Laak: Also unsere Erfahrung mit Jugendlichen, die wir durch unsere Wettbewerbe ja sehr zahlreich haben, ist die, dass es doch ein sehr, sehr großes Unwissen gibt bei Jugendlichen – übrigens nicht nur bei Jugendlichen, aber da kann man besonders gut ansetzen. Die jungen Leute wissen wenig über ihre Rechte als Verbraucher oder darüber, was man als Konsument auch für Macht ausüben kann. Die ganze Welt der Wirtschaft wird in dem Stundenplan nicht ausreichend in unseren Augen und übrigens auch in den Augen der Kultusminister nicht ausreichend berücksichtigt, und deshalb haben wir sozusagen in Eigeninitiative schon vor Jahren angefangen, uns in den Schulen zu engagieren.
Reimer: Und wie genau tun Sie das?
van Laak: Es gibt verschiedene Projekte. Es gibt einmal zwei Projekte, die unsere Hefte testen, "Finanztest" in den Unterricht mit einbeziehen. Da können sich jeweils 100 Schulen beteiligen. Das eine heißt "Test macht Schule", das andere Projekt heißt "Finanztest in der Schule", und dort werden unsere Hefte als Unterrichtsmaterialien genutzt in den unterschiedlichen Fächern. Und das hängt dann so ein bisschen vom Lehrer ab, welchen Schwerpunkt er setzt, oder in welchem Fach er das Heft einsetzt. Da werden zum Beispiel Tabellen analysiert oder es werden eigene kleine Tests durchgeführt und dann geguckt, wie machen das eigentlich die Warentester. Wir stellen dazu didaktische Lehreinheiten zur Verfügung, sodass die Lehrer sich das nicht alles selbst ausdenken müssen, sondern Material an die Hand kriegen. Das ist das eine.
Und dann gibt es eine ganze Reihe von Unterrichtseinheiten zur Verbraucherbildung, die wir kostenlos zur Verfügung stellen. Da gibt es einmal ein Buch, das heißt "Markt und Warentest". Das richtet sich besonders an die Sekundarstufe zwei. Es gibt aber auch kurze Unterrichtseinheiten zur Verbraucherbildung, die sich Lehrer kostenlos runterladen können, zu Themen wie zum Beispiel "Daten außer Kontrolle" oder "Recht und Unrecht im Internet". Es gibt was über "Licht im Label-Dschungel" oder "Shoppen im Web" oder was zu richtiger Ernährung.
Reimer: Viele Unternehmen, die in die Schulen gehen, verteilen dann auch Gutscheine oder Gratis-Abos, weil sie sich davon auch eine gewisse Kundenbindung erhoffen. Das heißt, sie betreiben Aufklärung und gleichzeitig auch Werbung. Wie halten Sie es?
van Laak: Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden. Wir kennen gar nicht die Adressen der Schüler, die bei unseren Projekten mitmachen. Bei uns gibt es keine Abo-Werbung und wir sehen es als unsere Aufgabe, die übrigens auch in der Satzung so festgelegt ist, den kritischen Konsum zu fördern, und da macht es einfach Sinn, damit so früh wie möglich anzufangen. Und unsere Erfahrung ist übrigens auch, dass die Themen sehr, sehr gut bei den Schülern ankommen, weil sie nämlich mit ihrem tatsächlichen Leben was zu tun haben. Da gibt es den einen oder anderen, der schon mal im Internet in eine Abo-Falle getappt ist, oder der Schulden gemacht hat, weil ihm die Handy-Rechnung davongelaufen ist, und wenn man da ansetzt, sozusagen bei der Realität der Jugendlichen, dann kriegt man sehr, sehr großes Interesse. Aber uns geht es tatsächlich nicht darum, Abonnenten zu gewinnen, ganz bewusst nicht, und deshalb haben wir die Adressen gar nicht und fassen da auch nachher nicht nach.
Reimer: Unternehmen sind ein wichtiger Pfeiler dieser Gesellschaft, und viele möchten ihre Kunden ja auch gut beraten. Sollten, können Unternehmen in der Verbraucheraufklärung in Schulen eine größere Rolle spielen?
van Laak: Wir als Stiftung Warentest sehen das kritisch, besonders wenn es Finanzdienstleister oder Versicherungen sind, die in der Schule ja auch aktiv sind. Es ist tatsächlich so, dass es sehr wenig Material gibt und viele Lehrer dann auf dieses Material meinen, zurückgreifen zu müssen aus Mangel an Alternative. Aber man kann ernsthaft, glaube ich, keine altruistischen Motive unterstellen. Firmen, die in Schulen gehen, die werden von uns sehr kritisch beäugt.
Reimer: Heike van Laak von der Stiftung Warentest in Berlin zur Verbraucherbildung bei Kindern und Jugendlichen. Das Gespräch haben wir aufgezeichnet.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
Heike van Laak: Also unsere Erfahrung mit Jugendlichen, die wir durch unsere Wettbewerbe ja sehr zahlreich haben, ist die, dass es doch ein sehr, sehr großes Unwissen gibt bei Jugendlichen – übrigens nicht nur bei Jugendlichen, aber da kann man besonders gut ansetzen. Die jungen Leute wissen wenig über ihre Rechte als Verbraucher oder darüber, was man als Konsument auch für Macht ausüben kann. Die ganze Welt der Wirtschaft wird in dem Stundenplan nicht ausreichend in unseren Augen und übrigens auch in den Augen der Kultusminister nicht ausreichend berücksichtigt, und deshalb haben wir sozusagen in Eigeninitiative schon vor Jahren angefangen, uns in den Schulen zu engagieren.
Reimer: Und wie genau tun Sie das?
van Laak: Es gibt verschiedene Projekte. Es gibt einmal zwei Projekte, die unsere Hefte testen, "Finanztest" in den Unterricht mit einbeziehen. Da können sich jeweils 100 Schulen beteiligen. Das eine heißt "Test macht Schule", das andere Projekt heißt "Finanztest in der Schule", und dort werden unsere Hefte als Unterrichtsmaterialien genutzt in den unterschiedlichen Fächern. Und das hängt dann so ein bisschen vom Lehrer ab, welchen Schwerpunkt er setzt, oder in welchem Fach er das Heft einsetzt. Da werden zum Beispiel Tabellen analysiert oder es werden eigene kleine Tests durchgeführt und dann geguckt, wie machen das eigentlich die Warentester. Wir stellen dazu didaktische Lehreinheiten zur Verfügung, sodass die Lehrer sich das nicht alles selbst ausdenken müssen, sondern Material an die Hand kriegen. Das ist das eine.
Und dann gibt es eine ganze Reihe von Unterrichtseinheiten zur Verbraucherbildung, die wir kostenlos zur Verfügung stellen. Da gibt es einmal ein Buch, das heißt "Markt und Warentest". Das richtet sich besonders an die Sekundarstufe zwei. Es gibt aber auch kurze Unterrichtseinheiten zur Verbraucherbildung, die sich Lehrer kostenlos runterladen können, zu Themen wie zum Beispiel "Daten außer Kontrolle" oder "Recht und Unrecht im Internet". Es gibt was über "Licht im Label-Dschungel" oder "Shoppen im Web" oder was zu richtiger Ernährung.
Reimer: Viele Unternehmen, die in die Schulen gehen, verteilen dann auch Gutscheine oder Gratis-Abos, weil sie sich davon auch eine gewisse Kundenbindung erhoffen. Das heißt, sie betreiben Aufklärung und gleichzeitig auch Werbung. Wie halten Sie es?
van Laak: Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden. Wir kennen gar nicht die Adressen der Schüler, die bei unseren Projekten mitmachen. Bei uns gibt es keine Abo-Werbung und wir sehen es als unsere Aufgabe, die übrigens auch in der Satzung so festgelegt ist, den kritischen Konsum zu fördern, und da macht es einfach Sinn, damit so früh wie möglich anzufangen. Und unsere Erfahrung ist übrigens auch, dass die Themen sehr, sehr gut bei den Schülern ankommen, weil sie nämlich mit ihrem tatsächlichen Leben was zu tun haben. Da gibt es den einen oder anderen, der schon mal im Internet in eine Abo-Falle getappt ist, oder der Schulden gemacht hat, weil ihm die Handy-Rechnung davongelaufen ist, und wenn man da ansetzt, sozusagen bei der Realität der Jugendlichen, dann kriegt man sehr, sehr großes Interesse. Aber uns geht es tatsächlich nicht darum, Abonnenten zu gewinnen, ganz bewusst nicht, und deshalb haben wir die Adressen gar nicht und fassen da auch nachher nicht nach.
Reimer: Unternehmen sind ein wichtiger Pfeiler dieser Gesellschaft, und viele möchten ihre Kunden ja auch gut beraten. Sollten, können Unternehmen in der Verbraucheraufklärung in Schulen eine größere Rolle spielen?
van Laak: Wir als Stiftung Warentest sehen das kritisch, besonders wenn es Finanzdienstleister oder Versicherungen sind, die in der Schule ja auch aktiv sind. Es ist tatsächlich so, dass es sehr wenig Material gibt und viele Lehrer dann auf dieses Material meinen, zurückgreifen zu müssen aus Mangel an Alternative. Aber man kann ernsthaft, glaube ich, keine altruistischen Motive unterstellen. Firmen, die in Schulen gehen, die werden von uns sehr kritisch beäugt.
Reimer: Heike van Laak von der Stiftung Warentest in Berlin zur Verbraucherbildung bei Kindern und Jugendlichen. Das Gespräch haben wir aufgezeichnet.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.