"Interview der Woche"
Juristin Brorhilker sieht bei Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in Deutschland große Mängel

Die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität in Deutschland stößt nach Einschätzung der ehemaligen Cum-Ex-Chefanklägerin Brorhilker weiterhin an klare strukturelle Grenzen. Brorhilker sagte im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks, beim Kampf gegen Steuerkriminalität gebe es noch deutlich Luft nach oben.

    Ex-Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker galt als führende Ermittlerin im Cum-Ex-Steuerskandal, bis sie den Staatsdienst verließ
    Die frühere Oberstaatsanwältin Brorhilker ist jetzt Vorstandsmitglied des Vereins Bürgerbewegung Finanzwende (picture alliance / dpa / Carsten Koall)
    Die Gründe dafür seien unter anderem der Föderalismus mit vielen schlecht vernetzten Behörden, zu wenig spezialisiertes Personal und insgesamt starre Verwaltungsstrukturen. Gleichzeitig agierten Täter mit hochspezialisierten Anwaltsteams und gezielten Verwirrungstaktiken. Dies sorge für ein deutliches Ungleichgewicht. Schätzungen zufolge entgingen dem Staat jährlich rund 100 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung und andere Formen der Wirtschaftskriminalität. Dies entspreche etwa einem Fünftel des gesamten Staatshaushalts, sagte Brorhilker.
    Allein durch sogenannte Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte, sei ein Schaden von mindestens 40 Milliarden Euro entstanden. Bei dieser Art von Steuerkriminalität hatten sich Investoren mehrfach Steuern erstatten lassen, die sie gar nicht gezahlt hatten. Brorhilker war an der Aufklärung dieser Fälle als Oberstaatsanwältin beteiligt. Inzwischen arbeitet sie für den Verein "Bürgerbewegung Finanzwende".

    Programmhinweis

    Das "Interview der Woche" mit Anne Brorhilker hören Sie am Sonntag ab 11 Uhr im Deutschlandfunk und schon jetzt in der Deutschlandfunk-App.
    Diese Nachricht wurde am 21.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.