Steuerhinterziehung
Juristin Brorhilker: Ermittlungsbehörden müssen sich besser vernetzen

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung ist nach Ansicht der Juristin Brorhilker ein besserer Informationsaustausch der Ermittlungsbehörden erforderlich. Nur so könne man die oft sehr geschickt agierenden Steuersünder überführen. Schätzungen zufolge entgingen dem Fiskus jährlich bis zu 100 Milliarden Euro an Steuergeldern.

    Ex-Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker, Co-Geschäftsführerin der Bürgerbewegung Finanzwende e.V., steht in den Büroräumen des Vereins
    Ex-Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker fordert eine bessere Zusammenarbeit der Behörden im Kampf gegen Steuerhinterziehung. (picture alliance / dpa / Carsten Koall)
    Die mutmaßlichen Straftäter nutzten die Zersplitterung der Behörden im großen Stil aus, sagte die ehemalige Kölner Oberstaatsanwältin im Deutschlandfunk. Es gebe zwar überall Mitarbeiter, die kriminelle Machenschaften aufdecken könnten. Doch ihr Wissen könne von Kolleginnen und Kollegen in anderen Behörden nicht abgerufen werden. Zudem erhielten sie zu wenig Unterstützung von Vorgesetzten und Politikern, die darüber hinaus oft nicht genügend Kontakt zur Realität hätten und sich so von den "Erzählungen" der Finanzbranche täuschen ließen.

    Cum-Ex-Skandal als Beispiel

    Als Beispiel nannte Brorhilker, die seit knapp zwei Jahren Vorständin der Bürgerbewegung Finanzwende ist, den Cum-Ex-Skandal. Als Oberstaatsanwältin in Köln hatte sie zwischen 2013 und 2023 maßgeblich zu dessen Aufklärung beigetragen. Sie habe erlebt, dass die Ermittlungen in Frankreich deutlich effizienter gelaufen seien, weil dort eine übergeordnete Stelle eingerichtet worden sei. Deshalb sei es auch für Deutschland wünschenswert, mehr Kompetenzen im Kampf gegen die Steuerhinterziehung auf Bundesebene zu ziehen, betonte Brorhilker.
    Diese Nachricht wurde am 10.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.